Kreis Heinsberg: Mit dem Klavier verschmolzen

Kreis Heinsberg: Mit dem Klavier verschmolzen

Unter den vielen hervorragenden Meisterkonzerten der Anton-Heinen-Volkshochschule wird das jüngste in besonderer Erinnerung bleiben.

Der junge Pianist Alexander Schimpf spielte in der Erkelenzer Stadthalle Werke von Mozart, Schumann und Chopin, wobei sich brillantes Können und außerordentliches Einfühlungsvermögen aufs Trefflichste miteinander verbanden.

Schon mit acht Jahren begann Schimpf mit dem Klavierspielen. Heute als 29-Jähriger gehört er zu den Talentiertesten seiner Zunft. Ausgezeichnet mit vielen Preisen, wirkte er im In- und Ausland bei Festivals und Musiktagen mit, konzertierte mit großen Orchestern und in vielen Radiosendern. Inzwischen lehrt er an der Musikhochschule Würzburg Klavier.

Das Konzert begann mit dem selten gespielten Rondo a-Moll KV 511 von Wolfgang Amadeus Mozart. Er komponierte es „bey gelegenheit des traurigen todfalls Meines liebsten besten Freundes grafen von Hatzfeld”, wie er an seinen Vater schrieb.

Dezentes Klagen und dennoch spielerisches Vergnügen verbinden sich zu einem eindrucksvollen Panorama angesichts des Todes, das sich auch im steten Wechsel zwischen Dur und Moll ausdrückt.

Auch in Robert Schumanns Kreisleriana op. 16 spielen die Gefühle eine große Rolle. Den Namen hat das Werk von dem exzentrischen Kapellmeister Kreisler aus dem Roman „Lebensansichten des Katers Murr” von E.T.A. Hoffmann, in dem sich eine Art Selbstporträt Schumanns wiederfindet.

„Eine recht ordentlich wilde Liebe liegt darin in einigen Sätzen, und Dein Leben und meines und manche deiner Blicke”, schrieb Schumann an Clara Wieck. Und die auch noch seltene Korrespondenz war im Sommer 1838 die einzige Verbindung zur Geliebten, deren Verbindung Vater Wieck im Wege stand.

Und so besteht das halbstündige Werk mit den acht Einzelstücken aus oft kontrastierenden Stimmungen, die eine zerrissene Seele beschreiben; und doch verbreiten Elemente barocker Tanzmusik auch wieder Hoffnung und Zuversicht.

Nach der Pause 24 Prludes op. 28 von Frdric Chopin, Meisterwerke der kleinen Form. Nach dem Vorbild der Präludien von Johann Sebastian Bach aus dem Wohltemperierten Klavier bewegte sich Chopin in seinem Zyklus durch die zwölf Dur- und Moll-Tonarten, allerdings nicht, indem er Bach kopierte oder imitierte, sondern auf eigene virtuose Weise.

Entstanden ist das Werk auf Mallorca, wohin Chopin sich mit seiner Geliebten des mildes Klimas wegen begeben hatte; aber statt Sonne und Wärme erlebten sie Kälte und Regen. Dass trotz dieser widrigen Umstände ein solches Werk entstehen konnte, ist ein weiterer Beweis für Chopins Genialität.

Alexander Schimpf schien mit seinem Instrument gerade zu verschmelzen; und es schien sogar so, dass man die einzelnen Komponisten selber am Klavier zu sitzen und zu hören glaubte. Mit herzlichem Beifall dankte das Publikum für einen außergewöhnlichen Klavierabend, der dann - wie könnte es im Chopin-Jahr anders sein - mit der Zugabe Mazurka Opus 59 Nr. 1 zu Ende ging.

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