Kommentar zur Flut von Studien: Wer bestellt? Wer bezahlt?

Kommentar zur Flut von Studien : Wer bestellt? Wer bezahlt?

Solarien begünstigen Schwarzen Hautkrebs. Je stärker das Übergewicht, desto besser schmeckt Schokolade. Kunstrasenplätze sind die größte Quelle für Mikroplastik in der Umwelt. Die Rente kann für Gutverdiener zum Gesundheitsrisiko werden.

Oder eben auch: Elektronische Medien sind bei Kindern beliebter als gedruckte. Fünf Beispiele, willkürlich herausgegriffen aus der Fülle von Studien der jüngsten Zeit.

So wenig Anlass es gibt, grundsätzlich jede Studie anzuzweifeln, so wenig Gründe gibt es, jeder blind zu vertrauen. Denn Untersuchungen jedweder Art sind heute die vielleicht wirkungsvollste Munition im Dauerkampf um (mediale) Aufmerksamkeit. Ein Politiker mag noch so fundiert und schlüssig argumentieren, glaubwürdig wird er in den Augen vieler erst, wenn er sich auf vermeintlich seriöse wissenschaftliche Belege berufen kann. Dabei wird gerne übersehen, dass das Gros der Veröffentlichungen interessengetrieben ist. Im medizinischen Bereich etwa kommen rund 90 Prozent der Studien von der Industrie.

Nicht vorsätzliche Manipulationen sind dabei das Problem, auch wenn in einer 2009 veröffentlichten Umfrage zwei Prozent der befragten Forscher zugaben, Daten und Fakten gefälscht zu haben, und immerhin ein Drittel der Autoren einräumte, Resultate auch schon einmal geschönt zu haben. Viel bedeutender ist die oftmals fehlende Transparenz. Da geht es etwa um die Methodik, die Fragestellung, den Pool der Befragten. Wer ist der Auftraggeber? Was kostete die Studie? Wer hat sie bezahlt? Und wer profitiert am Ende davon?

Kürzlich legte eine von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Untersuchung nahe, mindestens 1200 Krankenhäuser in Deutschland zu schließen, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu verbessern. Unsere Zeitung hatte darauf hingewiesen, dass Vorstandsmitglied Brigitte Mohn zugleich im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG sitzt, die von der Schließung kommunaler Krankenhäuser profitieren könnte – ein Verdacht, den die Stiftung prompt mit dem Hinweis zurückwies, man habe lediglich eine politische Debatte anstoßen wollen. Am Ende bleib der Satz hängen: Kleine Kliniken sind nicht nur leistungsschwach, sondern für Patienten sogar (lebens-)gefährlich. Derartige Verkürzungen sind so falsch wie riskant. Weil damit oft genug Politik gemacht wird, die nicht der Gesellschaft nutzt, sondern häufig nur einer Aktiengesellschaft.

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