Kommentar zum Videobeweis: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Kommentar zum Videobeweis : Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zwar gibt es in der Fußball-Bundesliga kein Herzschlagfinale wie in der Premier League zwischen Manchester City und Liverpool, doch das Duell zwischen den Bayern und dem BVB hat viel Potenzial, um die Schlagzeilen zu bestimmen.

Jedoch wird auch am 32. Spieltag über Hand- oder kein Handspiel, über den Video-Schiedsrichter und den Kölner Keller statt über den Kampf um die Schale diskutiert. Das Grundproblem ist einfach benannt: Auch am Ende der zweiten Saison werden zu viele Fehlentscheidungen getroffen, die weder Fans noch Spieler oder Verantwortliche nachvollziehen können.

Auch heute weiß praktisch niemand, wann die Schiris in Köln eingreifen können, dürfen, sollen; wann wie was passiert, ist vielen im Stadion fast jeden Spieltag ein Rätsel. Neben fehlender Transparenz kommt als Geburtsfehler hinzu, dass die Einführung der neuen Entscheidungsebene falsch kommuniziert worden war. Es liegt in der Natur der Sache, dass keine 100-prozentige Trefferquote wie bei der Torlinientechnologie erreicht werden kann. Doch es schwang immer der Eindruck mit, dass Köln jede strittige Szenen klar und eindeutig regeln würde. Fehlanzeige. Und im Mai 2019 ist noch nicht einmal klar, was ein strafbares Handspiel ist.

Derweil wird munter an der Eskalationsschraube gedreht. Jeder will die neue Verunsicherung ausnutzen. Das Lamentieren, Reklamieren, Echauffieren auf und neben dem Platz ufert zusehends aus, auch dank einiger dröhnender TV-Kommentatoren. Jetzt muss schnell ein Schlussstrich gezogen werden. Projektchef und Ex-Schiedsrichter Drees sagt: Es sind Menschen am Werk, keine Maschinen.

Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Die Sommerpause muss genutzt werden, um die Transparenz zu erhöhen sowie das Regelwerk und den Entscheidungsweg klar, einfach und eindeutig neu zu formulieren. Und vielleicht schauen sich die Herren Fußballprofis einfach einmal ein Handball- oder Rugbyspiel an, um zu lernen, wie man respektvoll mit einer (Fehl-)Entscheidung eines Schiedsrichters umgeht. Denn wie gesagt: Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.

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