Aachener Friedenspreis an Marjanovic und Berliner Compagnie

Aachener Friedenspreis an Marjanovic und Berliner Compagnie

Aachen. Die friedenspolitische Initiative Aachener Friedenpreis ehrt auch in diesem Jahr wieder Engagement „von unten” für gewaltfreie Konfliktlösungen. Der diesjährige mit 1000 Euro dotierte internationale Preis gehe an den bosnischen Serben Zdravko Marjanovic, der sich seit 16 Jahren für Frieden und Versöhnung im ehemaligen Jugoslawien einsetzt.

Das sagte der Vorsitzende der Initiative, Otmar Steinbicker, am Freitag in Aachen. Den ebenfalls mit 1000 Euro dotierten nationalen Preis erhalte das Theaterensemble Berliner Compagnie. Seit 1981 fördere das alternative Tourneetheater kritische Diskussionen über aktuelle politische Entwicklungen. Die Auszeichnungen werden am 1. September in Aachen verliehen.

Der 68 Jahre alte Marjanovic, der als Serbe in einem bosnischen Dorf bei Bosanski Petrovac geboren wurde, arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Elektrotechniker in Fabriken und Elektrizitätswerken. 1994 gründete er den Angaben nach in Backa Palanka die Friedensgruppe „Gesellschaft für Toleranz” und die Zeitung „Tolerancija”. Zwei Jahre später organisierte er das erste Treffen von Muslimen und Serben in Bosnien.

Als während der Balkankriege die ersten Flüchtlingsbewegungen einsetzten, rief er eine Hilfsvereinigung ins Leben, die ihre Arbeit 1999 wegen der NATO-Luftangriffe einstellen musste. 2003 gründete Marjanovic ein Forum zur Verständigung von Bosniern, Serben und Kroaten.

Die Berliner Compagnie entwickelte bis heute 23 Stücke. Ihre Gründung geht auf die Schauspieler Jean-Theo Jost, damals am Stadttheater Wiesbaden, und Gerhard Fries vom Stadttheater Kassel zurück.

1981 setzten sie vor dem Hintergrund der drohenden Stationierung der Pershing II Raketen und Cruise Missiles eine Großanzeige in die „New York Times”, unterschrieben von zahlreichen deutschen Kunstschaffenden. Darin richteten sie von Berlin aus einen Appell für Frieden und Abrüstung an das amerikanische Volk.

In Form von Theaterstücken setzte die Berliner Compagnie ihre politische Arbeit fort und schuf seitdem fast jährlich neue Stücke, etwa zum Nahostkonflikt, Deutschlands Rolle bei Waffenexporten, zur Verarmung Afrikas und jüngst zum Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan.

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