Maria Hoop: Nobelpferde: Fohlen Aufzucht in Maria Hoop

Maria Hoop: Nobelpferde: Fohlen Aufzucht in Maria Hoop

Paul Heijthuijzen klatscht ein paar mal in die Hände und schnalzt mit der Zunge. Die Hengste heben die Köpfe, traben vom anderen Koppelende zu Heijthuijzen rüber. Dieser beobachtet ihre Bewegungen und ihr Verhalten beiläufig, während er durch die Latten des Zauns auf die Wiese steigt und den Pferden dann nacheinander den Hals klopft.

Manchmal verschwindet er ganz zwischen den Tieren, die sich eng um ihn drängen. Er löst sich aus der Herde, denn ein Tier ist ihm ins Auge gefallen: „Es lief nicht normal, als es auf mich zukam”, sagt er. Ein kurzer Blick auf die Beine, „ah, ein Gelenk ist geschwollen. Ich ruf gleich den Arzt an.”

Kontrolle ist für Paul Heijthuijzen und seine Frau Sandra alles. Mehrmals am Tag gehen sie ihre Koppeln in Maria Hoop ab, 60 Tiere von sieben Kunden befinden sich in ihrer Obhut: trächtige Stuten, Fohlen mit ihren Muttertieren und ausgewachsene Hengste. Sie stammen aus Ställen international renommierter Dressur- und Springreiter, vier haben in diesem Jahr an den Olympischen Spielen in London teilgenommen.

Der Name des Hofs, Opfok Limburg, deutet an, was der Schwerpunkt von Paul und Sandra Heijthuijzen ist: die Aufzucht von Jungtieren. Die trächtigen Stuten kommen zu den Niederländern auf den Hof, da ihre Betreuung und später die der Fohlen den meisten Stallbesitzern zu teuer und zu arbeitsintensiv ist. Wenn die Zeit reif ist, wechseln sich die Heijthuijzens rund um die Uhr mit der Wache ab. Sie geben der Stute so viel Ruhe wie möglich. Da wird nicht am Fohlen gezogen, kaum dass der Kopf und die Vorderbeine zu sehen sind, und es wird auch nicht zum schnellen Aufstehen gezwungen. „Damit macht man mehr kaputt als alles andere”, sagt Sandra Heijthuijzen.

Die 36-Jährige hat sich mit der Aufzucht - wenn man so will -gleich zwei Träume erfüllt: Pferde zu haben und mit Kleinkindern zu arbeiten. „Ob das nun Menschenkinder sind oder Tierkinder - das ist kein großer Unterschied”, sagt sie und lacht. Ihr 45-jähriger Mann Paul lebe ihren Traum mit, erzählt sie weiter, der lächelt nur stumm, während sie ihn voller Dankbarkeit anschaut.

Es ist der Hof seiner Großeltern, auf dem die beiden leben und arbeiten. Schon der Opa hatte Pferde, daneben Kühe, Schafe, Hühner, ... „wie das eben früher so war”, sagt Heijthuijzen. Vater und Onkel waren sogar Springreiter, aber irgendwann reduzierten die Heijthuijzens den bäuerlichen Betrieb auf Stiere und Ackerbau. 1999, als die 31 Hektar an die dritte Generation übergangen sind, blieben nur noch Kartoffeln, Gemüse und Obst. Paul Heijthuijzen belieferte damit die Gastronomie in der Region.

Sandra Heijthuijzen wuchs in Brabant auf, gleich hinter dem Haus ihrer Eltern gab es eine Pferdekoppel. „Wenn ich mal verschwunden war, wussten meine Eltern immer, wo sie mich suchen mussten”, erzählt sie. Zuletzt arbeitete sie in Roermond in einem privaten Arbeitsvermittlerbüro. Als sie Paul kennenlernte, dachte sie gerade darüber nach, einen Hof in Roermond zu mieten und daraus einen Reiterhof zu machen. „Komm doch zu mir auf den Hof und lass uns ein eigenes Pferd kaufen, statt das von anderen Leuten zu versorgen”, hatte Paul damals zu ihr gesagt. Und so kehrten mit Sandra auch die Pferde auf den Hof in Maria Hoop zurück. Sandra und Paul heirateten, bekamen zwei Kinder und aus dem Ackerland wurden im Jahr 2008 Weiden.

Nicht jeder Pferdehalter wird in Maria Hoop mit offenen Armen empfangen, Geld hin oder her. „Wer mit den Tieren nicht gut umgeht, kann gleich wieder gehen”, sagt Sandra Heijthuijzen. Das gleiche gilt für Hufschmiede und Tierärzte. Die Chemie muss stimmen: zwischen den Menschen genauso wie zwischen Mensch und Pferd. Wer über das gepflegte Gelände in Maria Hoop läuft, merkt, dass das Geheimnis in einem zentralen Punkt liegt: der Ruhe.

Einer, bei dem sich beide Seiten gleich einig waren, ist ein bekannter niederländischer Springreiter, der aber nicht namentlich genannt werden soll. Ein kurzer Blick auf die Pferde, die Koppeln und Ställe, ein paar gewechselte Worte, dann schickte er die ersten Pferde. Bis heute besteht ein vertrauensvolles Verhältnis, von dem beide Seiten profitieren. „Ruf erst den Tierarzt an, dann mich”, habe er mal gesagt, erzählt Paul Heijthuijzen. Der Preis stehe nicht an erster Stelle - und das ist keine Selbstverständlichkeit.

Ist ein Tier ernsthaft krank, kostet die Behandlung zum Teil Tausende Euro und der Genesungsprozess kann sich über Jahre hinziehen. Nicht jeder ist bereit, so lange Zeit und Geld in ein Tier zu investieren. Solche Gedanken sind Paul und Sandra Heijthuijzen fremd. Nicht, weil sie nicht rechnen könnten, sondern weil das Wohl der Tiere bei ihnen an erster Stelle steht. Deshalb ist Opfok Limburg auch nicht die billigste Anlaufstelle. „Am Anfang mussten wir viel lernen”, sagt Paul Heijthuijzen, ein halbes Jahr Vorlaufzeit hatten sie nötig, bevor sie anfingen, Boxen zu bauen und die Koppeln anzulegen. „Ich würde auch heute nicht sagen, dass wir am Ende angekommen sind. Jeder Tag bringt etwas Neues, und man wird jeden Tag ein Stückchen besser”, sagt er. Die Tiere kontrollieren, sie füttern und ihnen Wasser zu geben, sie zu entwurmen oder anderweitig zu behandeln - das ist die Routine.

„Was auch dazu gehört, ist, den Fohlen Manieren beizubringen: nicht beißen, nicht treten, sozialer Umgang mit Altersgenossen, sich das Zaumzeug anlegen lassen ...”, sagt Sandra Heijthuijzen. Warum sich das eine Tier mit zwei Jahren so entwickelt, das andere bei gleichen Ausgangsbedienungen aber ganz anders, das ist es, was das Ehepaar fasziniert. Sandra Heijthuijzen führt Listen, nicht nur mit den Daten, die den Gesundheitszustand der Tiere dokumentieren. Daraus lässt sich am Ende, nach den drei Jahren Aufzucht, vieles ablesen, was dem Besitzer bei der weiteren Arbeit mit dem Tier helfen kann.

„Je länger du mit den Pferden zu tun hast, desto besser verstehst du sie. Wenn ein Pferd sehr ängstlich zu uns kommt und du merkst, wie es langsam Vertrauen aufbaut - das ist toll”, sagt Paul Heijthuijzen. Das sei für ihn der größte Lohn.

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