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Nach Fällen in Gelsenkirchen: 14 Handfehlbildungen in Kliniken unserer Region seit 2017

Nach Fällen in Gelsenkirchen : 14 Handfehlbildungen in Kliniken unserer Region seit 2017

In einer Gelsenkirchener Klinik sind in diesem Sommer drei Säuglinge mit einer Hand-Fehlbildung zur Welt gekommen. Diese Häufung hat Klinikmitarbeiter aufmerken lassen. Nun liegen Ergebnisse einer Abfrage bei allen Kliniken in NRW vor. Aus unserer Region gibt es überraschende Ergebnisse.

Seit Anfang 2017 sind im Raum Aachen, Düren und Heinsberg 14 Kinder mit Handfehlbildungen geboren worden. Das geht aus einer Liste des NRW-Gesundheitsministeriums hervor. Die Sprecher von Uniklinik Aachen (acht Fehlbildungen) und Bethlehem-Krankenhaus Stolberg (fünf) zeigten sich auf Anfrage selbst überrascht von diesen Zahlen. Vor knapp zwei Wochen hatten sie nach Rücksprache mit den Fachabteilungen gegenüber unserer Zeitung angegeben, dass es keine Fälle gegeben habe. Der 14. Fall einer Handfehlbildung wurde vom Luisenhospital Aachen gemeldet. Nach einer Häufung von Handfehlbildungen in einer Klinik in Gelsenkirchen waren die Zahlen aller Kliniken in NRW abgefragt worden.

Die von den Kliniken gemeldeten Fallzahlen pro Jahr lagen zwischen 0 und 5 Fällen – bei sehr weit auseinander liegenden Geburtenzahlen. So registrierte beispielsweise die Uniklinik Aachen im Jahr 2017 fünf Neugeborene mit einer Handfehlbildung bei 1474 Neugeborenen. 2018 war es bei nahezu gleicher Geburtenzahl nur eine Fehlbildung, 2019 bei bislang 977 Geburten zwei. Um welche Fehlbildungen es sich genau handelt, konnte der Sprecher am Sonntag nicht klären.

Im Stolberger Bethlehem-Krankenhaus hat es fünf Fehlbildungen an der Hand gegeben; 2017 bei 1701 Geburten drei Fälle, 2018 bei 1977 Geburten zwei. Dabei handele es sich aber nur in einem Fall um einen Säugling mit einer fehlenden Hand, sagt eine Krankenhaus-Sprecherin auf Anfrage. Bei drei anderen Fällen handele es sich um häufiger auftretende Fehlbildungen: Die Säuglinge hatten einen Finger zu viel oder zu wenig. Bei einem Fall sei die Hand nicht ganz richtig ausgebildet gewesen. Dass zunächst bekanntgegeben worden war, es gebe keinen Fall in der Stolberger Klinik, nannte die Sprecherin eine „Kommunikationspanne“. Ihr Fazit: „Es spricht alles für eine übergeordnete Meldestelle.“

NRW-weite Analyse

Laut der ersten zusammenfassenden Analyse des NRW-Gesundheitsministeriums sind bei Arm- und Handfehlbildungen Neugeborener in den vergangenen Jahren „keine offensichtlichen Trends und regionalen Häufungen erkennbar“. Die Behörde hatte in allen rund 140 Geburtskliniken des Bundeslandes nach Fehlbildungen in den Jahren 2017, 2018 und 2019 gefragt.

Die Abfrage ergab, dass bei deutlich weniger als 0,1 Prozent aller Neugeborenen Fehlbildungen der Hände festgestellt wurden. „Für die Jahre 2017, 2018, 2019 wurden mit Stand vom 27. September 2019 insgesamt 72, 64 beziehungsweise 61 Fehlbildungen der oberen Extremitäten in Nordrhein-Westfalen gemeldet“, hieß es weiter. Bezogen auf die Anzahl der Geburten entfiel damit beispielsweise im Jahr 2017 NRW-weit eine Fehlbildung auf rund 2260 Geburten.

Die Rückmeldungen der Krankenhäuser sollen jetzt eingehend analysiert und mit Daten aus anderen Erhebungssystemen und Datensammlungen abgeglichen werden. Zu prüfen sei dabei auch, ob bei den vergleichsweise geringen Zahlen weiterführende, belastbare statistische Analysen machbar seien, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

In der Diskussion über die Gelsenkirchener Fälle hatte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) betont, dass Fehlbildungen bei Neugeborenen sehr unterschiedliche Ursachen haben können. Eine sehr sorgfältige Analyse sei erforderlich. „Ein Register würde uns auf jedem Fall weiterhelfen“, hatte BVKJ-Bundessprecher Hermann Josef Kahl gesagt.

Abfragen gab es auch schon in Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Beide Bundesländer hatten ebenfalls keine auffälligen Häufungen von Fehlbildungen festgestellt.

(mgu/cs/dpa)