Kommentiert: Der Anfang vom Facebook-Ende?

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Kommentiert: Der Anfang vom Facebook-Ende?

Ein Kommentar von Amien Idries

Es könnte sein, dass man in zehn Jahren auf das Jahr 2018 zurückschaut und sagt: „Das war der Anfang vom Facebook-Ende.“ Zugegeben, derzeit ist das kaum vorstellbar, beherrscht das Zuckerberg-Imperium doch den Social-Media-Markt.

2,167 Milliarden Nutzer verzeichnete Facebook im Januar 2018. Eine gigantische Zahl, die zu der Annahme verleiten könnte, Facebook sei inzwischen schlicht zu groß, um in der Versenkung zu verschwinden.

Und tatsächlich hat Facebook den neuralgischen Punkt in Sachen Mitgliederzahl längst überwunden. Denn die Zahl der Nutzer ist für ein Soziales Netzwerk entscheidend. Zum einen, um Werbung gewinnbringend vermarkten zu können, zum anderen, um Menschen miteinander zu verbinden. Hier ist Facebook zumindest in der westlichen Welt wirklich zu groß, um einfach zu verschwinden.

Darum hinken auch die Vergleiche mit Myspace und Schüler- oder Studi-VZ. Diese Netzwerke hatten ebenfalls innerhalb kürzester Zeit eine große Zahl an Nutzern erzielt und es war kaum vorstellbar, dass sie einmal keine Rolle mehr spielen könnten. Das aber ist passiert, weil es keine konkrete Idee zur Gewinnabschöpfung gab und weil wir uns in einer Zeit bewegten, in der das Netz sehr fluide war und es um Konsolidierung ging.

So wie Google das Suchmaschinen-Geschäft weitgehend monopolisierte, tat Facebook dies mit den Sozialen Netzwerken. Weil Marc Zuckerberg verstand, dass der Nutzer faul ist. Er will nicht ein Netzwerk für Musik, ein anderes für Nachrichten und ein drittes für den Kontakt zu Schulfreunden. Er will alles in einem. Das gab ihm Facebook und brachte viele Nutzer dazu, den Facebook-Kosmos gar nicht mehr zu verlassen.

Genau dieser totale Ansatz aber, wird nun immer mehr Menschen unheimlich. Facebook ist nicht mehr der nette Treffpunkt, an dem man das Essen von Freunden begutachten und nebenher noch gute Artikel finden kann. Das alles gibt es zwar immer noch, wird aber grell übertönt von Fake News, Hetze, Tierquäl-Videos und ähnlich unschönen Dingen.

Und so gibt es vermehrt Absetzbewegungen: Anfang der Woche gründeten Ex-Facebook-Mitarbeiter eine Organisation, um vor den Gefahren zu warnen, die von Sozialen Netzwerken ausgehen. Mitte der Woche kündigte Schauspieler Jim Carrey publikumswirksam den Verkauf seiner Facebook-Aktien an und löschte seinen Account. Und Ende der Woche teilte Brasiliens zweitgrößte Tageszeitung „Folha de São Paulo“ mit, ihren Facebook-Account ruhen zu lassen.

Als Ursache nennt das Blatt den veränderten Facebook-Algorithmus, der dafür sorgen soll, dass statt Nachrichten wieder vermehrt Meldungen von Freunden erscheinen sollen. Zuckerberg will Facebook wieder kuschelig und harmlos machen.

Diese Reaktion auf die Vorwürfe, nur noch Verstärker von Fake News zu sein, könnte sich als großer Fehler erweisen. Denn dadurch hat er den etablierten Medien einmal mehr gezeigt, dass sie nur Spielbälle seiner geschäftsgetriebenen Algorithmen sind. Diese Medien sind es aber, die Facebook-Nutzer mit seriösen Informationen versorgen. Subtrahiert man diese Informationen von dem, was derzeit auf Facebook kursiert, bleiben Katzenvideos und Essensbilder. Und es bleiben Fake News und Hetze.

Vor zehn Jahren waren plötzlich alle bei Facebook. Nicht ausgeschlossen, dass die Gegenbewegung eine ähnliche Dynamik gewinnt.

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