Aachen: 85 Astronauten: Besucher aus dem Weltraum in Aachen

Aachen: 85 Astronauten: Besucher aus dem Weltraum in Aachen

„Wir sind sehr stolz darauf, dass Sie heute nach Aachen gekommen sind“, sagte der Kanzler der RWTH, Manfred Nettekoven, sichtlich erfreut über den hohen Besuch, der am Dienstag in die Kaiserstadt kam. „Das ist eine wunderbare Sache für die RWTH“, fuhr er fort.

85 Astronauten der internationalen und unabhängigen „Association of Space Explorers“ (ASE) besuchten im Rahmen ihres jährlichen „Planetary Congress“, der in diesem Jahr in Deutschland stattfindet, die Hochschule. Neben einer „Technical Session“ am Vormittag, zu der rund 350 RWTH-Angehörige erschienen, berichteten die Astronauten vor mehr als 1000 Studenten auf dem Katschhof von ihren Erlebnissen im All.

02. Juli 2013 80 Astronauten zu Gast in Aachen Copyright Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

„Wir wollen durch unsere Anwesenheit das Interesse für die Raumfahrt wecken“, erzählt Reinhold Ewald, der selbst letztmals 1997 im All war. „Es ist wichtig an Orte zu gehen und den Menschen die Raumfahrt näher zu bringen“, ergänzt er. OB Marcel Philipp erfreute der Besuch. „Das ist schon sehr beeindruckend. Ein toller Event vor einer tollen Kulisse.“

Mehr als 15 Jahre Arbeit

In den Gesprächen standen insbesondere wissenschaftliche Themen im Mittelpunkt. Vor allem das Forschungsprojekt der RWTH, das nun von der Internationalen Raumstation ISS neue Erkenntnisse in der Weltraumforschung bringen soll, war beim Besuch der Astronauten ein großes Thema. Das Alpha-Magnet-Spektrometer (AMS) wurde mit maßgeblicher Aachener Beteiligung nach mehr als 15 Jahren Arbeit inzwischen an der Weltraumstation angebracht und soll Teilchen kosmischer Strahlung aufzeichnen.

„Wir haben im Frühjahr die ersten Ergebnisse präsentiert und können bereits jetzt von einem vollen Erfolg sprechen“, erklärte Physiker Professor Stefan Schael. Weitere Ergebnisse sollen in Kürze vorgestellt werden. Mehr als 500 Forscher aus 16 Ländern wirkten an der Fertigstellung des 1,5-Milliarden Euro teuren Messgerätes mit. Trotz der immensen Kosten solcher Projekte sei die Forschung in der Raumfahrt von großer Bedeutung. „Jedes Experiment hat ein unglaubliches Potenzial, uns neue Erkenntnisse zu liefern und bringt uns ein kleines Stückchen weiter zu verstehen, wo wir herkommen“, begründet Hans Wilhelm Schlegel, der bereits zweimal im Weltraum war.

Auch nach den jüngsten Erfolgen in der Forschung wissen die Astronauten und Wissenschaftler auf viele Fragen noch keine Antwort. Der Sehnsucht vieler Menschen nach der Existenz von Außerirdischen müssen sie vorläufig eine Absage erteilen. „Momentan ist der Besuch bei den so genannten Aliens keine realistische Option“, erklärt Schael. Rund vier Lichtjahre ist das nächste Sonnensystem entfernt. „Kein Antrieb kommt nur ansatzweise an Lichtgeschwindigkeit heran“, fügt der Physiker hinzu.

Dennoch waren die Studenten vom Besuch der Astronauten begeistert. Ein Höhepunkt der rund eineinhalbstündigen Veranstaltung auf dem Katschhof war die Videobotschaft eines aktuellen Besatzungsmitgliedes der ISS.

Zudem sorgte Attila Wohlbrandt mit einem humorvollen Vortrag („Science-Slam“) für gute Unterhaltung. Eine achtköpfige Gruppe von RWTH-Studenten („Space-Sailors“) stellte ihr Projekt zur Bekämpfung von Weltraumschrott vor. So könnten Weltraumobjekte zukünftig mit Segeln ausgestattet werden, die die Flugkörper auf eine bestimmte Geschwindigkeit abbremsen, sodass diese verglühen.

Und auch von Seiten der Astronauten war es ein gelungener Tag in Aachen. „Ich habe den Tag mit den Studenten sehr genossen“, zeigte sich der japanische Raumfahrer Soichi Noguchi vom Tag in Aachen sehr angetan.