Die Akte Palij: Abgeschobener KZ-Aufseher wird in Ahlen untergebracht

Die Akte Palij : Abgeschobener KZ-Aufseher wird in Ahlen untergebracht

Der aus den USA abgeschobene frühere SS-Mann Jakiw Palij ist in einem Pflegeheim in Ahlen im Münsterland untergebracht worden. Das bestätigte der zuständige Kreis Warendorf am Dienstag.

Das Pflegeheim sei von Bund und Land ausgesucht worden - weshalb die Wahl auf Ahlen gefallen sei, wisse er nicht, sagte Landrat Olaf Gericke. Man habe die Ankunft des 95-Jährigen seit dem 7. August vorbereitet und mit der Polizei über eventuell nötige Schutzmaßnahmen für Palij und das Pflegeheim gesprochen, sagte ein Sprecher.

Der Blick in eine Gefangenenbaracke des früheren Konzentrationslagers Trawniki im besetzten Polen. In dem KZ war der frühere SS-Mann Jakiw Palij Aufseher. Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa

Die USA haben den früheren SS-Mann Jakiw Palij, der als Aufseher im Konzentrationslager Trawniki im besetzten Polen tätig war, nach Deutschland abgeschoben. „Um das Freiheitsversprechen zu wahren, das Holocaust-Opfern und ihren Familien gegeben wurde”, habe Präsident Donald Trump die Abschiebung des heute 95-Jährigen zur Priorität gemacht, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit.

Männliche Gefangene im früheren Konzentrationslager Trawniki im besetzten Polen. Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa

„Die Vereinigten Staaten werden niemanden tolerieren, der NS-Verbrechen und andere Menschenrechtsverstöße unterstützt hat, und diese Personen werden auf amerikanischem Boden keine Zuflucht finden”, hieß es. Nach Angaben der FAZ sollte Palij nach der morgendlichen Landung auf dem Düsseldorfer Flughafen in eine Altenpflegeeinrichtung im Landkreis Warendorf gebracht werden.

Das Haus des ehemaligen KZ-Wachmanns Jakiw Palij im Stadtteil Jackson Heights im Stadtteil Queens von New York. Foto: Kathy Willens/AP/dpa

Palij, der auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geboren wurde, sei 1949 in die USA ausgewandert und habe 1957 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Er habe den USA damals seine Nazi-Vergangenheit verheimlicht und angegeben, auf einem Bauernhof und in einer Fabrik gearbeitet zu haben. Ein US-Gericht hatte dem früheren SS-Mann bereits 2003 die Staatsbürgerschaft entzogen. 2004 sei seine Abschiebung erstmals angeordnet worden, bis jetzt aber ohne Erfolg geblieben, so die Mitteilung.

Jüdische Häftlinge im früheren Konzentrationslager Trawniki im besetzten Polen. Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa

Der Abschiebung seien „umfangreiche Verhandlungen” vorausgegangen, hieß es darin weiter. Der Vorgang fördere „die Zusammenarbeit mit einem zentralen europäischen Bündnispartner der Vereinigten Staaten.”

Die USA haben Palij, der im Stadtteil Queens in New York gelebt hat, nach Deutschland abgeschoben. Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa

Der israelische Nazi-Jäger Efraim Zuroff hat die Abschiebung des früheren SS-Mannes Jakiw Palij aus den USA nach Deutschland gelobt. „Die US-Behörden verdienen viel Anerkennung für die Ausdauer und die Entschlossenheit, mit der sie 14 Jahre lang versucht haben, ihn aus den Vereinigten Staaten zu bekommen”, sagte Zuroff, Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, am Dienstag. „Endlich wird Jakiw Palij das Privileg verwehrt, in den USA zu leben.” Der heute 95-Jährige war nach Angaben der Ermittler als Aufseher im Zwangsarbeitslager Trawniki im besetzten Polen tätig.

„Ich würde mir wünschen, dass sie einen Weg finden könnten, ihn vor Gericht zu bringen”, sagte Zuroff. Er verwies auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, wonach die deutsche Justiz auch gegen NS-Verbrecher vorgegangen sei, die nicht nur in reinen Todeslagern tätig gewesen waren.

2011 verhängte das Landgericht München gegen den Sobibor-Wachmann John Demjanjuk wegen Mordbeihilfe an 28.000 Juden eine fünfjährige Haftstrafe. Das Urteil gegen Demjanjuk sei von grundlegender Bedeutung, weil erstmals in Deutschland ein NS-Täter verurteilt worden sei, ohne dass es einen individuellen Schuldnachweis gegeben habe, sagte Zuroff später.

(dpa)
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