Kommentar zur Helm-Kampagne: Scheuers Eigentor

Kommentar zur Helm-Kampagne : Scheuers Eigentor

Wenn es dem Verkehrsminister darum gegangen ist, zu provozieren, dann ist Andreas Scheuer zumindest das gelungen. Die Wäschekampagne für Fahrradhelme mit viel nackter Haut auf den Motiven bleibt trotzdem dämlich.

Weil sich der eigentliche Sinn nicht ergibt, was ein Fahrradhelm beispielsweise mit einer Frau im BH zu tun haben soll. Das ist dann in der Tat sexistisch. In Zeiten von „MeToo“-Debatten ein glattes Scheuer-Eigentor.

Gewiss – über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Und Kampagnen müssen mitunter anecken, um ihr Ziel zu erreichen. Aber so? Und dann auch noch mit einer Botschaft in Englisch, was der ganzen Geschichte ein Krönchen aufsetzt?

Was sagt eigentlich Heimatminister Horst Seehofer dazu? Die Christsozialen waren es doch immer, die viel Wert auf die Verwendung der deutschen Sprache gelegt haben. Als Scheuer noch CSU-Generalsekretär gewesen ist, setzte sich seine Partei sogar dafür ein, dass Migranten in ihren Familien Deutsch sprechen müssen. Das war damals schon skurril und absurd, seine Helmkampagne ist es nun umso mehr.

Der Minister hat zurzeit keinen guten Lauf. Erst machte er sich in der Dieselkrise ohne Prüfung mit Lungenärzten gemein, die aufgrund falscher Berechnungen die Grenzwerte in Frage stellten. Dann bezeichnete er die wichtige Debatte um das Tempolimit auf Autobahnen als „gegen jeden Menschenverstand“, was Unsinn gewesen ist. Und auf den meisten Baustellen – Bahn, Staus, Verkehrswende – geht es nicht wirklich voran. Jetzt also auch noch das Motiv-Debakel.

Auf die Art und Weise motiviert man jedenfalls niemanden, zum Helm zu greifen. Man sorgt eher für Unverständnis. Und das wiederum ist kontraproduktiv. Denn unbestritten ist nun mal: Der Fahrradhelm ist sinnvoll und schützt – eindeutig jedoch nicht vor kruden Kampagnen.

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