Wildkatze und Fischotter sollen wieder ins Jagdrecht

Kommentar zum neuen Jagdrecht : Die pure Lust am Zerstören

Von der Öffentlichkeit bislang wenig beachtet, vollzieht die schwarz-gelbe NRW-Landesregierung in diesen Tagen eine grundsätzliche Wende in der Naturschutzpolitik.

Das von der Vorgängerregierung unter Beteiligung sämtlicher Akteure erarbeitete ökologische Jagdrecht soll abgewickelt werden. Es ist ein klassisches und besonders abstoßendes Beispiel für Klientelpolitik: Der nicht selten vermögenden und in konservativen Kreisen stets gut vernetzten Jäger-Lobby wird so gut wie jeder Wunsch erfüllt, und sei er noch so abwegig und blutrünstig.

Während der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner nach Bestehen seiner Jagdprüfung in Interviews gerne über das Töten philosophiert, tönte ein Partei­freund im Landtag zuletzt, mit diesem Gesetz wolle man „den Jägern ihre Würde zurückgeben“. Ein entlarvender Ausspruch: Offenbar ist es unter der Würde mancher Jäger, sich über Fragen der Ökologie und des Tierschutzes Gedanken zu machen. Ihnen geht es eher um archaische Riten und die pure Lust am Zerstören von Leben. Naturschutzverbände laufen jedenfalls zu Recht Sturm gegen die Novelle, zu der in dieser Woche im Landtag Experten angehört wurden.

Gefährdete Arten ins Jagdrecht?

So sieht das Gesetz allen Ernstes vor, dass künftig alle Greifvogel-, Enten-, Möwen- und Taubenarten inklusive der stark gefährdeten Turteltaube ebenso wieder dem Jagdrecht unterstellt werden wie teils fast ausgestorbene Arten: Wildkatze, Fischotter, Mauswiesel und Baummarder. Auch Tierarten wie Lachmöwe, Waldschnepfe, Bläßralle und Türkentaube werden damit wieder zum Abschuss frei gegeben.

Ein vernünftiger Tötungsgrund, wie ihn das Tierschutzgesetz vorschreibt, ist aus Sicht der Landesregierung bereits dann gegeben, wenn ein Jäger „die Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit“ einhält. Zwar sollen gegebenenfalls ganzjährige Schonzeiten dem Gemetzel Einhalt gebieten. Doch der Dammbruch ist so bereits geschaffen.

Damit nicht genug: Das neue Gesetz soll zudem einige besonders brutale und perverse Jagdmethoden wieder legalisieren: Die Jagd mit Fallen, in denen die Tiere – darunter übrigens oft auch Katzen und Hunde – qualvoll sterben. Oder die Ausbildung von Jagdhunden an flugunfähigen Enten.

Die Liste der Grausamkeiten lässt sich weiter fortsetzen: Auch in Schutzgebieten soll die Jagd wieder erleichtert werden. Junge Dachse sollen, wie bisher schon junge Füchse, Waschbären, Marderhunde und Wildschweine, das ganze Jahr über geschossen werden dürfen. Das Verbot der Lockjagd auf Rabenkrähen soll zudem weitgehend entfallen, so dass das widerliche, massenhafte Abknallen von Krähen wieder erleichtert wird.

Fuchsjagd ist brutal und sinnlos

Auf die Frage nach dem Warum gibt es keine befriedigende Antwort. Es ist unbestritten, dass auf eine Jagd zum Beispiel auf das Schwarzwild in den deutschen Wirtschaftswäldern nicht verzichtet werden kann – dann aber bitte nach ökologischen Kriterien und nicht durch schießwütige Laien. Denen erleichtert die Landesregierung ihr blutiges Treiben hingegen noch, indem sie den „Nachweis einer besonderen Schießfertigkeit“ durch einen laxeren „Schießübungsnachweis“ ersetzen will.

Vielen Jägern geht es offenbar gar nicht so sehr um die viel zitierte „Hege und Pflege“ – sie wollen ihr fragwürdiges Hobby unter allen Umständen ausleben. Das beste Beispiel dafür ist die Fuchsjagd: Mehr als 50.000 Tiere wurden nach offiziellen Zahlen alleine in NRW im Jagdjahr 2016/2017 getötet. Warum? Weil es „Spaß“ macht? Man könnte es auch wie unsere luxemburgischen Nachbarn halten und die Fuchsjagd komplett verbieten. Das Ergebnis – oh Wunder: Der Bestand reguliert sich selbst. Das belegten zuletzt auch Studien aus deutschen Naturschutzgebieten wie dem Nationalpark Eifel, in denen die Fuchsjagd verboten ist. Von einer massenhaften Vermehrung der kleinen Räuber kann nicht die Rede sein.

Demut vor der Kreatur, vor der Schöpfung: So müsste eigentlich das Thema lauten. Und es gibt sicher auch manche Jäger in diesem Land, die nach dieser eigentlich urkonservativen Maxime handeln. Den Jagdverbänden und der Landesregierung hingegen geht es nur um Macht, Profit, Eitelkeiten. Die Natur bleibt auf der Strecke.

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