1. Meinung
  2. Leserbriefe lesen

Leserbriefe zur Asylpolitik: Hierhin, dorthin und ein legendärer Satz

Leserbriefe zur Asylpolitik : Hierhin, dorthin und ein legendärer Satz

Das Feuer im griechischen Flüchtlingslager Moria hat in Deutschland und Europa erneut eine Diskusion über die Migrationspolitik und die Aufnahme von Flüchtlingen ausgelöst. Das sagen unsere Leser dazu.

Michael Jocham aus Aachen meldet sich zum Bericht „Tausende Flüchtlinge obdachlos“ über den Brand im Lager Moria auf Lesbos zu Wort:

Das Verhalten der EU-Länder in der Flüchtlingskrise zu dem Brand in Griechenland ist einfach erbärmlich. Es beschämt mich. Wenn wir als Deutsche nach dem verlorenen Krieg trotz der Verbrechen, die hier geschehen sind, nicht die Solidarität und das Mitgefühl der westlichen Mächte erfahren hätten, würden wir mit Sicherheit heute nicht den Wohlstand und die Sicherheit in unserem Land, zumindest in großen Teilen unserer Gesellschaft, erfahren. Dessen sollten wir uns als Deutsche hin und wieder bewusst sein.

Doris Heibach aus Stolberg betont angesichts des Brandes im Migrantenlager Moria:

Nachdem in Deutschland seit 2015 rund 1800 minderjährige Migranten spurlos verschwunden sind, braucht hier niemand über die Aufnahme weiterer Migranten nachzudenken. Auch diese unbegleiteten Kinder sind einst in die staatliche Obhut unserer Republik übergeben worden und haben damit ihren Zweck auch schon erfüllt. Niemanden interessiert ihr Schicksal über das medienwirksame Gutmensch-Gehabe hinaus. Einmal im Land, fühlt sich niemand mehr für diese Kinder verantwortlich.

Ist es nicht in höchstem Maße rassistisch, dass der einzige Grund, warum nach diesen Kindern nicht fieberhaft gesucht wird, der ist, dass es Migranten sind? Könnten auch 1800 deutsche Kinder aus staatlicher Obhut, etwa aus Kinderheimen, verschwinden, ohne dass ganze Hundertschaften der Polizei nach ihnen suchten? Wohl kaum. Statistiken über verschwundene migrantische Erwachsene hingegen gibt es nicht.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt? Nein, denn würden auch diese Zahlen veröffentlicht, würden sich wohl zu viele Bürger fragen, wovon diese Menschen hier ihre Existenz bestreiten. Dann könnten zu viele Bürger den logischen Zusammenhang von Illegalität und Kriminalität erkennen.

Solange Deutschland nicht in der Lage ist, den Aufenthaltsort jedes einzelnen bereits im Land befindlichen Migranten bis zur Entscheidung über den Asylantrag nachzuvollziehen, ist es schlicht unfähig, solche Probleme zu stemmen und sollte keinen einzigen mehr ins Land holen. Wenn die EU jetzt beginnt, diese Migranten unter sich aufzuteilen, macht sie sich unwiderruflich erpressbar, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch auf Lampedusa brennt. Die EU sollte Griechenland jetzt schnellstmöglich beim Bau eines neuen Lagers unterstützen, alles andere wäre fatal.

Horst Lübke aus Herzogenrath fragt zu den Flüchtlingslagern:

Was sind die Ursachen für Flucht? Krieg, Terrorregime und wirtschaftliche Not. Krieg zu verhindern oder zu beenden, ist äußerst schwierig beziehungsweise fast unmöglich, siehe Syrien. Ähnliches gilt für Terrorregime. Wirtschaftliche Not könnte man lindern und vielleicht beenden und so zumindest eine Ursache für Flucht beseitigen, aber die Entwicklungshilfe ist zu gering beziehungsweise wird fehlgeleitet. Griechenland und Spanien sind bei der Flüchtlingsproblematik die „Außenposten“ der EU und tragen die große Last der Erstaufnahme, wie es zum Beispiel in Moria oder auf den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu sehen ist. Die Türkei löst einen großen Teil der Flüchtlingsproblematik aus Syrien gegen hohe Geldzahlungen. Da Kriegsgebiete kaum zu verhindern oder zu befrieden sein werden und die wirtschaftlichen Ursachen der Flucht etwa durch zu geringe oder fehlgeleitete Entwicklungshilfe nicht beseitigt werden, ist weiterhin mit dem Zustrom von Flüchtlingen zu rechnen. Zum Schluss noch eine Bemerkung: Die in den „Außenposten“ gestrandeten Flüchtlinge wollen und kommen nicht nach Europa, wie man immer liest oder hört. Sie kommen und wollen in bestimmte westliche Staaten, so vermehrt auch nach Deutschland. Damit müssen wir auch weiterhin rechnen. Je mehr Flüchtlinge eine Zuflucht in einigen Staaten Europas finden, umso mehr werden nachfolgen. Wie könnte eine Lösung für die Flüchtlinge und die aufnehmenden Staaten aussehen? Ich weiß es jedenfalls nicht und, so wie es aussieht, auch die Politiker nicht.

Dr. Rüdiger Haude aus Aachen hat sich Gedanken über die Ereignisse rund um das Flüchtlingslager Moria und die Haltung des Bundesinnenministers Horst Seehofer gemacht:

Bundesinnenminister Horst Seehofer ist der Meinung, dass man Menschen in Not, wie den Verzweifelten aus dem Flüchtlingslager Moria, nicht helfen soll, auch wenn man es leicht kann. Er ist Ehrenvorsitzender einer Partei mit dem Namen „Christlich-Soziale Union“. Christlich! Sozial! Hier fällt einem der kluge Satz ein, den der Philosoph Max Horkheimer schon vor über einem halben Jahrhundert prägte: „Wer das Evangelium liest und nicht sieht, dass Jesus gegen seine heutigen Vertreter gestorben ist, kann nicht lesen. Diese Theologie“, beziehungsweise diese sich christlich nennende politische Praxis, „ist der grimmigste Hohn, der je einem Gedanken widerfuhr.“

Jo Huepgens aus Aachen geht auf den „Seite Drei“-Text „Heute spricht niemand mehr von einer Krise“ über Angela Merkels „Wir schaffen das“ vor fünf Jahren ein:

„Heute spricht keiner mehr von einer Krise“ lautet die Artikelüberschrift zum Thema Migration. Diese Aussage hat angesichts der Realität viel mit Realitätsverweigerung zu tun. Schaut man sich den Arbeitsmarkt an, so kann man laut Arbeitsagentur feststellen, dass drei Viertel der syrischen Flüchtlinge teilweise oder ganz von Hartz IV leben. Die, die eine Arbeit finden konnten, haben in der Regel prekäre Jobs und werden im Alter in der steuerfinanzierten Grundsicherung landen. Bei den Afghanen sieht es ähnlich aus. 43 Prozent von ihnen im erwerbsfähigen Alter erhalten Hartz IV. Sieht man sich im Land um, so stellt man fest, dass manche Stadtquartiere durch kulturfremde Migranten zu Problemvierteln verkommen sind, was zu sozialer Ausgrenzung führt. Unsere Schulen und Lehrer sind heillos überfordert und können nicht mehr vernünftig unterrichten, weil zum Teil ganze Klassen kein Deutsch sprechen. Angesichts der vielen ungelösten Probleme nimmt es nicht wunder, dass in einer aktuellen Untersuchung in den EU-Staaten von einem Fünftel der Bevölkerung Migration als Bedrohung empfunden wird.

Christoph Schönberger aus Aachen meint zum legendären Satz „Wir schaffen das!“:

Eine völlig überhöhte Kommentierung dieses Jahrhundertsatzes von Merkel. Im links-grünen Milieu wird dieser Satz zwar immer noch veredelt als Ausdruck wahrer humanitärer Größe. Gewiss, die Zustände auf dem Budapester Bahnhof waren zu Beginn des Dramas unhaltbar geworden. Und Not kennt doch kein Gebot, war damals die Maxime. Da mussten eben europäische Regeln (Dublin) und auch das deutsche Grenzregime vorübergehend pausieren. Was dann aber folgte, war ein unkontrollierter Zustrom Hunderttausender, die Merkels Satz als Einladung verstehen konnten/mussten.

Das waren zugleich der Spaltpilz in der EU und das Fundament für den Aufstieg der AfD. Bezeichnend: Kein einziges Land in der EU folgte Merkels Kurs, sie trägt die alleinige Verantwortung für die Flüchtlingsmisere. Das ist und wird ihr Erbe bleiben. Anfangs eine großzügige humanitäre Geste, für viele aber später ein destruktiver Impuls, der Deutschland und die EU tief polarisiert hat.

Günter Carduck aus Stolberg schaltet sich in den öffentlichen Diskurs zum Brand im Flüchtlingslager ein:

Wenn ich mir den Diskurs zum Brand des Flüchtlingslagers in Moria auf Lesbos anschaue, möchte ich spontan fragen: Hallo? Geht’s noch? Deutschland hat bereits rund 1,8 Millionen Migranten aufgenommen, von denen rund 300.000 nicht anerkannt sind, aber nicht abgeschoben werden. Täglich kommen etwa 400 Menschen aus vielen Teilen dieser Erde hinzu, die zum größten Teil vom deutschen Steuerzahler ernährt und versorgt werden müssen.

Doch das alles ist noch nicht genug. Nun sollen auch möglichst alle Menschen (etwa nach Vorstellung der grünen und linken Moralapostel) von Moria nach Deutschland übernommen werden. Warum nicht auch noch die Kinder in den brasilianischen Favelas oder die Minderjährigen aus Eritrea, dem Sudan, aus Nigeria, dem Jemen etc.? Mir ist schon klar, dass nun wieder viele auf den Plan treten und mich als Nazi, Rassisten oder sonst wie beschimpfen werden. Es ist ja in Deutschland mittlerweile normal, so diffamiert zu werden, wenn man Haltungen wie meine einnimmt.

Allerdings finde ich die Haltung unserer Politiker und unserer Mainstream-Medien, die sich in ihrer gepredigten Hypermoral gegenseitig täglich zu übertreffen versuchen, nur noch abstoßend und weltfremd. Solange bei uns Rentner Flaschen sammeln müssen, Menschen auf die Tafeln angewiesen sind, Menschen bei Straßensanierungen durch Anliegerbeiträge in finanzielle Not geraten und unsere Schulen und unsere Infrastruktur verfällt, wünsche ich mir Politiker und Medien, die auch einmal wieder das Wohl ihrer Landsleute in den Blick nehmen.