Aachen: Mit Vollgas von Leckerschen zu Leckerschen

Aachen : Mit Vollgas von Leckerschen zu Leckerschen

Kann er denn überhaupt noch seinen Hit „Leckerschen” hören? Prinz Thomas I. (Ebert) antwortet lächelnd nach dem zehnten Auftritt an diesem Abend: „Klar doch. Ich freue mich, dass das Lied so erfolgreich ist.” Eine Antwort, die man der Tollität absolut abnimmt. Der 39-Jährige hat Spaß an der Freud´, nichts scheint ihm und seinen Mitstreitern im Hofstaat zu viel zu sein. Kleine Termine werden ebenso solidarisch wahrgenommen wie die ganz großen Galas.

Für den gelernten Sparkassenkaufmann, der jetzt als Unternehmensberater in der Steuerberatungsgesellschaft des AKV-Präsidenten Horst Wollgarten arbeitet, gibt es keine sozialen Unterschiede im Narrenvolk. Mit seinen Hofstaatlern hält er zusammen wie Pech und Schwefel.

„Bei uns gibt es keinen, der aus der Reihe tanzt. Die stehen wie eine Eins hinter dem Prinzen”, beschreibt Adjutant Alwin Fiebus die Lage.

Den Prinzen und seine Leute stört auch nicht, ob der Saal aus allen Nähten platzt oder nur halb besetzt ist, „Stimmung kann man überall verbreiten”. weiß der Prinz. Was Stimmung betrifft, sind er und seine Truppe, der zwölfköpfige Hofstaat, bombastisch drauf. Und wenn die Prinzengarde mit dem Kommandanten Markus Bongers und Tanzmarie Jennifer Deerberg dazustoßen, steht den Pappnasen im Saal eine karnevalistische Großoffensive bevor.

Bühne ist beinahe zu klein

Wie am Freitagabend im Ellerhof. Mit Pauken und Trompeten wird den Jecken im Saal das Hurratschingbum um die Ohren gehauen, die Bühne ist für die Beteiligten beinahe zu klein, wenn die Prinzengardisten für ihre Jennifer präsentieren und sie danach den perfekten Tanz tanzt. Prinz und Garde sind ziemlich früh dran, die Sitzung hat gerade erst begonnen. Einige Sitze sind noch frei, obwohl der Saal als ausverkauft gilt.

Für Thomas I. ist das kein Problem. Er schmettert mit seinen Leuten sein „Leckerschen”. Mit viel Enthusiasmus, was macht es da schon, dass nicht jeder Ton perfekt sitzt. Nicht genug mit dem Sessionshit. Fanfarenmusik erklingt, die Hitparade beginnt. Alwin Fiebus doubelt Drafi Deutscher, Marmor und Eisen sind schließlich gebrochen, auch Jürgen Marcus und die Wildecker Herzbuben lassen sich bei der Jubiläumssitzung der lustigen Schlesier sehen. - Abmarsch: Der dritte Termin des Abends wird abgehakt. „Vorher waren wir bei den Horbacher Mäddcher und im AWO-Seniorenheim Am Reulert”, sagt Hofmarschall Gustl Brammertz. Im Horbacher Saal Bosten sei „der Teufel los gewesen”, die alten Herrschaften im Heim hätten sich mächtig über den Besuch des Prinzen gefreut.

Mit zwei Kleinbussen und zwei Limousinen geht´s die Trierer Straße und den Adalbertsteinweg runter zur Kreishandwerkerschaft an der Heinrichsallee. Dort sind Thomas, Gefolge und Prinzengarde Karnevalisten unter vielen. Denn die Kreishandwerkerschaft und ihr Chef, Kreishandwerksmeister Hans Winnen, haben zum jecken Abend eingeladen. Die Narrenherrscher geben sich die Klinke in die Hand, „endlich bekommen wir was zu essen”, freut sich ein Prinzengardist über die vielen belegten Brötchen, die Puttesstücke und die Püffelchen. Er spült alles mit einem tiefen Zug frisch gezapftem Biers runter. Wieder das Leckerschen, Till Eulenspiegel Torsten Rehberg animiert das jecke Publikum.

„Wir müssen weiter”, drängt Adjutant Alwin Fiebus. Die Jecken von St. Michael warten. Im Gesundheitszentrum an der Zeise wird rauchfrei gefeiert. So wie es sich gehört. Die ohnehin gute Stimmung auf der Fahrt dorthin steigt. Witze fliegen hin und her, auch nicht so ganz stubenreine. Mit dem Alkohol hält sich die jecke Truppe zurück. Sicher, das eine oder andere Fläschchen Bier wird geöffnet, aber das war´s dann auch schon. Großes Hallo im Foyer. Die Originale sind gerade im Aufbruch.

Die ersten Penn-Soldaten marschieren ein. aber der Prinz hat Vorrang. Sein „Leckerschen” kennen die Pappnasen, sie singen lauthals mit, jubelnd stehen sie auf den Stühlen, als die Tollität mit dem Hofstaat einläuft. Dieser Prinz ist beliebt - er macht keinen Firlefanz. Er und sein Hofstaat feiern einfach mit, jede Sitzung scheint für sie eine Premiere zu sein, dieses Gefühl geben sie den Narren. Und der Bloemmenelles, Marcel Schmitz, verteilt an die Damen Rosen auf Teufel komm raus. Der Prinz ist nett und bescheiden, das kommt bei den Öchern an. An der Zeise ist die Bühne winzig klein, fürs Jecksein aber reicht der Platz. Für eine Zugabe ist abermals keine Zeit, die Liste der jecken Termine ist noch lang.

Heisere Stimmen

Ab zu den Frohen Jakobinern in den Kurparkterrassen. Dort kocht die Stimmung schon über. Die jecke Truppe aus Prinz, Hofstaat und Prinzengarde hat leichtes Spiel. Das „Hurratschingbum” beim Einzug scheint besonders laut (aber schön) geschmettert zu werden. „Das ist der Sonnenprinz von Aachen”, stellt Sitzungspräsident Heiner Laschet den Narrenherrscher vor. Der Strahlemann macht seinem Namen aller Ehren, er strahlt übers ganze Gesicht. Und sein Hofstaat nicht weniger. Die werden nicht müde, ihren jecken Frohsinn zu betreiben, Abnutzungserscheinungen sind allenfalls an den mittlerweile etwas heiseren Stimmen zu bemerken. Noch eine Runde Orden, dann geht´s zackzack weiter.

Im Festzelt von Verlautenheide warten die Bröselspetze. Direkt voll ist es nicht im Zelt, freundlich gesagt, es ist gut besucht. Die Prinzengarde hat sich kurz ausgeklinkt und ist schon mal weiter in den Quellenhof gefahren. In Verlautenheide reißen Strahlemann und Co. die Jecken aus beginnender Lethargie.

Jetzt aber ab in den Quellenhof, der Prinzengarde hinterher. Dort ist die Ritternacht, die Media-Night, in vollem Gang. Die Zahl der Promis ist überschaubar, es herrscht aber gute Atmosphäre. Man ist halt unter sich - und stolz darauf. Mario Adorf sitzt in aller Bescheidenheit mit Ehefrau Monique an einem runden Tisch, ganz in der Nähe der Bühne. Fröhlich zeigt er Interesse fürs jecke Geschehen auf der Bühne und lässt sich vom Prinzen und auch vom Prinzengardekommandanten Markus Bongers die jeweiligen Sessionsorden umhängen. Ein bisschen Zeit haben Thomas und seine Leute mitgebracht. Sie spulen ihr ganzes Programm ab.

Es ist eine Freude, ihnen zuzusehen. Aber eine halbe Stunden muss reichen, in Vaals warten die jecken Weiber und die Prinsenjarde Vols und wollen ebenfalls mit der Öcher Tollität Brüderschaft trinken und vor allem ein Tänzchen mit den schmucken Öcher Prinzengardisten wagen.

Die jecken Volser Wiver und die Vaalser Prinzengardisten applaudieren den Künsten der Jennifer Deerberg. Die Tanzmarie ist mittlerweile ein großes Vorbild für die zahlreichen kleinen Mariechen, die ihre ersten Tanzschritte auf den karnevalistischen Bühnen versuchen.

Bodenständiger Karneval

Adieda Vols, ab zum Heimspiel nach St. Andreas in der Soers. Die Stimmung dort ist wie immer echt, nichts Aufgesetztes stört den Beobachter, bodenständig wird in der Soers gefeiert. Es ist weit nach Mitternacht - diese Jungen scheint nichts umzubringen. Sie feiern weiter.

Der Tag begann um 11 Uhr in der Aachener Bank, dort wurde die Ausstellung der Sessionsorden eröffnet.

Er endete gegen 1 Uhr nachts. Nichts ungewöhnliches für Prinz und Hofstaat. Da geht schnell ein Teil des Jahresurlaubs drauf. Oder der gesamte Jahresurlaub.

Zwölf staatse Keäls begleiten Thomas I.

Zwölf staatse Keäls stehen Prinz Thomas I. zur Seite. Gustl Brammertz ist der Tollität vom AKV als Hofmarschall beigeordnet.

Des Prinzen Adjutant ist Alwin Fiebus. Torsten Rehberg hat versprochen, die Stimmung in den Sälen als Till Eulenspiegel anzuheizen.

Walter Müller ist als Mundschenk für das wirklich Notwendige zuständig. Als Wehrhafter Schmied präsentiert Marc Siebertz ein Stück Aachener Historie. Als Bloemmenelles wird Marcel Schmitz die Damen in den Sälen mit Rosen beschenken.

D´r Jockeb met et Fäißje wird von Dietmar Zinken dargestellt, als Hofkapellmeister achtet Harald Bougé auf den richtigen Ton. Guido Paffendorf ist als Hofbaumeister für so manches Luftschloss zuständig, während Rainer Basner et Öcher Schängche repräsentiert.

Tom Müller ist der Rittmeister und Markus von Lukowicz ist als Leibgardist mit auf Tour.