Stolberg: Mit Prinz Jochem I. geht die Wachstumskurve steil nach oben

Stolberg : Mit Prinz Jochem I. geht die Wachstumskurve steil nach oben

Von wegen der Fünf-vor-Zwölfte: Es war fünf nach acht, als der ehrenwerte Bürger Jochem Reitze von Erste-Große-Präsident Uwe Jungen in die Galerie der Burg geleitet wurde, die er zwei Stunden später als Prinz Jochem I. in Richtung Rittersaal verließ, um mit seinen närrischen Untertanen als Stolbergs 73. Herrscher bis in den frühen Morgen zu feiern.

In der Zwischenzeit erlebte das Auditorium die Formalitäten des jecken Staatsaktes und jede Menge Stimmung, denn Tollität ist nicht nur selbst stimmgewaltig, sondern hat auch Unterstützung in Form seiner Hofsänger: Frank Meis und Heinz Cormann, der Präsident und der Kommandant der KG Lustige Atschinesen, stimmen mit ein in den Lieblingssong der Tollität: „Einmal Prinz von Stolberg zu sein” - ein Traum, der jetzt nicht nur schneller als erwartet in Erfüllung gegangen ist, sondern den er auch flott und mitreißend bei der Premiere in der Burg präsentierte und dabei geschwind durch die Reihen des Publikums flitzte. Das hielt es freilich nicht auf den Stühlen und zeigte sich begeistert von den Qualitäten ihrer Tollität.

Da hatte auch die blaublütige Verwandschaft von „Musbich” ihre helle Freude: Prinz Bernd I. und Prinzessin Silvia (Eisenberg) machten im Ornat ihre Aufwartung bei der Proklamation - wohl auch eine Premiere im Stolberger Fastelovvend.

Dort bestens bekannt und immer wieder gern gehört und erlebt sind die Altstadtmusikanten, die bereits vor der Inthronisation mit ihren Liedern in Stolberger Mundart für beste Laune gesorgt und die Gäste beeindruckt hatten. Stolberjer Platt, das spricht auch Tollität am liebsten. Und so forderte er in seiner ersten Ansprache auf, „ob d´r Stross, ob d´r Plei un in d´r Kneip” so zünftig Fastelovvend zu feiern, wie er es in seiner Jugendzeit gelernt hat.

Apropos Jugend: Die will Prinz Jochem I. besonders unter seine Fittiche nehmen, denn ohne den Nachwuchs hat auch der Karneval keine Zukunft. Und prompt fand er dabei die spontane Unterstützung von Ferdi Gatzweiler. Der Bürgermeister lädt ein am Karnevalssamstag um 11 Uhr im Zinkhütter Hof zum Ehrenempfang für alle Kinder, Jugendlichen und Junggebliebene.

Doch zuerst galt es für den sozialdemokratischen Amtsinhaber eine Schrecksekunde zu überwinden, als Präsident Jungen von dem Schwarzen erzählte, der sich stets klammheimlich auf den Thron schleicht. Bei Tollität ist es Kater Leon, doch der Blick des Bürgermeisters schweifte schnell zu seinem christdemokratischen Herausforderer Paul Kirch im Publikum - und übersah dabei doch glatt einen weiteren Schwarzen, der es auf einen roten Thron abgesehen hat: Christoph Herzog war als Mitglied der Eschweiler Narrengarde der Proklamation bei. Erleichtert beichtete der Bürgermeister jedenfalls seine größten Sorgen in jedem November: „Kann der Kämmerer rechtzeitig einen Haushalt vorlegen und das Komitee einen Prinzen präsentieren?” In Jochem I. wurde jedenfalls „die absolute Idealbesetzung, nur fast zu spät” gefunden, versicherte Ferdi Gatzweiler und stattete den Herrscher mit dem Zepter aus.

Zuvor hatte Uwe Jungen den Prinzenorden überreicht, der eine Uhr, das Logo der Atschinesen und - den Beruf des Buchhalters würdigend - eine nach oben gerichtet Wachsturmskurve ziert. Die prinzliche Kappe setzte „Vater” Manfred I. (Essmajor) auf und gab seinem Nachfolger mit auf den Weg, mit allen Gesellschaften und Karnevalisten von ganzem Herzen zu feiern.

Von ganzem Herzen die Lacher auf seiner Seite hatte Protokollarius Heinz Kaesmacher, als er die Proklamationsurkunde von Tollität verlas und vom neuen Wahlspruch im Rathaus berichtete: „Mach mich bloß nicht verantwortlich.” Das paraphierte denn auch der Bürgermeister ebenso wie die Vertreter der himmlischen, irdischen und närrischen Heerscharen : Prinz Jochem I. ist proklamiert.