Aachen bei der Immobilienmesse Expo Real in München

Immobilienmesse Expo Real in München : Die Weichen für die Zukunft stellen

Moskau ist 42 Schritte entfernt, Kopenhagen liegt um die Ecke. Auf der Expo Real in München schwärmen noch bis Mittwochabend über 43.000 Besucher aus aller Welt aus, um in Immobilienprojekte zu investieren.

Das Zweitagesticket kostet 435 Euro. Ein Schnäppchen. Auf der Messe, so groß wie zehn Fußballfelder, geht es um Milliarden Euro. Die Immobilienbranche boomt.

Von der Festtagstorte will sich die Region Aachen – unter Federführung der Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK) mit Dutzenden Partnern aus Düren, Euskirchen, Heinsberg, Belgien und den Niederlanden angereist – ein dickes Stück abschneiden. Vielleicht auch mehrere. Die Investoren stehen Schlange. Nicht nur, weil es am leuchtend grünen Gemeinschaftsstand „aachen1a“ getrüffelte Jakobsmuscheln und Hirschwange süßsauer gibt. Die Projekte erzeugen, aller internationalen Konkurrenz zum Trotz, hohe Aufmerksamkeit.

„Dass wir hier mit über 25 Bürgermeistern, Städteregionsrat, Landräten und den führenden Köpfen der Immobilienbranche gemeinsam vertreten sind, zeigt, dass unsere Region ein enormes Potenzial besitz“, sagt IHK-Präsident Wolfgang Mainz. Vieles dreht sich um Strukturwandel. „Die Entwicklung rund um den e.GO ist ein perfektes Synonym dafür, was gerade in Aachen passiert. Wir bauen Elektroautos. Für die Produktion brauchen wir Platz“, sagt Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU). Er stellt klar: „Den Bedarf, der in den kommenden Jahren an Gewerbeflächen entstehen wird, werden wir in der Stadt Aachen nicht abdecken können. Deshalb müssen wir auch in unser Umland schauen. Das Potenzial, dort gemeinsam etwas zu entwickeln, ist da. Dazu müssen wir uns allerdings auf gemeinsame Vorstellungen einigen.“

Euregio Maas-Rhein präsentiert sich auf der Expo Real in München

Den Gewerbeflächenpool für die komplette Städteregion hat Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) mit auf den Weg gebracht. „Vor fünf Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dass wir unsere Region interkommunal weiterentwickeln. Wenn wir uns aber anschauen, was rund um die Braunkohle passiert, muss klar sein: Wir müssen jetzt schnell reagieren, um handlungsfähig zu werden. Da hilft es nicht, wenn jede Kommune ihr eigenes Ding durchzieht“, sagt er. 133 Gewerbegebiete zählt die Städteregion, allein die Stadt Aachen beziffert die nicht gedeckte Nachfrage auf 147 Hektar.

Alsdorf stellt in München vor, wie Strukturwandel bewältigt wird. Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) nennt das Beispiel „nachhaltiges Wohnen am Weiher“: „Für uns ist das ein wichtiges Projekt, weil wir dadurch noch mehr im Bereich gehobenes Wohnen anbieten können. Damit gehen wir einen Schritt weiter, um weg vom Bergbau-Image zu kommen. Außerdem schaffen wir so weitere Angebote innerhalb der Städteregion mit einer sehr guten Anbindung in die Aachener Innenstadt.“

Federführend sind (v.l.) Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, IHK-Präsident Wolfgang Mainz und der Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld. Foto: Patricia Lucas

Der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), Wirtschaftsförderin Anette Winkler und Frank Drewes werben an der Isar erfolgreich um Investoren unter dem Projektnamen „Brainergy-Park“. „Der Brainergy-Park dient als Schlüssel zur Gestaltung des Strukturwandels. Damit schaffen wir ein Gewerbegebiet der Zukunft, in dem die Unternehmen nicht nur perfekte Bedingungen vorfinden, sondern auch selbst zu Themen wie ,Neue Energien‘ forschen.“ Es sind Dutzende Projekte, die herausstechen – selbst im internationalen Vergleich der größten Gewerbeimmobilienmesse Europas. Etwa „Wohnen und Arbeiten am Indesee“, wofür der Indener Bürgermeister Jörn Langefeld (parteilos) wirbt. Obwohl der See erst in Jahren das Bergbauloch füllen wird, ist das Investoreninteresse jetzt schon riesig. Oder die Revitalisierung der abgewrackten Zeche „Hasard“ bei Lüttich als markantes Wohn- und Naherholungsgebiet mit industriellem Charme. Oder die Zukunft des Aachener Nobelhotels Quellenhof, um die sich Eigentümer Anno August Jagdfeld in München kümmert. Denn der Betreibervertrag mit Pullman läuft aus. Alles im Wandel. Auf der Expo werden die Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Für Aachen, auf einem bescheidenen 110 Quadratmeter großen Stand, zwischen Moskau und Kopenhagen.

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