Kommentar zur Rente: Vorbild Österreich

Kommentar zur Rente : Vorbild Österreich

An alle, die über die Rente diskutieren: Schaut doch mal nach Österreich! Dort bekommen männliche Pensionisten monatlich nahezu 1000 Euro mehr als vergleichbare Ruheständler in Deutschland. Für Frauen beträgt das Plus rund 300 Euro. Drohende Altersarmut ist in der Alpenrepublik ein Fremdwort.

Diesen „Luxus“ können sich die Österreicher zum einen leisten, weil sie in der Vergangenheit Fehler vermieden haben. Anders als in Deutschland ist dort die Rente nie teilprivatisiert und renditeorientierten Versicherungskonzernen ausgeliefert worden. Wien setzt weiterhin bei der Altersversorgung allein auf ein solidarisches Umlageverfahren. Zum anderen zahlen in der Alpenrepublik die Arbeitgeber mit knapp 13 Prozent einen etwas höheren Beitragssatz als in Deutschland in die Rentenkassen ein. Die Wirtschaft hat dadurch keinen Schaden genommen.

Noch entscheidender aber ist: Österreich hat vor mehr als zehn Jahren damit begonnen, die Rentenversicherung in eine Erwerbstätigenversicherung umzubauen. Auch Beamte, Selbstständige und Politiker müssen in die Kasse einzahlen.

Warum soll sich dieses Modell nicht auf Deutschland übertragen lassen? Warum werden die sinnlosen Milliardenzuschüsse des Bundes zur weitgehend gescheiterten Riester-Rente nicht in die staatliche Rentenkasse umgeleitet? Komme jetzt bitte niemand mit dem Hinweis auf die demografische Entwicklung! In Österreich gehen die Arbeitnehmer nicht später in Rente als in Deutschland. Ihre Lebenserwartung liegt sogar über der ihrer deutschen Kollegen.

Nein, eine durchgreifende Neuausrichtung des deutschen Rentensystems scheitert allein am politischen Willen. Außer den Linken, Teilen der Grünen und einigen Sozialdemokraten will sich niemand für das österreichische Modell erwärmen. Stattdessen wird so getan, als müsse für die Finanzierung einer besseren Altersversorgung entweder der Beitrag der Arbeitnehmer massiv erhöht oder das Renteneintrittsalter deutlich angehoben werden. Alternativen fallen unter den Tisch.

Ein fatales Signal

Wie eindimensional die Rentendiskussion in Deutschland geführt wird, zeigen übrigens auch die Reaktionen auf Olaf Scholz. Selbst der gut gemeinte, aber viel zu kurz greifende Vorschlag des Finanzministers, ein weiteres Absinken des derzeitigen Rentenniveaus bis zum Jahr 2040 auszuschließen, geht der Union, der FDP und Versicherungslobbyisten wie dem häufig zitierten Rentenexperten Bernd Raffelhüschen zu weit. Vor allem für jüngere Arbeitnehmer ist das ein fatales Signal. Denn wenn heute über die Rente diskutiert wird, wird nicht über die Bezüge der derzeitigen, sondern der künftigen Ruheständler verhandelt.

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