Aachen: Momente eines Jahres bei unserer Gala „Menschen 2014“

Aachen : Momente eines Jahres bei unserer Gala „Menschen 2014“

Kaum hat das Jahr begonnen, da geht der Blick noch mal zurück. Zurück auf die Ereignisse und Geschichten des vergangenen Jahres, für einen Abend, für ein paar Stunden bei unserer Gala Menschen 2014.

Martin Schulz war dabei, er ist immer noch bewegt, man sieht es, und man hört es auch. „Ein einzigartiges Erlebnis“, sagt er. Schulz war in seinem Leben bei vielen Demonstrationen dabei, „aber so etwas wie jetzt in Paris habe ich noch nie erlebt“. Der Präsident des Europaparlaments erzählt vom „Marsch der Millionen“ vergangenen Sonntag. Man habe sich wegen der vielen Menschen kaum noch bewegen können und doch sei da diese Stille gewesen, dieses bewegende Schweigen.

 FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 15.01.2015 Menschen 2014, Gala JOB : Gala 46
FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 15.01.2015 Menschen 2014, Gala JOB : Gala 46

„Eine großartige, eine klare und wichtige Botschaft an die Terroristen“, sagt Schulz. Nämlich diese: „Ihr seid isoliert!“ Das Jahr hat eben erst begonnen, da geht der Blick noch mal zurück auf die Ereignisse und Schlagzeilen, die das vergangene Jahr in unserer Region und weit darüber hinaus geprägt haben.

 Gala "Menschen 2014" im Bild:
Gala "Menschen 2014" im Bild:

Auf Menschen, die Besonderes erfahren oder geleistet, die Tragisches erlitten oder Freudiges erlebt haben. Der Blick geht aber eben auch zurück auf die ersten Wochen des neuen Jahres. Auf die Anschläge in Paris, auf die Morde in der Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und auf die beispiellose Welle der Solidarität, die es als Reaktion auf den islamistischen Terror in Europa gegeben hat. Es sind deutliche und bewegende Worte, die der designierte Karlspreisträger Martin Schulz bei der Gala „Menschen 2014“ findet.

Er ist nicht der einzige an diesem Abend. Ein Abend, der von großem ehrenamtlichen Engagement erzählt, von Miteinander und Fürsorge. Ein Abend, der mit spannenden Gästen, exklusiver Musik und vielen Einspielfilmen von Chefredakteur Bernd Mathieu und Redakteur Amien Idries ebenso unterhaltsam wie interessiert moderiert wird. „Menschen 2014“ ist ein Jahresrückblick im besten Sinn, die vierte Auflage einer regionalen Rückschau auf die Ereignisse, die Redaktion wie Leser gleichermaßen bewegt haben.

Da verwundert es nicht, dass selbst die sonst so abstrakte EU-Verwaltung ein sympathisches Gesicht bekommt. Denn auch der Vize-Chef der EU-Kommission, Frans Timmermans, ist zu Gast und gibt Einblicke in seine Arbeit und seine Pläne. „Wir müssen weniger machen“, sagt er. „Und das, was wir machen, müssen wir dann besser machen.“

Ein Versprechen, das so klingt, als würde er es tatsächlich auch so meinen. Timmermans kommt aus Heerlen, war Außenminister der Niederlande, spricht sieben Sprachen und ist das, was man einen Charismatiker nennt. Vor allem seine Rede vor dem UN-Sicherheitsrat nach dem Abschuss von Flug MH 17 über der Ostukraine, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen, hat im vergangenen Jahr nicht nur seine Landsleute bewegt. Timmermans hatte die richtigen Worte getroffen, hatte dem Leid und der Fassungslosigkeit eine Sprache gegeben. „Dabei hatte ich die Rede erst eine Stunde vor meinem Auftritt in New York geschrieben“, erzählt er im Gespräch mit Mathieu.

Und auch am Mittwochabend sagt er, was viele empfinden. Tief betroffen sei er über die Tatsache, dass sich jüdische Mitbürger derzeit in Europa nicht mehr sicher fühlen. „Leute“, appelliert Timmermans, „das können wir so nicht machen, sonst ist das europäische Projekt gescheitert.“ Jeder müsse sich hier wohlfühlen können. „Keiner wird im Stich gelassen.“ Es sind schon besondere Einblicke, die die Gäste in der Mercedes-Benz-Niederlassung in Aachen bekommen.

Auch von Wolfgang Niersbach, dem Präsidenten des Deutschen Fußballbundes, der eigens aus Frankfurt angereist war, um beim Jahresrückblick von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten noch mal vom WM-Titel in Brasilien zu berichten. Niersbach spricht vom „Team als Erfolgsmodell“ und er erzählt von den 174 Caipirinhas, die nach dem 4:0-Auftaktsieg gegen Portugal am Morgen auf dem Deckel des Mannschaftsquartiers gestanden hätten.

„Wir haben das dann mal dem Betreuerstab zugerechnet“, sagt er und schmunzelt. Der Fußball vom Glück überschüttet Niersbach gibt sich aber auch demütig und dankbar. Charakterzüge, die er auch stets der Mannschaft vorgelebt habe. „Man hat ja den Eindruck, dass die Welt ein Stück weit aus den Fugen geraten ist in 2014“, sagt er. Der deutsche Fußball sei hingegen vom Glück überschüttet worden. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, das muss allen klar sein.“ Miteinander, Fürsorge, der DFB als Familie - das sind seine Leitmotive.

Da passt es ins Bild, dass Niersbach im Vorfeld des Abends Egidius Braun noch einen Besuch abgestattet hatte. „Ich soll alle Leser sehr herzlich von ihm grüßen“, richtet Niersbach aus. Neben den vielen prominenten Namen — auch Springreiter Ludger Beerbaum ist da — sind es vor allem die vielen Geschichten und Gesichter aus unserer Region, die für interessante Einblicke und Erkenntnisse sorgen.

Etwa vom Aachener Wissenschaftler Frank Kemper, der im Vorfeld der Olympischen Winterspiele die zentrale Fackel für das Feuer in Sotschi auf ihre Windfestigkeit hin überprüfen musste. Man kam zu dem Ergebnis, dass die Konstruktion so nicht sicher war. Zweimal war Kemper schließlich selbst vor Ort, um das Symbol der Spiele zu retten. Erfolgreich. Nur die Belohnung blieb irgendwie aus. „Ich hatte mir schon erhofft, zur Eröffnungsfeier eingeladen zu werden“, sagt er.

Auch die Geschichte von Mario Lennartz aus Nideggen-Schmidt hat noch kein Happy-End. Der 47-jährige Ingenieur war im Herbst acht Wochen lang in Sierra Leone, um mit den Einheimischen gegen Ebola zu kämpfen. Sein Bericht klingt weit weniger hysterisch als viele Medienberichte. Fast nüchtern, jedenfalls sehr sachlich und deswegen umso beeindruckender schildert Lennarzt die Situation vor Ort. Keine Spur von Angst oder Ohnmacht habe er in Sierra Leone erlebt. Die Menschen in Westafrika seien sehr gefasst, sehr sicher im Umgang mit der Epidemie. Und so, sagt er mit Überzeugung in der Stimme, werden sie Ebola auch besiegen können.

Julien Bam kommt auf vier Rädern. Die Kappe hoch auf der Stirn, ein etwas zu großes Skateboard unter den Füßen. Bam kommt aus Aachen und ist ein Star auf der Internetplattform Youtube. Dort verfolgen Millionen junger Menschen seine Aktionen und Tanzfilme. So auch seine Reise mit Freunden auf dem Longboard - von Sylt bis zum Schloss Neuschwanstein. Bams Geschichte erzählt von Freundschaft, von Zusammenhalt und Abenteuer. Ein junger Mann, der mit seiner Unbekümmertheit und Energie ansteckt. Erst die Tat, sagt er, unterscheide den Traum vom Ziel.

Wohl keine so wichtige Botschaft wie die von Paris. Aber eine Erkenntnis, die Hoffnung macht für das Jahr 2015 — vielleicht auch darüber hinaus.