Warum Gemüse gut für das Klima ist

Kommentar zu drohender Dürre : Esst mehr Kartoffeln!

Das Klima verändert sich. Das ist ein Fakt, darüber muss man nicht mehr diskutieren. Nun kann es nur noch darum gehen, das Schlimmste zu verhindern.

Die Deutschen müssen angesichts aktueller Dürreprognosen nicht in Panik verfallen. Doch auch in diesem Land muss sich etwas grundlegend ändern – im Problembewusstsein und im Umgang mit Wasser.

Sprichwörtlich nach dem Gießkannenprinzip hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr Landwirte und Waldbesitzer entschädigt, nachdem diese aufgrund des Hitzesommers zum Teil herbe Einbußen zu verkraften hatten. So etwas darf sich nicht wiederholen. Denn es profitierten davon auch Unternehmen, deren Wirtschaftsweise mittlerweile ein Teil des Problems ist – unter anderem Fleischproduzenten, die längst nicht mehr nur den deutschen Markt mit viel zu billigen Schweineschnitzeln überschwemmen.

Immenser Wasserverbrauch

Die Zahlen sind nicht neu, man sollte sie sich vor dem Hintergrund drohender Dürren aber noch einmal genauer ansehen: Für die Herstellung von einem Kilogramm Schweinefleisch müssen im Schnitt fast 5500 Liter Wasser verwendet werden, Rindfleisch schlägt gar mit 15.500 Litern zu Buche. Auch die intensive Produktion von Weizen (1100 Liter pro Kilogramm) oder Sojabohnen (1800 Liter) ist alles andere als klima­freundlich. Zum Vergleich: Für ein Kilogramm Kartoffeln werden nur 133 Liter Wasser fällig. Zudem verbrauchen Fleisch- und Milcherzeuger 83 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen und produzieren
60 Prozent der landwirtschaftlichen CO2-Emissionen.

Welche Schlüsse zieht man daraus? Natürlich wäre es besser, wir alle würden weniger Fleisch essen. Mit dieser Entscheidung kann jeder ganz persönlich etwas für das Klima und nebenbei auch für die eigene Gesundheit tun. Entscheidend ist aber zunächst, dass der Staat die Produktion von Billigfleisch in ekelerregenden Tierfabriken nicht auch noch fördert. Diese verbrauchen nicht nur Unmengen an frischem Wasser und produzieren übermäßig viel CO2, sie vergiften obendrein auch mit Gülle langfristig das Grundwasser.

Unbequeme Wahrheiten

Die US-amerikanische Denkfabrik World Resources Institut (WRI) hat am Rande der Weltklimakonferenz im vergangenen Jahr zu diesem Thema eine bemerkenswerte Studie veröffentlicht. Demnach muss die Menschheit ihre Essgewohnheiten drastisch ändern. Schließlich werden in 30 Jahren voraussichtlich zehn Milliarden Menschen diesen Planeten bevölkern – und die werden dann doppelt so viele Nahrungsmittel benötigen wie heute. Gleichzeitig muss die Landwirtschaft aber zwei Drittel ihrer Kohlendioxidemissionen einsparen. Die unbequeme Wahrheit: Das geht global gesehen nur mit weitgehend vegetarischer Ernährung.

Unbequeme Wahrheiten sind allerdings nicht die Sache deutscher Landwirtschaftsministerinnen. So ist von Amtsinhaberin Julia Klöckner bislang nicht überliefert, dass sie sich je ernsthaft mit dem Thema und vor allem der Frage beschäftigt hätte, wie genau die Landwirtschaft ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten kann. Dieses Problem wird ihr bald vor die Füße fallen.

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