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Kommentar zur Ukraine-Hilfe: Öffnet die Gästezimmer!

Kommentar zur Ukraine-Hilfe : Öffnet die Gästezimmer!

Untätig und hilflos: So fühlen sich viele von uns angesichts der schrecklichen Bilder vom russischen Überfall auf die Ukraine. Doch es gibt eine Möglichkeit, ganz konkret zu helfen, meint unser Autor.

Diese Bilder. Die schwarzen, ausgebrannten Wohnhausblöcke von Mariupol. Zerstörte russische Panzer mit weißen „Z“-Markierungen. Drohnen-Videos von Militärkolonnen, in denen Fahrzeuge unter Granateinschlägen explodieren. Babys in Strampelanzügen, gehalten von Müttern mit müden Gesichtern, auf überfüllten polnischen Bahnsteigen. Der Tod eines ukrainischen Ehepaares, dessen Auto ohne Warnung von einem russischen Panzer beschossen wird.

Wenn wir dieser Tage Nachrichten lesen und in Sozialen Netzwerken die Berichte, Fotos und Filme verfolgen, werden wir erschlagen von Bildern, die es so noch nie gab. Ein Krieg, ungeheuerlich wie ein Weltkrieg aus dem Geschichtsbuch. Mit Szenen, so brutal wie aus schlechten Kinofilmen. Und das nur ein paar Autobahnstunden von uns entfernt, täglich live übertragen in wackeligen Handyvideos.

Sie verfolgen uns bis in die Träume, diese Bilder. Und unser Mitgefühl für die Opfer steigt und steigt. Dazu die Wut auf die Täter: die großen hinter den Schreibtischen und die kleinen hinter den Zielfernrohren. Und die eigene Hilflosigkeit quält.

Was kann ich tun?, fragen sich in diesen Tagen viele von uns. Und wissen, dass es mit 50 Euro für die „Aktion Deutschland Hilft“ nicht getan ist. Zu nah sind uns die Menschen, die da täglich in unsere Städte gespült werden, zu nah ist das Elend.

Die Geschichte einer Frau, die Übermenschliches tat

Gestern las ich zum ersten Mal den Namen Helene von Schell. Eine ganz normale Frau aus Berlin, eine Sekretärin. Doch sie vollbrachte Übermenschliches: Im Jahr 1942 versteckte die damals 39-Jährige in ihrer kleinen Einzimmerwohnung eine befreundete vierköpfige jüdische Familie, die deportiert werden sollte. „Ihr geht da nicht mit“, sagte sie nur. Zweieinhalb Jahre lang lebten die fünf Personen auf engstem Raum in dem großen Mehrfamilienhaus, Tür an Tür mit einem Nachbarn, der überzeugter Nazi war. Bis zur Befreiung im Mai 1945. Was für ein Mut, was für eine Menschlichkeit.

Diese Selbstlosigkeit kann uns inspirieren. Wer ein Gästezimmer hat oder ein Ferienappartement, der sollte es anbieten: auf Internetplattformen wie www.shelter4ua.com, www.unterkunft-ukraine.dewww.warmes-bett.de oder www.host4ukraine.com. Alles, was besser ist als ein Feldbett in einer Turnhalle, zählt.

Keine Angst vor dem Helfen! Sprachprobleme lösen Übersetzer-Apps wie Google Translate, finanzielle Unterstützung bekommen ukrainische Flüchtlinge vom Sozialamt, Vernetzung gibt es über Facebook-Gruppen wie „Aachen – Help and Support to war refugees from Ukraine“ und viele andere. Helene von Schell war alleine, als sie half. Wir sind viele.

Wie eine Mutter und ihr Sohn den Bomben entkamen