Kommentar zum Lehrermangel: Peinliche Rechenfehler

Kommentar zum Lehrermangel : Peinliche Rechenfehler

Immer mehr Grundschüler werden von Seiteneinsteigern unterrichtet; man fragt sich, ob auch bei der Erstellung der Lehrer-Prognosen bei der Kultusministerkonferenz nur Laien am Werk waren.

Dass nach einer aktuellen Berechnung im Jahr 2025 bundesweit 26.300 Lehrer fehlen werden – und damit 11.000 mehr als bislang angenommen –, wird massive Auswirkungen auf Zehntausende Kinder haben.

Dass die neuen Berechnungen solche Diskrepanzen aufweisen, was die Schülerzahlen und damit den Lehrerbedarf angeht, ist mehr als peinlich. Man sollte meinen, es dürfte nicht so kompliziert sein, auf die Bevölkerungsstatistik zurückzugreifen. Die Verantwortlichen bei der Kultusministerkonferenz und in etlichen Landes-Schulministerien arbeiten bislang teilweise mit veralteten Zahlen.

Nur Notlösungen

NRW trifft die neue Prognose weniger hart, das Land hat seinen Schockmoment schon hinter sich, als 2018 der tatsächliche Lehrerbedarf bekannt wurde. Die ehemalige rot-grüne Landesregierung hatte zuvor mit veralteten Prognosen gerechnet, die die steigende Geburtenrate und die Flüchtlingszahlen nicht widergespiegelten. Außerdem wurden die Zahlen nicht regelmäßig aktualisiert. In Bayern ist sinnvollerweise eine jährliche Prognose seit Jahren üblich, die aktuelle NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat dies auch für NRW beschlossen. Bundesländer, die es noch nicht so handhaben, müssen dringend nachziehen.

Mehr Studienplätze sind außerdem notwendig. Gebauer hat schon gehandelt und für NRW vor einem Jahr 339 zusätzliche Plätze einrichten lassen. Das ist gut, löst aber nicht die in der Vergangenheit entstandenen Probleme. Ausgebildete Grundschullehrer fehlen, und das wird auch erstmal so bleiben. Auf Seiteneinsteiger und Gymnasiallehrer zurückzugreifen, kann nur eine Notlösung sein – besser als gar kein Unterricht oder überfüllte Klassen. Das NRW-Programm für Gymnasiallehrer an Grundschulen wird allerdings noch kaum angenommen.

Ein weniger beachteter Aufruf von Montag sollte nachdenklich machen: Gesamtschulen und Sekundarschulen aus Problemvierteln in NRW schlagen Alarm. Sie finden kein qualifiziertes Personal. Die ausgebildeten Lehrer für Grundschulen oder für Mangelfächer wie Mathematik haben bei der Arbeitsplatzwahl künftig noch mehr Auswahl. Nur wer sehr idealistisch ist, entscheidet sich dann lieber für eine Schule in einem Problemviertel.

Unterrichten ist leichter, wenn die Schüler auch zu Hause gefördert werden, mit ihren Eltern die Aufgaben besprechen können und im Notfall sogar Nachhilfe erhalten. Schulen in Problemvierteln, aber auch im ländlichen Raum werden zunehmend Probleme haben, gute Lehrer zu bekommen.

Langfristig könnte der Bildungserfolg vom Wohnort abhängen. Das darf aber nicht sein. Ändern lässt sich diese Ungerechtigkeit aber nur über finanzielle Anreize. Grundschullehrer müssen wie Gymnasiallehrer bezahlt werden – zumal sie inzwischen gleich lang studieren. Angekündigt hat die Landesregierung das, passiert ist bislang nichts.

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