Köln: 250.000 Besucher bei Kölner Schull- un Veedelszöch

Köln: 250.000 Besucher bei Kölner Schull- un Veedelszöch

Kölscher Karneval ganz exotisch: Echte Chinesen haben am Sonntag die traditionellen „Schull- und Veedelszöch” in der Kölner Innenstadt angeführt. Rund 250 000 Jecken feierten nach Angaben der Organisatoren bei mal sonnigem, mal wolkigen Wetter die bunte Parade der Schulen und Stadtteilvereine.

In chinesischen Trachten mit kunstvollen Goldhauben oder als Pandabären verkleidet schritten die Gäste aus Fernost den Jecken voran. Köln und Peking verbindet eine 25-jährige Partnerschaft. Unklar war, wer wen mehr bestaunte: Die chinesische Karnevalsdelegation jedenfalls war mit Handys ausgerüstet und fotografierte begeistert die Kölner Gastgeber und die Zuschauer in ihren ebenso fantasievollen Kostümen.

Traditionell kölsch waren dann die übrigen Gruppen: Mit insgesamt rund 100 Schulen und Stadtteilvereinen hatten sich rund 7500 Teilnehmer angemeldet, um sieben Kilometer durch die Stadt zu marschieren. Das ist sozusagen die Generalprobe für den großen Rosenmontagszug. An Witz und Fantasie stehen die Schulen und Vereine den „professionellen” Karnevalisten dabei in nichts nach.

Eine Schülerinnengruppe aus Ehrenfeld trug Silberschalen mit Obst und Gemüse aus Plastik auf den Köpfen. „Wir sind saisonal und regional”, erklärte die 17-jährige Laura Weber. „Aber natürlich sind wir auch junges Gemüse.” Die Eurokrise spielte auch bei den Veedeslzöch eine Rolle. „Euro fott Jeld kapott” („Euro fort, Geld kaputt”) lautete das düstere Szenario der Gesamtschule Zollstock, an deren Wagen große Euromünzen angebracht waren. Darauf zu erkennen: Kanzlerin Angela Merkel mit Pinocchio-Nase.

Schon seit Monaten haben die Schulen an den Mottowagen gearbeitet. „Angefangen zu bauen haben wir nach den Herbstferien”, erklärt der Lehrer Falko Eickelberg. Aufs Korn genommen wird wie immer auch die Bildungsmisere: „Bildung hält uns fit und munter - doch ohne Kohle gehen wir unter”, steht auf einem Wagen. Einige Schüler sind als Glücksräder kostümiert. Schließlich sei auch das Bildungssystem momentan eine Lotterie, erklärt eine Mutter.

Die Stadtteilzüge gehen bis ins Mittelalter zurück. Damals machten sich Gesellen aus Handwerksbetrieben über ihren mühseligen Alltag lustig. In Köln gelten die Veedelszöch aufgrund ihrer langen Tradition als die ursprüngliche Form des Karnevals. 1952 kamen die Schullzöch hinzu, die den karnevalistischen Nachwuchs fördern sollen.

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