Kommentar zu Boeing: Verfall des Führungsanspruchs

Kommentar zu Boeing : Verfall des Führungsanspruchs

Die Art und Weise, wie der „Luftfahrer-in-Chief“ die Boeing-Krise managt, steht symbolisch für den Verfall des Führungsanspruchs der USA.

Präsident Donald Trump meint, er brauche weder Experten noch deren Sachverstand, um die Sicherheit im Flugverkehr zu garantieren. Während sich bei Flugzeugunglücken in der Vergangenheit die ganze Welt an den Empfehlungen der amerikanischen Flugaufsichtsbehörde FAA orientierte, ist es heute genau andersherum: Alle großen Industrienationen verhängten nach dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine Flugverbote für die Boeing-737-Max-Modelle, weit bevor die USA handelten.

Trump hat nach seinem Amtsantritt bis heute noch keinen Chef der FAA benannt und sogar ernsthaft erwogen, seinen Privatpiloten an die Spitze der Behörde zu setzen. Am Mittwoch brüskierte er die Fachleute bei der FAA, indem er höchstpersönlich die Rolle rückwärts bei den Flugverboten für den Flugzeugtypen verkündete. Vertrauen flößt das nicht gerade ein. Im Gegenteil: Trump ris­kiert mit diesem Verhalten den ehemals makellosen Ruf der FAA. Die Behörde gerät zunehmend in den Verdacht, mehr den Geschäftsinteressen großer Spender wie Boeing zu dienen, als der öffentlichen Sicherheit. Immerhin hat Boeing für die Amtseinführungs-Show des Präsidenten eine Million US-Dollar überwiesen.

Obendrein riskiert Trump mit seinem wenig professionellen Gehabe, die amerikanische Luftfahrt-Industrie in eine existentielle Krise zu stürzen. Das wichtigste Verkaufsargument in deren Geschäft ist das Image der zuverlässigen Sicherheit. Die Luftfahrtgesellschaften werden sich nun gut überlegen, ob und wie sie aus den Kaufverträgen für die Max-Flugzeuge von Boeing herauskommen. Bei 4636 unerledigten Bestellungen reicht schon ein Teil an Stornierungen, um dem Konzern und in der Folge auch Trump ein massives Problem zu bereiten.

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