Nasse Füße im Eäzekomp

Nasse Füße im Eäzekomp

Aachen (an-o/gei) - Irgendwie hatte es den Anschein, als wären selbst die Proteste gegen den diesjährigen Karlspreisträger Teil eines harmonischen Ganzen. Beinahe fröhlich demonstrierten Umweltverbände gegen den "Atom-Lobbyisten" Giscard dEstaing.

Wenige Minuten bevor die Festgesellschaft am Morgen ins Rathaus einzog, holten sich Greenpeace-Aktivisten nasse Füße im Eäzekomp. Sie besetzten den Karlsbrunnen und hielten grellgrüne Transparente für eine "EU-Verfassung ohne Atomkraft" in die Höhe. Von einem Hausdach entrollten sie Spruchbänder.

Giscard dEstaing zementiere eine rückwärts gewandte Technologie, kritisierten Umweltverbände. Obwohl die Mehrheit der derzeitigen EU-Mitgliedsstaaten den Ausstieg aus der Atomenergie anstrebe, wolle Giscard den vor 45 Jahren verabschiedeten Vertrag zur Förderung der Atomkraft in die EU-Verfassung unverändert aufnehmen.

Der Versuch, dem Franzosen ein goldenes Mini-AKW als Zeichen des Protestes zu übergeben, scheiterte zwar. Dafür aber fand Giscard sichtlich Gefallen an den Kostümen der beiden Aktivisten Britta Steffenhagen und Jan Kowalzig. Sie spielten mit ihren historischen Gewändern auf den "Sonnenkönig" Louis XIV. an - ein Spitzname, den sich Giscard im Konvent gefallen lassen muss.

Man muss es dem Franzosen lassen: Er ging seinen Kritikern nicht aus dem Weg - allerdings auch nicht auf sie ein. Und so quittierte er das Transparent "LEurope cest moi" (Europa, das bin ich) mit dem gleichen Lächeln, wie jene Protestler, die mehr Demokratie und Bürgernähe einfordern. "Parlament statt Präsident" hieß es etwa auf dem Plakat der "Jungen Europäischen Föderalisten", die Giscard vorwerfen, mit seinem Verfassungsentwurf die Grundprinzipen der Demokratie zu verletzen.

Unterdessen verfolgte die Polizei die diversen Protestaktionen mit größter Gelassenheit. Wie überhaupt der Tag für die Sicherheitskräfte nichts Spektakuläres zu bieten hatte. "Das lief alles rund", hieß das eben so knappe wie zufrieden klingende Fazit von Polizei-Pressesprecher Paul Kemen am Nachmittag.