Kommentar zu Frauen in Führungspositionen: Nur eine kleine gute Nachricht

Kommentar zu Frauen in Führungspositionen : Nur eine kleine gute Nachricht

Zum Einstieg eine gute Nachricht: In der Topetage börsennotierter Unternehmen in Deutschland sitzen aktuell so viele Frauen wie nie. Zwei Zahlen verderben die gute Laune aber ein bisschen: 61 Frauen, 640 Männer. So lautet nämlich der Anteil beider Geschlechter in Deutschlands oberen Etagen der Dax-Unternehmen. So eine richtig gute Nachricht ist die gute Nachricht also eigentlich gar nicht.

Denn dass die Verteilung so aussieht, liegt nicht daran, dass die Frauen nicht wollen. Sicher gibt es Frauen, die nicht nach einem Topmanager-Beruf streben. Nebenbei: Vielen Männern geht es da ähnlich. Einige Frauen tun es aber genauso sicher eben doch.

Manche von denen bewerben sich trotzdem nicht, vielleicht, weil sie wegen der Formulierungen in den Stellanzeigen zaudern oder sich schlicht unter Wert verkaufen. Manche werden sich aber auf die entsprechenden Stellen bewerben. Ob sie die bekommen, entscheiden in der Regel andere gewichtige und, ganz richtig, meist männliche Manager. Und offenbar entscheiden sie öfter zugunsten der Männer. Das liegt mitnichten an den Fähigkeiten der Frauen – es gibt ebenso viele kompetente und gut gebildete Bewerberinnen wie Bewerber.

Studien zeigen: Gemischte Führungsteams sind effizienter und kreativer. Zu viel Gleichheit begrenzt den Horizont. Und zum Thema Horizont erweitern: Männer, die Männer fördern, gibt es genug. Mehr Männer, die Frauen fördern, das wäre doch mal was. Und zudem dringend nötig, denn die Frauen, die wiederum Frauen fördern könnten, sind nun mal in der Unterzahl.

Ebenso steht fest: Eine Frau allein bewegt nichts. Sie braucht Kolleginnen, um neue Themen und andere Lösungsansätze durchsetzen zu können. Und die bringen wiederum ein anderes Betriebsklima und einen neuen Blickwinkel.

Wenn man über Frauen in Führungspositionen redet, dann muss man auch über die Frauenquote in den großen Unternehmen reden. Ohne ein bisschen Druck geht es nicht. Natürlich will keine Frau einen Job bekommen, bloß, weil sie kein Mann ist. Jedoch: Die Quote öffnet lediglich eine Tür – anstrengen muss man sich schon selbst. Die, die nur in der Position gelandet sind, weil sie zufällig eine Frau sind, sind ohnehin schnell wieder weg.

Anders als bei den Aufsichtsräten gibt es für Topmanagerinnen in Dax-Unternehmen derzeit keine Frauenquote. Bei den Aufsichtsräten hat sie übrigens etwas gebracht: Die angepeilten 30 Prozent sind bundesweit durchschnittlich inzwischen erfüllt.

Viel dringendere Probleme

Mehr Frauen in verantwortungsvollen Vollzeit-Jobs ziehen derweil ganz andere Probleme nach sich als die Angst von männlichen Topmanagern um ihre gewohnte Vormachtstellung. Zum Beispiel das Thema qualifizierte Kinderbetreuung. Schon jetzt funktioniert die bei vielen nicht besonders gut – und dürfte für manche Frauen ein durchaus relevanter Punkt sein, wenn sie sich gegen eine Karriere entscheiden. Was hilft, ist ein familienfreundlicheres Umfeld mit anderen Arbeitsmodellen. Besonders in den Topetagen. Dazu braucht es unbedingt die frische Perspektive von mehr jungen und motivierten Topmanagerinnen.