2CV: Die Ente wird 70 und Stolberger Club feiert

2CV-Clubs feiern : Ein Lebensgefühl auf Rädern wird 70

Die Mitglieder des Stolberger 2CV-Clubs schwärmen wie viele Fans in Europa vom Enten-Gefühl – und gehen weiter im schaukelnden Auto auf große Fahrt.

Wo auch immer die Ente auftaucht, wird sie mit Begeisterung empfangen, zaubert allen ein Lächeln ins Gesicht und verlockt zu Sätzen wie: „Ja, damals….“. Der liebevolle Name für den Citroën 2CV transportiert ein Lebensgefühl. Ein „Spiegel“-Autor bezeichnete die Ente einmal als „Kultgefährt sanftmütiger Leistungsverweigerer des Straßenwesens“ – das es an diesem Wochenende seit genau 70 Jahren gibt. Seine Fans gehen mit dem kleinen schaukelnden Auto weiter auf große Fahrt. Ralph Sauer (79) und Kurt Hermanns (75) aus Stolberg sind zwei von ihnen.

Hermanns ist Clubleiter des 2CV-Club Stolberg, Sauer Mitglied. Hermanns hat seine Leidenschaft für das kleine Auto mit dem großen Charme schon als kleiner Junge entdeckt. „Wir wohnten in der Nähe der Kasernen für die belgischen Soldaten, da sah ich den 2CV zum ersten Mal und habe fasziniert zugeschaut, wenn der Wagen in alle Einzelteile zerlegt und dann wieder zusammengebaut wurde.“ Da stand bereits fest: So einen wollte er haben. 1979, als Ehemann und Vater von drei Kindern, wurde es endlich etwas mit der Ente. „Meine Frau meinte, wir brauchen jetzt endlich ein Auto, da habe ich nicht gezögert“, erinnert er sich.

Zur Clubgründung in Stolberg kam es erst 1998, als die Ente ihren 50. Geburtstag feierte. Damit haben Hermanns und andere 2CV-Fans in der Region auf die Gegebenheiten reagiert: Als Privatleute hätten sie für die Feier im städtischen Gebäude eine hohe Miete zahlen müssen. „Vereinen wurde der Raum kostenfrei zur Verfügung gestellt – also gründeten wir einen Verein.“

Weltweit wird der 2CV geliebt, gehegt und gepflegt. „Verdeck auf, Sonne rein“, lautet auch bei Sauer das Motto. „Die Ente ist ein wunderbares Hobby.“ Die inzwischen mit dem „H“ gekennzeichneten Autos müssen ein Mindestalter von 30 Jahren und ein Oldtimer-Gutachten vorweisen.

Alle 2CVs werden von ihren stolzen Besitzen bei Regen lieber in der Garage gelassen – im Gegensatz zum Namen gebenden Geflügel verträgt der 2CV nämlich feuchte Witterung nicht so gut. Sonst ist das Auto eher unkompliziert, wie Hermanns bestätigt. Geht etwas kaputt, gibt es in Frankreich eine Firma, die Ersatzteile liefern kann. Und im Winter? „Wir sind mit der Ente in die Eifel gefahren, zum Schlittenfahren, kein Problem.“ Hermanns weiß den Vorderantrieb und die großen schmalen Reifen des 2CV zu schätzen. Der Kosename stammt von einem niederländischen Journalisten, der das Auto bei der Präsentation „de lelijke eend“ („das hässliche Entlein“) nannte.

30 Mitglieder hat der Stolberger Club – allerdings 31 Enten, denn der Clubleiter besitzt gleich zwei davon. Einen normalen „Kleinstwagen“, wie der 2CV in der Produktion hieß, und eine Kastenwagen-Ausführung. Bei den regelmäßigen Ausflügen des Clubs, der bereits Fahrten durch die Schweiz, an die Côte d’Azur, zu den Schlössern der Loire ins Elsass und die Normandie unternommen hat, steht bei Hermanns der Kocher im hinteren Wagenteil. Gulasch- und Erbsensuppe sind bereits Tradition.

Dem „Vater“ der Ente, Firmenchef Pierre-Jules Boulanger, der seine Idee damals an Chefentwickler Maurice Broglie weitergab, hätte das gefallen. Der 2CV sollte ein Auto für die Leute auf dem Land sein, für den Bauern, der „einen 50-Kilo-Sack Kartoffeln und ein kleines Fass“ transportieren will oder ein Paket Eier, die alle heil bleiben sollen, obwohl er mit dem Wagen über einen Feldweg rumpelt, oder für den Tierarzt, der seine Utensilien braucht. Die gute Federung der Ente, das leichte Schaukeln, ist bis heute ihr Markenzeichen – und ebenso die Revolverschaltung. Fünf Millionen Fahrzeuge wurden inklusive der Lieferwagenversion bis 1990 hergestellt.

In Frankreich gilt der kleine Citroën als Symbol der Aufschwung-Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, im Ausland war er stets ein Stück Frankreich, umweht vom Rauch der Gauloises-Zigaretten zum Rotwein. „Wir haben einmal bei einer Tour einen VW-Käfer-Club getroffen, lauter Franzosen“, erzählt Hermanns. „Das war natürlich lustig.“

Die Ente als Filmstar? Warum nicht. Louis de Funès hatte als „Gendarm von Saint-Tropez“ den 2CV und sogar Roger Moore stieg als James Bond („In tödlicher Mission“) aus einer Ente. Bis zu 120 Stundenkilometer kann der 2CV fahren. „Aber so schnell muss es nicht sein“, meint der Stolberger Clubleiter. „Wir wollen ja schonend mit dem Auto umgehen.“

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