Raubzug mit Phantom-Aktien schädigt die Gesellschaft

„Cum-Fake“-Affäre : Gangster in Nadelstreifen

Der große Raubzug geht munter weiter. Nach dem „Cum-Ex“-Skandal zeigen nun auch die dunklen Geschäfte mit sogenannten Phantom-Aktien („Cum Fake“): Es gibt eine nicht eben kleine Gruppe von windigen Finanzjongleuren, die mit krimineller Energie und der Hilfe einzelner Banken systematisch die öffentlichen Kassen plündern. Milliarden Euro zocken sie jährlich ab. Auch heute noch. Wann wird dieser Finanz-Mafia endlich das Handwerk gelegt?

Der „Cum-Ex“-Skandal ist möglicherweise nur die Spitze eines Eisbergs. Doch schon sie ist gigantisch – nämlich 32 Milliarden Euro hoch. Wie viel durch die Geschäfte mit Phantom-Aktien zu diesem Betrag noch hinzukommen, ist derzeit unklar. Wahrscheinlich sind es weitere Milliarden. Fest steht allerdings: Es handelt sich dabei um Geld, das den Bürgern gehört, das unserer Gesellschaft nun fehlt, um Schulen zu sanieren, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und für ein schnelleres Internet zu sorgen.

Möglich wurde der Raubzug, weil die Bundesregierung versagt hat. Sie nahm das Problem offenbar über Jahre auf die leichte Schulter. Vor allem Wolfgang Schäuble, aber auch Peer Steinbrück müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, als Finanzminister nach frühen Hinweisen auf die „Cum-Ex“-Deals viel zu lange gewartet zu haben, bevor Steuerschlupflöcher gestopft wurden. Als das dann endlich geschah, konnte die Bankenlobby mit Hilfe eines Vertreters im Finanzministerium offenbar neue gesetzliche Hintertüren öffnen. Eine Entschuldigung für die Raubritter der Finanzmärkte ist das allerdings nicht. Oder ist es neuerdings erlaubt, ein geparktes Fahrzeug auszuräumen, nur weil der Eigentümer zu verpennt oder zu blöde war, es abzuschließen?

Der Politik scheint es schwerzufallen, die entfesselten Finanzmärkte endlich wieder an die Kandare zu nehmen – selbst wenn deren Machenschaften kriminell sind. Bis heute sind die Sanktionen gegen die Profiteure solcher Geschäfte lächerlich gering. Bis heute haften Bankvorstände nicht persönlich für unsaubere Deals ihrer Geldhäuser. Fatal ist der Eindruck, der dadurch entsteht. Nämlich der Glaube, dass jeder Falschparker akribischer verfolgt wird als Gangster in Nadelstreifen, die dem Steuerzahler tief in die Tasche gegriffen haben.

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