Annes Welt: Schubladendenken

Annes Welt : Schubladendenken

Meine Nachbarin klingelte neulich unerwartet. Ich öffnete. Sie: „Boah, bei Dir sieht’s ja aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.“ Meine Antwort: „Ja, das ist Peng Shui.“ Bei uns wird halt gelebt. Da gibt’s auch schon mal Chaos.

Ich könnte ihr ja mal zeigen, wie so ein Chaos bei ihr aussähe. Ich bräuchte dafür noch nicht mal rüberzugehen. Da reicht mein Laserpointer und ihre Katze.

Nein, ich will nicht lästern. Es ist schön, wenn jemand seine Dinge stets in Ordnung bringt und seine Frustfalte wegen dieser Sisyphus-arbeit beim Bügeln gleich mitglättet. Mein System ist aber nicht weniger gut: Bei mir ist jeden Tag Ostern. Ich suche immer irgendwas. Aber ich weiß auch immer, wo ich nicht suchen muss – das ist doch auch wieder irgendwie in Ordnung oder?

Das Dachgeschoss gehörte aber nie zu den Orten, wo ich nicht suchte. Denn dort befindet sich ein großzügig ausgestattetes Museum für Nippes und Tinnef. Und damit bin ich kein Einzelfall. Vermutlich werden deswegen auch keine Pyramiden mehr gebaut, weil den Leuten irgendwann der Platz im Dachgeschoss einfach zu gering war.

Ich frage mich manchmal: Besitze ich die Dinge oder besitzen sie mich? Mein Kleiderschrank ist pressvoll. Viele Teile davon hat mein Mann mir geschenkt. Vermutlich, damit kein anderer Mann mehr reinpasst. Mein Mann ist mehr so ein Hochstapler. Während der Woche türmen sich Socken und Sakkos auf dem Boden vor unserem Schrank. Und wer darf’s am Samstag wegräumen?

Als ich neulich einen seiner 8000er erklommen hatte, beschloss ich, zu „kondern“. Marie Kondo, Sie wissen schon, diese japanische Aufräum-Queen mit dem Schubladendenken und dem Unterhosen-Origami. Sie hilft bei Plunderexit indem sie sagt: trenne dich von allem, was dich belastet. Weniger ist mehr. Mit anderen Worten: Sie empfiehlt, nur die Familienmitglieder zu behalten, die einem Freude bereiten. Mein Mann hat jetzt 24 Stunden Zeit ...

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