Brüssel/Lüttich: Ab Freitag sind in Belgien Mautgebühren für Lkw fällig

Brüssel/Lüttich : Ab Freitag sind in Belgien Mautgebühren für Lkw fällig

Ab Freitag gilt in Belgien eine Lkw-Maut für einheimische und ausländische Lastkraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen. Das teilte diese Woche die Behörde Viapass mit, die für die Koordination der Maut zuständig ist.

Bereits 2011 vereinbarten die drei belgischen Regionen Flandern, Wallonien und Brüssel die Maut, die nun in die Tat umgesetzt wird. Sie wird auf den Autobahnen und größeren Regionalstraßen fällig.

Alle Lkw müssen mit einer sogenannten Onboard Unit (OBU) ausgestattet sein, die die gefahrenen Kilometer auf den mautpflichtigen Straßen erfasst. Die OBU ist etwa über Satellic erhältlich, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom und des österreichischen Unternehmens Strabag. Satellic ist für die technische Umsetzung zuständig. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir einen reibungslosen Start hinlegen“, sagte Satellic-Geschäftsführer Rudolf Pospischil dem Belgischen Rundfunk (BRF). Per Satellit werden die zurückgelegten Kilometer erfasst. Die Anschaffung des OBU ist kostenlos, lediglich eine Kaution in Höhe von 135 Euro muss hinterlegt werden.

750 Millionen Euro im Jahr

Die OBU muss auf öffentlichen Straßen permanent eingeschaltet sein, das Bußgeld beläuft sich auf 1000 Euro pro Verstoß. Wer ohne eingeschaltete OBU unterwegs ist, kann mit Hilfe einer Erkennungsapparatur zu jeder Tageszeit aufgespürt werden. Darüber hinaus sollen aber auch Kontrollen unter anderem mit festinstallierten und mobilen Kameras stattfinden.

Die Maut beträgt zwischen sieben und 30 Cent pro Kilometer und ist abhängig vom Straßentyp, dem zulässigen Gesamtgewicht des Fahrzeugs und der Emissionsnorm. Von der Abgabe ausgenommen sind unter anderem Busse, Reisemobile und Fahrzeuge, die ausschließlich in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Der Staat rechnet damit, dass pro Jahr etwa 750 Millionen Euro mit der Maut eingenommen werden. Allein die Wallonie rechnet mit Bruttoeinnahmen in Höhe von 325 Millionen Euro. Die Regierung hat angekündigt, die Einnahmen überwiegend in den Unterhalt des Straßennetzes zu investieren. Die Infrastruktur des Mautsystems hat bislang etwa 115 Millionen Euro gekostet.

In Deutschland wurde die Lkw-Maut am 1. Januar 2005 eingeführt. Eine Pkw-Maut wollte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eigentlich in diesem Jahr in Deutschland einführen. Im Gegensatz zur Lkw-Maut in Belgien wurde diese jedoch noch nicht von der EU-Kommission gebilligt.

Offiziell heißt esin Belgien im Moment noch, Pkw sollen weiterhin von der Maut ausgenommen bleiben. Kritiker befürchten jedoch, dass man mit den Mautbrücken bereits jene Infrastruktur geschaffen hat, die eine spätere Abgabe auch für Pkw möglich macht.

(dpa/red)