Aachen: Aachener Metalcore zwischen Bands aus der ganzen Welt

Aachen : Aachener Metalcore zwischen Bands aus der ganzen Welt

Auf dem heute stattfindenden Rodarock in Herzogenrath treten Metal-Bands aus der ganzen Welt auf. Aber auch Musiker aus der Region bekommen ihre Chance. Wir Hier stellt den Opener des kleinen Festivals vor: NV aus Aachen.

Als junge Band hat man es nicht einfach, das ist klar. Es muss viel Herzblut in eigene Songs gesteckt, Veranstalter überzeugt und eine Fanbase aufgebaut werden. Da kommt es auch schon mal vor, dass ein Auftritt vor zwei zahlenden Zuschauern stattfindet.

Bei der Probe voll konzentriert: Ralf Lemke von der Aachener Band NV. Foto: Schwark

„Der Rest waren andere Bands, die unser Schicksal geteilt haben“, sagt Andre Rockmann über einen Auftritt mit seiner Band NV in Düren. „Aber lassen wir uns das ganz schnell vergessen.“ Das können sie auch, wird ihnen so etwas bei ihrem nächsten Auftritt ganz sicher nicht passieren. Am heutigen Samstag treten sie nämlich beim Rodarock in Herzogenrath auf— und dafür sind schon Dutzende Karten verkauft worden.

Andres Nachname ist mit NV Programm. Na gut, das „Rock“ im Namen ist sogar noch etwas verharmlosend. Denn NV hat sich dem Metalcore verschrieben. Auch hinter dem Bandnamen verbirgt sich die Stilrichtung der fünf Musiker: NV, was ausgesprochen das englische Wort „envy“ (zu deutsch: Neid) ergibt, steht für eine der sieben Todsünden. Ihre Musik ist laut, hart und zum Teil auch ziemlich düster.

Wild oder spießig?

Optisch unterstreichen sie dieses Image: Tattoos, lange Haare oder ein Rauschebart. Echte Metal-Fans eben. Doch auf den zweiten Blick wirken sie im Alltag eher spießig. Auch Rockmann: Er ist auf dem Weg, Lehrer zu werden. „Na gut, meine Berufswahl passt jetzt nicht unbedingt zu unserer Musik. Aber muss es ja auch gar nicht. Uns vereint nämlich eins: Die Liebe für die härtere Musik.“

Und für die sind die beiden Songwriter Christian „Jojo“ Bogert, der gleichzeitig Sänger der Band ist, und Lead-Gitarrist Christian Lange zuständig. „Jojo ist genial, der schießt einen Song nach dem anderen raus“, sagt Rockmann. Aber auch Lange sei kaum zu stoppen, was das Schreiben angeht. „Inspiriert werde ich zum Schreiben durch viele Bands. Aber August Burns Red ist natürlich ein großer Einfluss auf uns“, sagt Lange. Kein Wunder, gehören die Amerikaner zu den bedeutendsten Metalcore-Bands der Welt.

Bock auf eine Metalcore-Band

Angefangen hat es bei NV eigentlich zufällig. „Auf einer Weihnachtsfeier habe ich mich mit Christian Lange unterhalten“, sagt Rockmann, „da habe ich nur gesagt: Eigentlich habe ich Bock auf eine Metalcore-Band.“ Seine Antwort habe ihn überrascht: „Jo, ich auch.“ Dann ging alles relativ fix, Rockmann holte Bogert mit ins Boot, Rolf Lemke (Bass) kannte er schon von seiner anderen Band, und Lange stellte Kontakt zu Sebastian Pawelczyk (Gitarre) her.

Ihr erster Song war das Cover zu „Carry on“ von Fun. Darauf folgte ein weiterer Coversong, bevor „wir endlich unsere eigene Mucke gemacht haben“, wie Rockmann sagt. Ihr erster Auftritt — mit eigenen Songs — war dann Ende 2017 im Autonomen Zentrum (AZ) in Aachen. Dort spielten sie auch in diesem Jahr noch einmal, ihr einziges Konzert 2018. Einige Auftritte mussten sie aus diversen Gründen absagen. „Das ist natürlich immer großer Mist, wenn man Gigs absagen muss. Aber leider waren wir etwas vom Pech verfolgt“, sagt Rockmann. Und trotzdem bekamen sie die Zusage für Rodarock. Ab 12 Uhr werden sie heute dort als Opener spielen. „Das ist natürlich mega“, sind sich die Fünf einig.

Doch die Vorbereitung gestaltete sich schwierig. Eigentlich treffen sich die Männer jeden Dienstag zum Proben. Die Kalender jedes einzelnen waren aber so voll, dass nicht jede Woche effektiv genutzt werden konnte. Und dann gibt es ja noch Wacken, das sich Sänger Jojo nicht entgehen lassen konnte. „Aber auch wenn wir nicht immer vollzählig waren, konnten wir ausreichend proben. Das Set, das wir in Herzogenrath spielen möchten, sitzt natürlich“, sagt Rockmann mit einem Grinsen. „Für das richtige Timing bin schließlich ich als Drummer zuständig.“

Rampensau

Einige der Bands kennen sie bereits von anderen Konzerten, mit einigen von ihnen sind sie sogar befreundet. Und auch mit größeren Bands haben sie bislang gute Erfahrungen gemacht. „Bis jetzt haben wir noch nie erlebt, dass jemand hochnäsig zu uns war oder sich von uns abgeschottet hat“, sagt Rockmann. Das sei gut, könne man doch auch einiges von „den Großen“ lernen. „Ausgelernt hat man schließlich nie“, weiß Rockmann als angehender Lehrer.

Auf der Bühne vertrauen sie vor allem auf Sänger Jojo, „der eine ziemliche Rampensau ist“. Das hat er auch schon im AZ gezeigt, als er während der Songs auch mal für einen Moshpit ins Publikum stieg. Und bei Rodarock wird er bei etwa 850 erwarteten Besuchern wohl wieder die Chance dazu nutzen.

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