Kommentar zum „Grünen Knopf“: Siegel mit erheblichen Mängeln

Kommentar zum „Grünen Knopf“ : Siegel mit erheblichen Mängeln

Die Absicht ist löblich: Der „Grüne Knopf“ soll künftig Verbraucher dazu bewegen, nur noch Textilien zu kaufen, die unter halbwegs akzeptablen sozialen und ökologischen Standards hergestellt werden.

Die Umsetzung dieses Plans ist allerdings mangelhaft. Das neue Label hat erhebliche Schwächen, verspricht mehr, als es halten kann.

Die Liste der Kritikpunkte ist lang: Die Kennzeichnung ist nicht verpflichtend, sondern freiwillig. Zahlreiche große und international agierende Unternehmen zeigen kein Interesse an dem Siegel. Mit dem „Grünen Knopf“ werden zudem nur einige Arbeitsschritte in der Wertschöpfungskette zertifiziert. Unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen beispielsweise die später verwendete Baumwolle angebaut und geerntet wird, darüber schweigt das Label.

Nötig ist ein Existenzlohn

Auf den ersten Blick positiv erscheint natürlich die Vorgabe, künftig in den Herstellungsländern den Textilarbeitern wenigstens den Mindestlohn zu zahlen. Doch selbst wenn diese Vorgabe eingehalten wird, hilft das den Menschen in der Produktion nur bedingt. Existenzsichernd sind diese Löhne nämlich vielfach nicht. Dies gilt insbesondere für zwei EU-Staaten: Bulgarien und Rumänien sind die größten Textilkonfektionäre Europas. Die Kluft zwischen dem tatsächlichen Lohn der Arbeiter und dem Existenzlohn ist nach Einschätzung von Experten weltweit nirgendwo so groß, wie in diesen beiden Ländern. Trotzdem erhalten sie einen Blanko-Scheck. Beide Staaten müssen nicht nachweisen, dass bei ihnen die versprochenen Standards des „Grünen Knopfs“ eingehalten werden.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller hat angedeutet, dass er viele Kritikpunkte durchaus nachvollziehen kann. Wäre es allein nach ihm gegangen, hätte der „Grüne Knopf“ sicherlich schärfere Vorgaben gemacht. Gescheitert ist Müller jedoch an der eigenen Fraktion und dem Wirtschaftsministerium. Sie haben die Pläne des CSU-Mannes deutlich verwässert.

Das neue Label ist daher für die Verbraucher nur eine erste grobe, in manchen Fällen vielleicht sogar trügerische Orientierungshilfe. Transparenz stellt es nur sehr bedingt her. Konsumenten sollten sich deshalb öfter die Frage stellen: Kann ein neues T-Shirt, das für wenige Euro zum Kauf angeboten wird, tatsächlich fair hergestellt worden sein? Ist Geiz wirklich noch geil? Gerade für Menschen, die nicht auf jeden Cent achten müssen, sollte die Antwort schnell klar sein.

Zudem: Geschätzt ein Drittel aller in Deutschland gekauften Kleidungsstücke werden nie oder kaum getragen. Sie vergammeln in Schränken oder landen im Müll. Müssen wir also nicht endlich auch Abschied nehmen von unserer Wegwerfmentalität?