Katholische Hochschule Aachen: 100 Jahre Soziale Arbeit – und die Aufgabe endet nicht

Katholische Hochschule Aachen : 100 Jahre Soziale Arbeit – und die Aufgabe endet nicht

100 Jahre Soziale Arbeit in Aachen: Die Katholische Hochschule Aachen beendet ihr Jubiläumsjahr mit einer Fachtagung am 29. November. Für die Zukunft hat man bereits neue Herausforderungen im Blick.

Seit 100 Jahren wird in Aachen in Sozialer Arbeit ausgebildet: 1918 zog die von Helene Weber in Köln gegründete Soziale Frauenschule nach Aachen um, 1971 ging sie als Standort Aachen in die neu gegründete Katholische Fachhochschule NW ein, die seit 2008 den Namen „Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen“ (Katho NRW) trägt. Aktuell studieren 1080 Frauen und Männer am Standort Aachen in dem Bauhaus-Denkmal von 1930 auf dem Hügel zwischen Robert-Schumann-Allee und Bayernallee.

Den Geburtstag begeht die Hochschule bereits das ganze Jahr. Beim vierten und abschließenden Jubiläumselement kommen Hochschulangehörige, Praxisvertreter und Interessierte am 29. November zu einer großen Fachtagung unter dem Titel „100 Jahre Tradition – Reflexion – Innovation“ zusammen.

„Unser Ziel ist an diesem Tag ganz nach dem Bauhausmotto ‚Die Welt neu denken, Perspektiven weiten‘, die historischen Entwicklungslinien aufzuzeigen, aber vor allem den Blick in die Zukunft zu richten“, erläutert Prodekanin Prof. Petra Ganß das Programm. Dafür geht es am Vormittag in neun verschiedene Einrichtungen wie ein Kinderheim, ein psychiatrisches Krankenhaus oder die Caritas, in denen täglich Soziale Arbeit geleistet wird und sich auch ständig neue Bedarfe von Sozialer Arbeit ergeben.

In verschiedenen Praxisdialogen werden die sehr vielfältigen Handlungsfelder von Sozialer Arbeit beleuchtet und diskutiert. „Die akademische Ausbildung an der Katho ist praxisorientiert. Alle Studierenden gehen während ihrer Ausbildung 100 Tage in die Praxis, Referenten kommen aus der Praxis. Theorie und Praxis ist bei uns sehr verschränkt. Diese enge Verbindung wollten wir auch bei der Fachtagung würdigen“, erklärt Dekanin Prof. Ute Antonia Lammel.

Am Nachmittag kommen die Teilnehmer dann in der Katho zusammen und können mit Experten vor allem die Herausforderungen der Sozialen Arbeit in kleineren Runden diskutieren: Zum Beispiel die Digitalisierung, die Veränderungen im Sozialstaat und die neuen Aufgaben in der Bildung. Zuvor widmet sich Verena Klomann, Professorin für Theorien und Konzepte für Soziale Arbeit, der Frage „Soziale Arbeit als Profession?!“.

„Die Ausbildung in Sozialer Arbeit begann Anfang des 20. Jahrhunderts, weil man merkte, dass allein ‚Mütterlichkeit‘ nicht ausreichte, um gesellschaftlichen Problemen zu begegnen“, sagt Klomann. Es sei also einiges passiert, dennoch müssten auch heute noch die Absolventen des Studiengangs Soziale Arbeit verschlungene Wege gehen, um in den Bereich Forschung und Entwicklung von Sozialer Arbeit vorzudringen.

Eine weitere Zukunftsaufgabe ist der Transfer von Forschungserkenntnissen in die Praxis. „Lange hatten für einen institutionalisierten Austausch weder die Menschen in der Praxis, noch die an der Hochschule Ressourcen“, gab Klomann zu. Jetzt soll das allerdings anders werden, denn zu Beginn des Jahres rief die Katho zusammen mit der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum das Innovation-Lab ins Leben – gefördert für fünf Jahre von Bund und Land. Seit April sorgt Julia Breuer-Nyhsen in Aachen dafür, dass „forschungsbasierte soziale Innovationen, die nicht eine Antwort auf allein technische Neuerungen sind, für die Praxis verwertbar werden“. Die Fachtagung ist zugleich das Kick-off für das Innovation-Lab.

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