Selfkant-Tüddern: Neuer Schub für Streuobst-Projekt gefordert

Selfkant-Tüddern: Neuer Schub für Streuobst-Projekt gefordert

Im Sitzungssaal der Gemeinde Selfkant gab es im Rathaus nachdenkliche Gesichter. Die Vorstellung der Streuobstkartierung in der Leader-Region „Der Selfkant“ durch Vera Pletting-van Kalsbeek aus Waldfeucht machte allen Anwesenden dringenden Handlungsbedarf deutlich.

Vor vielen Jahren waren Obstwiesen nicht nur für die Kinder aus dem ländlichen Raum ein Kultur- und Erlebnisraum. Eine Obstwiese prägte das Landschaftsbild. Im Frühjahr lockt die farbenprächtige Blütenpracht, im Herbst das leckere Obst. Besonders für die Tiere und Pflanzen bietet ein Obstbaum mehr als Lebensräume. Da bereits vor zehn Jahren hier ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen war, untersuchte Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath 2002/03 kreisweit den Streuobstwiesenbestand.

Neue Zahlen einer Kartierung aus 2013/14 brachten für den Zweckverband „Der Selfkant“ bittere Erkenntnisse: Die Zahl der Obstwiesen im Kreisgebiet ist deutlich zurückgegangen. Wurden in Gangelt vor zehn Jahren noch rund 7000 Bäume kartiert, so beläuft sich diese Zahl nun auf 3500 Bäume. Leichte Einbuße gegenüber 2003/4 (1600) gab es im Bereich Selfkant wie auch in Waldfeucht (3000). Betrug die Weidefläche vor zehn Jahren noch 300 Hektar, so sind es derzeit 171 Hektar. Die Studie brachte auch die Erkenntnis, dass das Weideland fast 70 intensiv durch Pferde beweidet wird. Und die Experten sehen hier eine große Gefahr, zumal Pferde und Obstbäume nicht zueinander passen. Die Pferde schädigen die Bäume, das Streuobst selbst ist keine optimale Nahrung für das Pferd.

Lösungsvorschläge erarbeiten

Eine lebhafte Diskussion im Rathaus zeigte, dass es zu leicht sei, die Schuld nur bei den Pferden und deren Besitzern zu suchen. Anwesende Pferdebesitzer wehrten sich gegen den Vorwurf, dass sie kein Verständnis für Streuobstwiesen haben. Einen weiteren Grund sahen die Teilnehmer auch im Strukturwandel der Landwirtschaft. Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen meinte, vor vielen Jahren habe es hinter jedem Hof eine Obstwiese gegeben. Heute sehe man bebautes Land.

Das Ziel in der Selfkantregion, die Streuobstwiesen als touristisches Merkmal zu nutzen, schwebt immer noch in vielen Köpfen. Gemeinsam will man hier Lösungsvorschläge erarbeiten. Das Leader-Projekt „Regionale Wertschöpfungskette Streuobst“ soll weiter angetrieben werden. Eine Projektgruppe aus Heilder bot Unterstützung an, die ersten Kontakte wurden noch bei der Veranstaltung geknüpft. Auch wird erwogen, die Pflege neuer oder bereits vorhandener Streuobstwiesen über das Kümmerer-Netzwerk laufen zu lassen. Nachdenklich machten auch die Zahlen, dass der Apfelbaum sowie Birnenbaum in der Region sehr stark vom Aussterben bedroht sind.

Viele Obstbäume sind in einem schlechten Zustand. Die Nabu-Naturschutzstation möchte daher in einem vom Landschaftsverband Rheinland geförderten Projekt die Pflege alter Obstwiesen unterstützen und die Verwertung des Obstes fördern.

(agsb)
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