Zahl steigt weiter : 386 Unfallfluchten pro Tag in NRW

Zahl steigt weiter : 386 Unfallfluchten pro Tag in NRW

Die Zahl der Delikte nimmt weiter zu. Allein im ersten Halbjahr 2019 starben in NRW fünf Menschen, weitere 2666 Personen wurden verletzt. Minister Reul spricht von „schlimmem Volkssport“.

Die Zahl der Fahrerfluchten in NRW steigt weiter. So zählte die Polizei im ersten Halbjahr dieses Jahres 69.895 solcher Delikte, wie das Landesinnenministerium auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Zu Schaden kamen dabei 2666 Personen, fünf Menschen starben. Im selben Zeitraum 2018 waren es rund 68.000 gewesen; im gesamten Vorjahr 138.936. Die Aufklärungsquote verschlechterte sich von 44,8 auf 42,3 Prozent. Abschließende Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Experten gehen davon aus, dass diese wie die Halbjahreszahlen ebenfalls höher ausfallen werden.

„Unfallflucht entwickelt sich immer mehr zu einem schlimmen Volkssport“, sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Es sei schäbig, andere mit dem Schaden zurückzulassen, den man selbst verursacht habe. Die Polizei setze daher alles daran, diese Straftaten aufzuklären. „Ich rate jedem, die Polizei zu rufen und den Schaden zu melden, auch bei einem kleinen Parkplatzrempler“, betonte der Minister.

Erich Rettinghaus, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, appellierte an die Vernunft der Verursacher. „Letztlich werden die Zahlen nur runtergehen, wenn mehr Selbsterkenntnis vorhanden ist“, sagt Rettinghaus. Der Polizei blieben begrenzte Möglichkeiten zur Aufklärung. „Wir gucken, ob es Zeugen gibt, eventuell eine Videoüberwachung oder Spuren am Lack, denen man nachgehen kann“, sagt er.

Schon wer nach einem Parkrempler wegfährt, begeht Unfallflucht. Dabei handelt es sich um eine Straftat. Bei Bagatelldelikten drohen Geldstrafe, Punkte, Fahrverbot oder sogar Führerscheinentzug. Es gebe kaum ein anderes Verkehrsdelikt, bei dem die Unwissenheit größer sei als beim Parkrempler, so ein Sprecher des ADAC. „Viele glauben, dass der Zettel oder die Visitenkarte an der Scheibe genügt. Wieder andere Fahrer bagatellisierten den Schaden nach dem Motto: Es war doch nur ein kleiner Kratzer“, sagte der Sprecher. Und dann gebe es diejenigen, die nicht bemerkt haben wollen, dass sie ein Auto angefahren haben.

Drastischer ist die Strafandrohung bei Fahrerflucht nach Unfällen, bei denen Menschen verletzt oder getötet werden. Dann drohen Gefängsstrafen. „Es ist unerträglich, wenn jemand sterben muss, nur weil der Verursacher abhaut, weil er die Strafe scheut“, sagt Stefan Hegger, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in NRW. 

(csh)