Wsrum die Formel 1 weiterhin fasziniert

Kommentar zu 1000 Mal Formel 1 : Langweilig war es selten

Für die einen ist es ein Grund zum Feiern, für die anderen ein Anlass, mal wieder das große Ganze in Frage zu stellen. 1000 Mal Formel 1, das ist zweifellos ein stolzes Jubiläum.

Natürlich hat der Grand-Prix-Zirkus seine Daseinsberechtigung, im Kreis herumzufahren ist genauso sinnig oder unsinnig wie einem Ball hinterherzulaufen oder sich Latten an die Füße zu schnallen, um einen Berg hinunterzuspringen. Man ist fasziniert von den Künsten eines Juan Manuel Fangio, Ayrton Senna, Michael Schumacher, Lewis Hamilton oder auch nicht. Man begeistert sich für die Technik oder wendet sich desinteressiert ab. Tatsache ist: Die Formel 1 hat Geschichte(n) geschrieben, großen Sport geboten und manchen Skandal produziert. Langweilig war es selten.

Die Königsklasse des Motorsports polarisiert. Vor dem 1000. Rennen muss sie sich erneut und vielleicht so laut wie noch nie die Frage gefallen lassen, ob sie noch zeitgemäß ist. Ihre Gegner haben reichlich gute Argumente, die eher schlechte sind (Klima-Katastrophe, Umweltverschmutzung).

Dabei gerät schon mal in Vergessenheit, dass sich die Formel 1 nicht blindlings verschließt vor den Entwicklungen auf diesem Globus. Energierückgewinnung und Hybridantrieb sind seit Jahren Bestandteile des technischen Reglements, der Sicherheitsstandard war noch nie so hoch wie jetzt, und die Ingenieure steuern seit jeher ihre Beiträge bei, die auch in die Serie auf der Straße fließen. So zu tun, als wäre die Formel 1 reines Teufelszeug verwegener Machos, die ohrenbetäubenden Geschwindigkeitsrausch ausleben, wird der Sache nicht gerecht.

Eine neue Generation

So lange sich Menschen für einen Sport interessieren, so lange hat er seine Legitimation. Die Erben von Bernie Ecclestone sind schlau genug, ihr Grand-Prix-Geschäft ständig zu hinterfragen und den Zeichen der Zeit anzupassen. Hinter den Lenkrädern wächst eine neue Generation spektakulärer Piloten heran wie Max Verstappen und Charles Leclerc, vielleicht auch eines Tages Mick Schumacher. Im nächsten Jahr fährt die Formel 1 erstmals in Vietnam. Alles keine Vorboten eines nahenden Untergangs. Motorsport-Puristen, denen es an „action“ fehlt, schauen ohnehin Rallye-WM oder Nascar.

k.schmidt@zeitungsverlag-aachen.de

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