Die digitale Welt: Wenn der Katzenhalter die Katzenklappe hält

Die digitale Welt : Wenn der Katzenhalter die Katzenklappe hält

Das Profil von Zazie ist bezaubernd. Ein Foto, auf dem sie verträumt an der Kamera vorbeischaut. Angaben über ihre Aktivitäten, ihre Ernährungsgewohnheiten und das, was sie in ihrer Freizeit so treibt.

Regelmäßige Patrouillengänge durch die Nachbargärten gehören dazu, denn Zazie (deren französischen Namen man „Sasie“ ausspricht) ist eine Katze. Eine moderne Katze mit digitalem Pfötchenabdruck im Netz – dank unserer neuen Katzenklappe mit WLAN-Anbindung. Ob man sowas braucht? Was für eine Frage!

Der Verfasser dieser Zeilen, als beruflicher Digitalo ein heimlicher Anhänger so ur-analoger Alltagsgegenstände wie Altautos ohne ABS und Armbanduhren mit Aufziehuhrwerk, hat sich zum Kauf breitschlagen lassen. Zu überzeugend waren Freunde in ihrer Begeisterung über die per Schlaufon steuerbare Pforte. Mit ihr lassen sich die vernetzten Vierpföter in ihren Wanderungsbewegungen genau überwachen, in allen möglichen Statistiken erfassen, sowie nach Belieben ein- und aussperren.

Was übrigens nichts mit Sadismus zu tun hat. Wie jeder weiß, dessen Fellnase sich kurz vor einem anstehenden Arztbesuch so vollständig unsichtbar gemacht hat wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland.

Ganz einfach war die Digitalisierung des heimischen Halbwildtierbestandes allerdings nicht. Erst dürstete die – vom Glaser für viel Geld ins einzig geeignete Katakombenfenster des Häuschens eingesetzte – kluge Klappe nach Netzempfang. Als sie diesen dann – dank des für noch mehr Geld angeschafften WLAN-Repeaters – endlich hatte, wollte sie die mit List und Leckerlis hindurchgelockten Schnurrhaarträger zunächst standhaft nicht zur Kenntnis nehmen. Wer schon mal eine widerstrebende Hauskatz durch eine sich permanent selbsttätig verriegelnde Plastikklappe geschoben hat, weiß, was Freiheitsdrang ist. (Erkannt werden Zazie & Co. übrigens über ihre implantierten, gesetzlich vorgeschriebenen ID-Mikrochips.)

Doch dann! Alles connected, alles verWLANt, alles erfasst, gescannt, registriert und freigeschaltet. Freiheit für die Katzen! Die sich nach getaner Erfassungsarbeit umgehend ins winterliche Gartengrün verflüchtigen.

Plötzlich miaut es im Wohnzimmer. Erst links, dann rechts. Restlos ratlos sehen die Tierhalter sich an. Es ist doch keine Katze mehr im Haus, wer war das nur? Langes, vergebliches Suchen beginnt, bis sich nach längerer Zeit das Rätsel von selbst löst: „Zazie hat das Haus durch die Katzenklappe betreten“, verkündet die Katzenklappen-App. Erst auf dem Handy, links auf dem Esstisch, und dann auf dem Tablet, rechts auf dem Sofa. Und miaut dazu, täuschend echt.

Ach ja. Katzen sind schlau, ihre Klappen nun auch. Jetzt fehlt nur noch der Mensch.

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