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Meist „Altfälle“: 30 Tönnies-Mitarbeiter positiv auf Corona getestet

Meist „Altfälle“ : 30 Tönnies-Mitarbeiter positiv auf Corona getestet

Seit einer Woche darf Fleischgigant Tönnies wieder nach der Corona-Zwangspause produzieren – und meldet gleich 30 positive Tests. Die meisten seien aber Altfälle, die Betroffenen also nicht mehr ansteckend, sagt das Unternehmen.

Mit der Wiederaufnahme des Betriebs bei Tönnies nach einer Zwangspause sind bei routinemäßigen Kontrollen 30 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bei mindestens 24 Ergebnissen handele es sich um Altfälle, sagte ein Konzernsprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bei diesen 24 von 30 Personen sei das Virus schon früher festgestellt worden und noch immer nachweisbar, die Beschäftigten seien aber nicht mehr ansteckend.

Der Kreis Gütersloh nannte etwas andere Zahlen: Unter den Abstrichen von 7300 Beschäftigten seien 31 positive Befunde gewesen. Ein separat, also nicht im Tönnies-Werk Getesteter, sei vom Unternehmen wohl nicht mitgezählt worden, sagte ein Kreissprecherin auf Anfrage. Man sehe aber keine zweite Welle bei Tönnies, stellte die Verwaltung klar.

Von den 31 Positiv-Befunden seien 21 Personen dem Kreis Gütersloh zuzuordnen - mit 18 Altfällen und nur drei „echten Neuinfektionen.“ Zu den zehn anderen Ergebnissen könne man sich nicht genauer äußern, weil sie zu Beschäftigten gehörten, die nicht im Kreis Gütersloh wohnten. Die weitere Prüfung sei an die zuständigen Gesundheitsämter etwa im Kreis Warendorf und Bielefeld übergeben worden, schilderte die Sprecherin.

Der Konzern verwies auf das Robert Koch-Institut, dem zufolge mehrfach positiv getestete Personen nicht mehr problematisch seien. Nach einer Infektion könne das Ergebnis noch bis zu zehn Wochen lang positiv ausfallen, obwohl der Betroffene nicht mehr ansteckend sei.

Am Stammsitz des größten deutschen Schlachtkonzerns im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück waren die betreffenden Mitarbeiter wie alle anderen Kollegen bei Arbeitsantritt im Werk getestet worden. So sei es mit den Behörden zuvor abgestimmt worden, sagte Konzernsprecher André Vielstädte. Nach rund 24 Stunden habe das Ergebnis vorgelegen. Zu diesem Zeitpunkt seien die positiv getesteten Mitarbeiter dann unmittelbar für den Betrieb gesperrt und in Quarantäne geschickt worden. Ob sie bis dahin alle einen Arbeitstag lang im Einsatz waren, müsse noch geklärt werden.

Aus dem Gesundheitsministerium in Düsseldorf hieß es hingegen, es müsse erst ein negatives Testergebnis vorliegen, bevor eine Person wieder in der Produktion eingesetzt werden dürfe.

Nach Worten des Tönnies-Sprechers muss noch bei 6 von 30 Mitarbeitern untersucht werden, ob sie sich neu mit dem Virus angesteckt haben oder ob bei ihnen ebenfalls nur noch eine frühere Infektion nachweisbar sei. Bei diesen noch offenen Fällen seien die Betroffenen womöglich auch schon vor einigen Wochen von mobilen Teams positiv getestet worden. Diese hatten Arbeiter zuhause aufgesucht.

Die Produktion am Hauptstandort im Kreis Gütersloh war nach einem Corona-Massenausbruch vier Wochen lang stillgelegt worden. Nach umfangreichen Prüfungen eines Hygienekonzepts und zahlreichen Schutzvorkehrungen durfte der Fleischkonzern den Betrieb erst vor einer Woche wieder in Teilen hochfahren. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehört auch eine intensive Testung der Mitarbeiter.

Nach jüngsten Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ordnen die Behörden dem Ausbruch bei Tönnies inzwischen mehr als 2100 Fälle zu. Die zeitweise Betriebsschließung sei rechtens gewesen, das Unternehmen habe keinen Anspruch auf Lohnkostenerstattung.

Einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge hatte ein Mitarbeiter in der Rinderzerlegung im Mai das Virus verteilt. Das Virus sei dann auf mehrere Personen im Umkreis von mehr als acht Metern im Werk übertragen worden. In der Zerlegung wird die Luft durch Umwälzung auf 10 Grad gekühlt. Die Luftumwälzung war bereits zuvor als ein möglicher Faktor für die Ausbreitung benannt worden. Tönnies hatte daraufhin vor Wiederaufnahme des Betriebs neue Filter-Anlagen installiert, um das Verteilen des Virus über die Luft zu unterbinden.

Laut Konzern wurden in den vergangenen Tagen alle Produktionsmitarbeiter vor Arbeitsbeginn getestet, das erfolge nun weiter zwei Mal wöchentlich. Rund 7300 Tests seien bisher durchgeführt worden. Es sei damit zu rechnen, dass es durch die intensive Testung in den nächsten Tagen und Wochen „immer wieder“ positive Befunde geben werde, sagte Vielstädte.

(dpa)