Was der Terror in Neuseeland mit uns zu tun hat

Kommentar zum Terror in Neuseeland : Der Kreis schließt sich

Ein unfassbar brutaler, kaltblütig geplanter und ausgeführter Anschlag. Mindestens 49 Menschen sterben, weil sie Muslime sind. Und das Netz ist voller Hass und Häme – auch in Deutschland. Hass auf die Opfer, wohlgemerkt: „Weniger ist mehr“, schreibt jemand in einer Gruppe, in der man ansonsten „das deutsche Vaterland“ feiert. Und er ist nur einer von vielen, der so kommentiert.

Getreu dem Motto: Menschenverachtender geht immer. All jene, die hier den Terror beklatschen, sind mehr als nur der unappetitliche Bodensatz der Gesellschaft. Sie machen sich mitschuldig.

Wenn ein Attentäter sein unvorstellbares Werk in Echtzeit im Internet zeigt, dann beweist das nämlich vor allem eines: Er sucht diesen Applaus geradezu. Ohne Publikum wäre seine Tat praktisch wirkungslos. Gemeinsam bestärken sich im Netz bürgerliche Schwächlinge und militante Psychopathen über alle Landesgrenzen hinweg. Sie eint der Hass auf alles Fremde und den Islam. Die Saat der rechten Hetzer und Populisten ist längst aufgegangen. Diese Erkenntnis ist nicht neu, scheint aber in ihrer Brisanz noch nicht von allen Verantwortlichen wahrgenommen worden zu sein.

Die Szene wächst im Verborgenen

Ein Problem ist der mittlerweile von vielen hemmungslos offen ausgelebte Nationalismus, der auch hierzulande nie wirklich ausgerottet war und sich nun wieder Bahn bricht. Auf der anderen Seite etabliert sich im Verborgenen eine Szene, die den deutschen Rechtsstaat und die freiheitliche Gesellschaft nicht nur ablehnt, sondern mittlerweile auch aktiv bekämpfen will. Der „Nationalsozialistische Untergrund“ lässt grüßen!

So wurde unlängst bekannt, dass prominente Journalisten, Künstler und Politiker bereits seit Monaten systematisch mit wüsten Drohungen überzogen werden. Selbst Helene Fischer soll bedroht worden sein, weil sie sich nach den Vorkommnissen von Chemnitz gegen rechte Gewalt positioniert hatte. Gleichzeitig wächst die Zahl militanter Rechtsextremer und Reichsbürger stetig an. Erst Mitte der Woche war zu lesen, dass der Staatsschutz in der beschaulichen Südeifel einen Protagonisten aus der Reichsbürgerszene aufgespürt hatte. Der Mann hortete Schusswaffen und Sprengstoff im Keller.

Rache an den „Invasoren“

Was hat das alles mit einem Anschlag im fernen Neuseeland zu tun? Sehr viel. Denn nicht nur der islamistische Terror ist mittlerweile ein globales Phänomen. Rassismus und Nationalismus sind es auch. Der Attentäter von Christchurch, der sich in seinem kurz vor der Tat veröffentlichten „Manifest“ als Australier mit schottischen und irischen Wurzeln vorstellt, schwadroniert von einem „weißen Genozid“, der seiner Meinung nach zu einem Aussterben der Europäer führen werde. Massenimmigration und hohe Geburtenraten seien der Hauptgrund dafür. Mit dem Anschlag habe er sich lediglich an den „Invasoren“ rächen wollen.

So bezieht sich der Täter auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll. Zu seiner Radikalisierung habe unter anderem die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 beigetragen, schreibt er.

Damit schließt sich der Kreis. Für das, was der Attentäter „weißen Genozid“ nennt, hat die AfD das Wort „Umvolkung“ erfunden. Wer so spricht, der spielt bewusst mit dem Feuer. Der nimmt letztlich in Kauf, dass jemand ausrastet. Oder dass eine neue Terrorzelle aktiv wird. Der Boden dazu ist bereitet.

Mehr von Aachener Nachrichten