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Lagebild Cyberkriminalität: 67 Prozent mehr Kinderpornografie-Fälle

Lagebild Cyberkriminalität : 67 Prozent mehr Kinderpornografie-Fälle

Neben den großen Missbrauchskomplexen in Lügde, Bergisch-Gladbach oder Münster arbeiten die Ermittler an Tausenden anderen Fällen von Kinderpornografie. Viele Hinweise kommen aus den USA. Junge Täter ahnen oftmals nicht, was sie anrichten.

Die Zahl bekanntgewordener Fälle von Kinderpornografie ist in NRW 2019 um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Bei rund zwei Drittel der 2359 Fälle sei das Internet Tatmittel gewesen. Das geht aus dem jetzt veröffentlichten Lagebild Cyberkriminalität des Landeskriminalamts (LKA) hervor. Der Großteil der digitalen Fälle wurde laut Lagebild aufgeklärt.

Laut dem Papier wurden 2019 zudem 20 118 Cybercrime-Fälle „im engeren Sinne“ erfasst - ein Anstieg von 2,2 Prozent zum Vorjahr. Der bekannt gewordene Gesamtschaden belief sich auf rund 18,8 Millionen Euro. Ein Anstieg um 32,2 Prozent. Das LKA spricht allerdings von einer hohen Dunkelziffer, die vor allem durch Cyber-Erpressung von Firmen entsteht: „Erfolgreiche Erpressungen“ würden nur selten zur Anzeige gebracht.

Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen im Bereich Cybercrime sank um 8,7 Prozent auf 4628. Die am häufigsten vertretenen Delikte waren laut Lagebild Computerbetrug, das Ausspähen von Daten und die Fälschung von Daten im Sinne von zum Beispiel Fake-Webseiten. Die Details:

Kinderpornografie:„In diesem Deliktsbereich besitzt das Internet eine herausragende Rolle“, so die Ermittler in ihrem Lagebild. Von 1531 digitalen Fällen habe man 1422 aufklären können - eine Quote von 92,9 Prozent. Ein Großteil der Ermittlungsverfahren entstand durch Hinweise einer gemeinnützigen Organisation aus den USA, die sich unter anderem gegen sexuellen Kindesmissbrauch engagiert. Das National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC) arbeitet mit Firmen wie Facebook oder Google zusammen und leitet seine Hinweise an die deutschen Behörden weiter. Das Bundeskriminalamt (BKA) leitete dem LKA 1100 Verdachtsfälle des NCMEC weiter.

Bei anderen Einzeltaten sind laut LKA fast immer Kinder (217) oder Jugendliche (630) beteiligt: Sie teilten verbotene Bilder via WhatsApp, Facebook, Instagram oder Snapchat. Oftmals - so das LKA - finden die jungen Täter die Bilder oder Videos „unterhaltsam“, denken sich nichts dabei oder wollen jemanden ärgern. Gemeinsam sei diesen Fällen, dass die Absender sich der Folgen für die Opfer und Empfänger nicht bewusst seien.

Computerkriminalität: Bei der Cyberkriminalität „im engeren Sinne“ stiegen die Zahlen bei professioneller Softwarepiraterie (plus 296 Prozent) und das betrügerische Erlangen von Kfz (plus 450 Prozent) rapide an. Die Aufklärungsquote bei der „echten“ Cyberkriminalität lag bei 29,4 Prozent. Es wurden 4628 Tatverdächtige ermittelt. Die meisten waren jung: 21 bis 29 Jahre alt. Und die meisten waren Männer.

Fake und Erpressungen: Täuschend echte E-Mails oder Internetseiten sowie Schadprogramme machen noch immer einen wichtigen Teil der Cyberkriminalität aus, so die Ermittler. Besonders perfide: Oft spioniert erst eine Software das System einer Firma, einer Verwaltung oder von Privatleuten aus - wonach die Täter erst entscheiden, ob eine Erpressung lohnt. In diesem Fall wird eine weitere Software eingeschmuggelt, die das System verschlüsselt. Die Täter fordern laut LKA oft sechsstellige Summen, um das System wieder freizuschalten. Der Schaden kann laut Lagebild aufgrund der Dunkelziffer nicht beziffert werden.

(dpa)