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Aachen/Düren/Heinsberg: Diese Folgen hatte das Unwetter Emmelinde

Verletzte und Millionenschäden : „Emmelinde“ bringt fatale Unwetter über Deutschland – Region bleibt größtenteils verschont

Starkregen und Gewitter verletzen Dutzende und bringen schwere Schäden. Schuld ist ein Tief namens „Emmelinde“. Vor allem Nordrhein-Westfalen wurde stark getroffen, hier gab es laut DWD drei Tornados.

Gewitter, Starkregen, Orkanböen, Tornados: Unwetter haben in Teilen Deutschlands schwere Schäden verursacht. Betroffen war vor allem das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen. Allein in Paderborn wurden laut Polizei 43 Menschen verletzt. Einige von ihnen schwer, wie ein Polizeisprecher am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Deutsche Wetterdienst bestätigte drei Tornados. Demnach traten in Paderborn, Lippstadt und in Lütmarsen, einem Ortsteil der Stadt Höxter, diese eindrucksvollen Wirbelstürme auf, bei denen aus einer Gewitterwolke ein rüsselartiger Wolkenschlauch bis in Bodennähe reicht.

Am Samstag sollte das Gewittertief nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ostwärts über Mecklenburg-Vorpommern abziehen. Im Süden sei noch vereinzelt mit Gewittern zu rechnen. Die Menschen im Nordosten können sich auf einen Wechsel aus Sonne und Wolken einstellen und auch im Südwesten soll es sonnig, jedoch nicht mehr so warm wie bisher werden.

Schon vor Beginn der Unwetter kam es zum Start ins Wochenende vielerorts in Deutschland zu Beeinträchtigungen. In manchen Regionen fiel am Freitag Unterricht aus. Einzelne Veranstaltungen wurden abgesagt, darunter eine Kuriosität in Solingen: Dort soll ein coronabedingt ausgefallener Weihnachtsmarkt nun erst ab Samstag und somit einen Tag später als geplant nachgeholt werden. Auch für den Reiseverkehr wurde mit Behinderungen gerechnet: Die Deutsche Bahn stellte ihre Kundschaft auf Verspätungen und Zugausfälle ein.

Es stünden umfangreiche Aufräumarbeiten an, sagte der Polizeisprecher in Paderborn. Lose Dachziegel, umgestürzte Baugerüste und Äste, die in Fenster gekracht seien, beschrieb der Polizeisprecher die Schäden vom Freitagabend. In Lippstadt meldete die Feuerwehr gar einen mutmaßlichen Tornado, der schwere Schäden angerichtet habe. Es gebe zerstörte Dächer und umgestürzte Bäume im gesamten Stadtgebiet. In Paderborn war die Rede von Millionenschäden, etwa in einem Gewerbegebiet.

Im Regierungsbezirk Köln endete der Schulunterricht nach Angaben der Bezirksregierung um 11.30 Uhr, damit die Schülerinnen und Schüler sicher nach Hause kommen konnten. In den vier übrigen Regierungsbezirken in Nordrhein-Westfalen lag die Entscheidung bei den Schulen oder den einzelnen Kommunen. Die für Freitag angesetzten Abitur-Nachschreibklausuren und Prüfungen an den Berufskollegs sollte es laut NRW-Schulministerium aber wie geplant geben.

Das machte sich auch in der Region bemerkbar. Die Eltern blieben größtenteils aber entspannt, auch wenn sie ungeplant früh ihre Kinder von den Schulen abholen mussten. Wir haben uns etwa in Aachen, Heinsberg und Alsdorf umgehört.

Trotzdem hätte der Unterrichtsausfall deutlich besser kommuniziert werden können – auch zum Wohle der Schulen, die die kurzfristige Entscheidung ausbaden musste. Darüber schreibt René Benden für uns in seinem Kommentar.

Auch für das Electrisize-Festival hatte das Unwetter folgen. Das Gelände musste evakuiert werden. Wir haben die Hintergründe dazu und wie nun bei dem Elektrofestival im Kreis Heinsberg weitergeht.

Dem Unwetter getrotzt haben am Mittag noch die Besucher im Freibad Merkstein. Das wurde am Freitag nach längerer Verzögerung endlich eröffnet. Zumindest zur Mittagszeit war das bei hohen Temperaturen auch noch ein Genuss für die Besucher.

In Eschweiler und Stolberg sind Behörden und Bewohner besonders aufmerksam, wenn es um das Thema Unwetter geht. Die Feuerwehren waren – mit den Erfahrungen des Hochwassers im vergangenen Jahr im Kopf – den Tag über in Alarmbereitschaft. Und erleichtert, dass es am Ende doch vergleichsweise harmlos ablief.

Gegen 19.30 Uhr stand dann fest: Die Unwetterwarnung für die Region wurde offiziell aufgehoben. Daraufhin wurden die Krisenstäbe, etwa in der Städteregion Aachen, wieder aufgelöst.

In Belgien aktivierte das Königliche Wetterinstitut wegen des Unwetters für Brüssel und andere Regionen die orange Warnstufe, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Am Flughafen in Brüssel war demnach mit Verspätungen zu rechnen und mehrere Flüge von Brussels Airlines wurden gestrichen.

Schon am Donnerstag waren schwere Gewitter über den Westen Deutschlands gezogen, die Schäden waren aber etwas weniger schwer als befürchtet. Vielerorts verdunkelte sich schlagartig der Himmel. Es gab lokal heftige Regenfälle, Donner und Blitze. Zeitweise war der Bahnverkehr in die Niederlande unterbrochen. Beeinträchtigungen gab es auch am Freitag noch auf der Bahnstrecke zwischen Köln und Wuppertal.

Im Mittelfranken in Bayern wurden während des dortigen Unwetters 14 Menschen beim Einsturz einer Holzhütte verletzt, darunter mehrere Kinder. Das Unglück ereignete sich am Freitagabend in Spalt (Landkreis Roth) nahe dem Großen Brombachsee. Einer Polizeisprecherin zufolge hatten angesichts des in Bayern aufziehenden Unwetters mehrere Urlauber in der rund 85 Quadratmeter großen Hütte Schutz gesucht, die dann zur Seite gekippt und in sich zusammengefallen sei.

In Rheinland-Pfalz und dem Saarland blieben größere Schäden trotz starker Gewitter aus. Polizei und Rettungskräfte meldeten nur vereinzelt umgestürzte Bäume, Hagelschäden an Autos sowie die Überflutung von Kellern. Ein 38-jähriger Mann starb in Rheinland-Pfalz, als er beim Betreten eines unter Wasser stehenden Kellers einen Stromschlag erlitt, dadurch zu Fall kam und vermutlich mit dem Kopf aufschlug, wie die Polizei mitteilte. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich wurden bei einem Autounfall auf regennasser Landstraße fünf Menschen verletzt, darunter ein dreijähriges Kind.

In Thüringen kam am späten Freitagabend ein Autofahrer bei Dittersdorf im Saale-Orla-Kreis aufgrund von Aquaplaning mit seinem Fahrzeug von der Straße ab und krachte gegen eine Betonwand, wie die Polizei mitteilte. Er und drei Mitfahrer wurden leicht verletzt.

In Sachsen unterbrach wegen eines Gewitters über Leipzig die Band Rammstein ihr Konzert am Freitagabend für eine halbe Stunde. 45 Minuten nach Beginn der Show wurden die Menschen in der Arena aufgefordert, den Innenraum des Stadions zu verlassen und Schutz zu suchen. Nach 15 Minuten wurden die Fans zurück in den Innenraum gelassen.

Hier gibt es nochmal unseren Liveblog vom Tag zum Nachlesen für Sie:

(dpa/cheb)