Vorschlag von Gebauer: Pensionierte Lehrer zurück im Klassenzimmer

Kommentar zum Lehrermangel : Nichts als Notlösungen

Für Schulleiter in Nordrhein-Westfalen ist der Lehrermangel derzeit das größte Problem an den Schulen. Für Eltern ist es das auch, denn sie beschweren sich vor allem über ausfallenden Unterricht.

Und der ist auf fehlende Lehrer zurückzuführen. Das Problem lässt sich aber nicht schnell beheben, weil schlichtweg Lehrer fehlen – nicht nur in NRW, sondern bundesweit. Nachdem eine Zeit lang einige Bundesländer den anderen ihre Lehrer abgeworben haben, ist der Markt nun leergefegt.

Kreative Ansätze

Die NRW-Landesregierung agiert nach dem Motto: Viel hilft viel und startet eine Kampagne nach der nächsten. Bislang sind diese aber nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Pensionäre sollen wieder an die Schule und ausgebildete Gymnasiallehrer ohne Stelle an die Grundschulen, wo Lehrer fehlen. Vor wenigen Wochen kündigte das Schulministerium außerdem an, auf geflüchtete Lehrer im Kampf gegen den Personalmangel zu setzen. Es ist lobenswert, dass NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kreative Lösungen sucht. Sie vermag mit ihren Ansätzen allerdings nur hier und da Lücken zu stopfen. 5800 offene Lehrerstellen werden auf diesem Weg sicher nicht besetzt.

Das kann man der Ministerin persönlich nicht ankreiden, weil Fehler vergangener Regierungen zu dem Problem geführt haben. Jahrelang gab es keine oder falsche Zahlen zum Lehrerbedarf, weil beispielsweise die rot-grüne Vorgängerregierung die steigende Geburtenrate und die Zuwanderung nicht in ihre Kalkulationen miteinbezog. Gebauer lässt nun regelmäßig valide Bedarfe errechnen. Außerdem sollen mehr Studienplätze für Lehrer entstehen. Gut so. Rot-Grün hatte schon die Ausbildungszeit verkürzt, um schneller mehr Lehrer zur Verfügung zu haben. Aber das alles hilft akut noch nicht.

Man kann kritisieren, dass nirgendwo anders in Deutschland so viele Seiteneinsteiger arbeiten wie in NRW. Und man kann all die Kampagnen des Landes für Aktionismus halten. Aber Unterricht von Seiteneinsteigern und Pensionären ist immer noch besser als gar kein Unterricht. Und das ist derzeit die einzige Alternative.

Die Kultusminister der meisten Bundesländer stehen hilflos da. Der Lehrermangel hätte sich leicht vermeiden lassen, wenn die Länder auf eine von Gewerkschaften lange geforderte Vertretungsreserve gesetzt hätten. Allein: Das kostet dauerhaft viel Geld. Die Schulminister behelfen sich daher meist eher mit Notlösungen und überlassen die angehäuften Probleme der Folge-Regierung. Darunter leiden am Ende die Kinder und Jugendlichen.

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