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Klinikpersonal macht Druck: 55.000 Menschen in NRW gegen Corona geimpft

Klinikpersonal macht Druck : 55.000 Menschen in NRW gegen Corona geimpft

Das NRW-Gesundheitsministerium ist zufrieden mit der ersten Bilanz der Corona-Impfungen. Auch für die ersten Januartage gibt es noch genügend Impfstoff. Das Klinikpersonal macht allerdings Druck - viele wollen schneller als geplant an die Reihe kommen.

In Nordrhein-Westfalen sind bis zum Jahreswechsel nach Angaben des Gesundheitsministeriums 55.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden. Zehntausende weitere Impfdosen seien noch auf Lager, sagte ein Sprecher am Donnerstag. In den ersten Januar-Tagen würden damit weitere Bewohner und Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen geimpft. Mitte Januar solle dann begonnen werden, auch das Personal in besonders gefährdeten Krankenhaus-Bereichen zu impfen. Doch diese Reihenfolge sorgt für Debatten.

Die Essener Ärztin und Bloggerin Carola Holzner forderte eine schnellere Corona-Impfung für das Klinikpersonal – und bekam in den sozialen Netzwerken in Zehntausenden Kommentaren viel Zustimmung. „Vergessen Sie uns nicht! Wir wollen die Impfung und zwar schnell!“, schrieb die leitende Oberärztin im Universitätsklinikum Essen bei Facebook. „Die Altenheime können uns die Patienten nicht abnehmen, die behandeln wir und wir müssen auch gesund bleiben“, betonte die in den sozialen Netzwerken als Doc Caro bekannte Medizinerin.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums entgegnete: „Wir haben eine begrenzte Anzahl an Impfdosen und irgendwo muss man anfangen eine Entscheidung zu treffen.“ Die Impfkommission habe deutlich gemacht, dass der Verlauf der Erkrankung besonders bei über 80-Jährigen schwer sei. Daher habe man sich entschieden, dort zuerst zu impfen.

NRW habe bis zum Jahreswechsel wie erwartet rund 270.000 Impfdosen geliefert bekommen. Weil jeder Mensch zweimal gegen das Coronavirus geimpft werden muss, werde etwa die Hälfte der Impfdosen zurückgehalten, sagte der Sprecher. Mit den restlichen Dosen könne die großangelegte Impf-Aktion in den ersten Januar-Tagen weitergehen. Die nächste Lieferung mit dem Corona-Impfstoff des Herstellers Biontech erwartet das Land am 8. Januar.

Seit dem 27. Dezember werden in Nordrhein-Westfalen Bewohner und Beschäftigte in Pflegeheimen gegen das Coronavirus geimpft. Belastbare Zahlen, wie hoch die Impfbereitschaft bei den Bewohnern und dem Personal in Pflegeeinrichtungen ist, lägen dem Ministerium bislang nicht vor. Zuletzt hatte es aus mehreren Regionen des Landes Berichte gegeben, dass insbesondere beim Personal die Impfbereitschaftschaft deutlich niedriger sei als erwartet.

Ein ganz anderes Problem rund um die Impfungen sieht das Landeskriminalamt. In Bonn etwa hatten Telefonbetrüger mehrmals bei Senioren angerufen und sich als Mitarbeiter einer Herstellerfirma ausgegeben, um ihnen ein „Corona-Impfstoffpaket“ zu verkaufen. In einem Fall ging eine angerufene Frau zum Schein darauf ein, informierte jedoch die Polizei. Als ein Verdächtiger das Geld abholen wollte, wurde er von den Beamten in Empfang genommen. Auch in Dortmund hat es nach Polizeiangaben bereits ähnliche Betrugsversuche gegeben.

Das LKA betonte, dass die Corona-Impfstrukturen in NRW derzeit ausschließlich aus Impfzentren, mobilen Teams zur Versorgung in Altenheimen sowie eigenständigen Impfungen des Krankenhauspersonals bestehen. Auf anderen Wegen würden die kostenlosen Impfungen nicht angeboten. Bürger sollten wachsam sein und die Polizei alarmieren, wenn ihnen am Telefon, per E-Mail oder gar an der Haustür Impfstoff gegen Bezahlung angeboten werde. Seit Beginn der Corona-Krise hätten Trickbetrüger schon verschiedenste Maschen erfunden, um die Verunsicherung ihrer Opfer durch die Pandemie auszunutzen, sagte der LKA-Sprecher.

(dpa)