Neuer Verdacht auf manipulierte Abgas-Software bei Volkswagen

Kommentar zu Software-Update bei VW : Nächste Volte der Auto-Bosse

Viele Diesel-Fahrer dürften über die Weihnachtsfeiertage kaum zur Ruhe kommen. Schließlich drohen ihnen im kommenden Jahr vielerorts Fahrverbote. Und wer geglaubt hat, mit einem Software-Update werde sich das Problem schon noch in (saubere) Luft auflösen, ist nun erst recht verunsichert.

Am Wochenende wurde bekannt, dass bei Volkswagen eine manipulierte Abgas-Software gegen eine andere ausgetauscht worden sein könnte. Ein ungeheuerlicher Verdacht. Sollte er sich bestätigen, wäre das ein weiterer Skandal in der nunmehr schon seit über drei Jahren schwelenden Diesel-Affäre.

Für die Autokonzerne ist die neue Abgas-Software ein Allheilmittel zur Senkung der  Stickoxid-Belastung. Und die Bundesregierung hat sich politisch zum Sprachrohr dieser Philosophie gemacht. Kein Wunder, Software-Updates sind eine  vergleichsweise kostenschonende Lösung. Nun könnte Verkehrsminister Andreas Scheuer  die Nibelungentreue zu VW & Co. schwer auf die Füße fallen. Noch vor kurzem hatte der CSU-Mann den Rückstand bei der Umrüstung älterer Diesel-Autos beklagt. Bis Jahresende sollten  eigentlich 5,3 Millionen Fahrzeuge nachgebessert werden. So hatte es die Industrie versprochen. Bislang sind es aber nur etwa 3,8 Millionen. Vor dem Hintergrund der neuesten Drehung im Abgas-Betrug muss man zynisch gesprochen fast dankbar sein, dass die Industrie ihrem eigenen Ziel hinterherhinkt.

Dafür gehört der brisante Manipulationsverdacht  nun  schleunigst aufgeklärt. Aber ganz gleich, wie die Sache ausgeht: Bloße Software-Nachrüstungen galten unter Fachleuten schon vordem als stumpfes Schwert im Kampf  gegen drohende Fahrverbote. Dieser Makel bleibt auf  jeden Fall haften, wenn er sich nicht sogar noch  verstärkt. Die Bundesregierung muss endlich umsteuern und viel mehr auf  Hardware-Umbauten in Diesel-Fahrzeugen drängen, anstatt sich von den Konzernbossen weiter auf der Nase herumtanzen zu lassen.