Frechen: A4 verhagelt Autobahnpolizei die Bilanz

Frechen: A4 verhagelt Autobahnpolizei die Bilanz

Für einen kurzen Moment ist am Montagmittag die ganze Dramatik des 5. Juni wieder spürbar. Diese „ergreifende Geschichte“, wie sie Helmut Simon nennt, die am Ende weniger dramatisch ausgegangen ist, als an diesem Tag auch angesichts der Bilder zu befürchten war.

Nur wenige Kilometer westlich der Frechener Autobahnpolizeiwache, wo der Leiter der Direktion Verkehr im Kölner Polizeipräsidium am Montag sitzt und die Unfallzahlen auf den Autobahnen bilanziert, war an jenem Sommertag ein 38-jähriger Fahrer eines Sattelzuges fast ungebremst in ein Stauende gefahren.

Der Tscheche schob mit seinem Laster ein Wohnwagengespann mit zwei Kindern und zwei Frauen unter den davor stehenden Sattelzug, der durch die Wucht des Aufpralls wiederum auf einen weiteren Lkw gedrückt wurde. Ein Horrorszenario. Der Wohnwagen lag zertrümmert neben der Unfallstelle, das Zugfahrzeug war komplett verkeilt. Sieben Menschen, darunter die Kinder, wurden zum Teil schwer verletzt. Die beiden Frauen waren über Stunden in ihrem Fahrzeug eingeklemmt. Wegen der schnellen Hilfe gehe es ihnen „mittlerweile deutlich besser“, sagt Simon und berichtet, dass sich die Frauen bei der Feuerwehr bedankt hätten. Eine ergreifende Geschichte.

Durchaus zufrieden

Im Jahr 2013 starben 13 Menschen (minus sechs im Vergleich zu 2012) im Zuständigkeitsbereich der Kölner Polizei, 1728 verunglückten (plus 28), davon 307 (plus sieben) schwer. Simon und der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers sind mit der Entwicklung der Unfallzahlen durchaus zufrieden, vor allem mit Blick auf den Kölner Autobahnring als Drehscheibe für den internationalen Transitverkehr: 20,9 Prozent weniger Unfälle (2612), 10,4 Prozent weniger Verletzte (327), 23,9 Prozent weniger Schwerverletzte (35). Albers: „Unsere Arbeit zahlt sich aus.“

Wenn da nicht die Aachener Region wäre. Denn die Zahlen verhageln den Polizisten die Bilanz. Oder wie Simon sagt: „Diese Zahlen tragen maßgeblich dazu bei, dass die Gesamtbilanz der Kölner Autobahnpolizei nicht besser ausgefallen ist.“ In der Tat: Während im gesamten Zuständigkeitsbereich der Kölner Autobahnpolizei die Unfallzahlen im vierten Jahr in Folge auf nunmehr 10 004 gesunken sind, schießen sie in der Aachener Region durch die Decke: plus 16,8 Prozent auf 1474 Unfälle. Auch andere Zahlen aus der Region stimmen die Verantwortlichen nicht froh: mit 236 sind 18 Menschen mehr verletzt worden als im Vorjahr (plus 8,3 Prozent), davon 59 schwer; drei Menschen starben. Die Gründe für die Unfälle sind altbekannt: ob unangepasste Geschwindigkeit oder zu geringer Abstand zum Vordermann — auch hier verzeichnet die Polizei steigende Zahlen wie bei den Unfällen in Baustellen. Wurden 2012 noch 192 solcher Unfälle gezählt, waren es im vergangenen Jahr 328, vor allem auf der A 4 zwischen Düren und Kerpen. Und auch die Zunahme der Unfälle an Stauenden besorgt die Verantwortlichen. Nach 40 solcher Unfälle mit 33 Verletzten im Jahr 2012 waren es im vergangenen Jahr 69 Unfälle mit 40 Verletzten. Vor allem, wenn Lastwagen beteiligt seien, könnten solche Zusammenstöße dramatische Auswirkungen haben, sagt Simon auch mit Blick auf den 5. Juni vergangenen Jahres. Doch er warnt davor, nur auf die Lkw-Fahrer zu zeigen: „In den meisten Fällen fahren Autofahrer in ein Stauende. Auch sie müssen aufpassen. Doch die Unfälle sind oft nicht so spektakulär.“

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