Angemerkt: Losrunden hier, Schulsterben da

Angemerkt : Losrunden hier, Schulsterben da

Natürlich ist es das Recht von Eltern, gegen eine Schulplatzvergabe zu klagen. So wie es die Aufgabe von Verwaltungsrichtern ist, Schulen zu rügen, die bei der Platzvergabe vorgegebene Kriterien nicht einhalten.

Man darf allerdings schon darauf hinweisen, dass das eigentliche Problem ein grundsätzlicheres ist. In jedem Jahr müssen viele Gesamtschulen und sehr beliebte Gymnasien Entscheidungen treffen, die eigentlich nicht gerecht ausfallen können. Da wird mit verschiedenen Kriterien wie Leistung und Geschlecht operiert, um den Jahrgang ausgewogen zu gestalten, und am Ende entscheidet häufig das Los. Frustrierend für die betroffenen Schüler und Eltern, unbefriedigend aber auch für die Schulleiter.

Ursache dafür ist zum einen die freie Schulwahl, die dazu führt, dass Kommunen und Schulen kaum seriös planen können wie viele Schulplätze sie vorhalten müssen. Hier wäre ernsthaft zu überlegen, ob der Faktor Wohnort bei der Auswahl nicht vielleicht doch eine Rolle spielen sollte. Auch, weil es sozial und ökologisch Sinn ergibt, dass Kinder dort zur Schule gehen, wo sie wohnen.

Zum anderen führt das Nebeneinander von dreigliedrigem Schulsystem und Gesamtschulen zu einer Unwucht, weil Eltern von nicht ganz so leistungsstarken Schülern Richtung Gesamtschule streben, um so für den Nachwuchs die Chance auf das Abitur möglichst lange offenzuhalten. Das Ergebnis sind Losrunden in Gesamtschulen und aussterbende Hauptschulen. Ein Problem, das kein Gericht, sondern nur die Politik lösen kann.

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