1. Meinung
  2. Leserbriefe lesen

Leserbriefe zum Thema Coronavirus: Der eine, die anderen und der Rest der Republik

Leserbriefe zum Thema Coronavirus : Der eine, die anderen und der Rest der Republik

Die Demonstration gegen Corona-Maßnahmen in Berlin, Karneval unter Corona-Bedingungen oder ein Theaterbesuch mit Sicherheitsabständen: Viele Einsendungen zum Thema haben uns in den vergangenen Tagen erreicht.

Christian Holzapfel aus Jülich geht auf den „Seite Drei“-Text „Verdunklung des moralischen Horizonts“ über den Bonner Philosophen Markus Gabriel ein:

Der Philosoph Markus Gabriel betont die Dringlichkeit, etwas an unserem Leben zu verändern. Die Corona-Krise habe uns gezeigt, dass es so nicht weitergehen kann. Als Folge aus der augenblicklich herrschenden Pandemie sollen wir lernen, das moralisch Richtige zu tun.

Ich sehe die Ursachen etwas tiefer liegend. Die jetzige Corona-Krise ist durchaus zu vergleichen mit den Flüchtlingskrisen, mit dem Klimawandel und mit vielen weiteren Krisen, aus denen wir uns auf moralische Werte besinnen sollten.

Der Unterschied zum Beispiel zwischen Corona-Krise und Flüchtlingselend liegt darin, dass das Elend der Flüchtlinge uns nicht unmittelbar trifft. Wir sind betroffen, wenn wir darüber lesen, aber lesen dann weiter über andere Ereignisse. Die Corona-Krise trifft uns jedoch unmittelbar. Ähnlich fern liegen für uns die Folgen des Klimawandels. Die schweren Tornados, Überschwemmungen und Dürren treten vor allem in ferneren Ländern auf.

Das ist meines Erachtens die eigentliche Krise der Menschheit, dass wir uns erst zur Besinnung aufrufen, wenn es uns selbst trifft.

Der Vorschlag von Markus Gabriel, einen globalen Zusammenschluss aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu bilden, scheint mir sehr vernünftig. Auf der anderen Seite haben wir ja schon entsprechende Institutionen, UNO, G20, G7 (der Ausschluss Russlands aus der G8 war meines Erachtens ein großer Fehler), IPCC und auch Kirchen, die ja für sich in Anspruch nehmen, als Moralinstanz zu wirken. Diese müssten dahingehend aktiviert werden.

Matthias Cremer aus Aachen meldet sich auch zu den Ausführungen des Philosophen Markus Gabriel zu Wort:

Der Analyse von Prof. Markus Gabriel kann ich voll zustimmen, nämlich, dass es sich bei der Bewältigung der Pandemie nicht nur um medizinische und wirtschaftliche Probleme handelt, sondern besonders auch um geistig-geistliche und moralische Postulate.

Außerdem führt er in seinen Schriften aus, dass Klima, ungebändigte Digitalisierung, künstliche Intelligenz, entfesselter Burn-out, nutzlose Hochrüstung und Zerfall der liberalen Demokratie nur durch Besinnung auf moralische Werte zu retten sind. Ich bin dankbar, eine solche Antwort auf die Probleme unserer Zeit aus solch kompetentem Munde zu lesen.

Anita Schlößer aus Aachen hat sich Gedanken zu den Demonstrationen in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen gemacht:

Man fragt sich, ob diese Leute eigentlich wissen, was sie tun. Die Regierung gibt nicht ohne Grund solch strenge Regeln auf. Das Virus ist da und breitet sich aus.

Solche Demos soll das Bundesverfassungsgericht einfach verbieten. Es werden auch diejenigen bestraft, die sich an die Regeln halten und dadurch in allen Bereichen eingeschränkt werden. Da­rum an alle Maskenverweige­rer: Haltet euch an die Regeln, dann werden wir die Pandemie überwinden.

Dr. Claudia Mellies aus Aachen thematisiert ebenfalls die Demos in der Hauptstadt:

„Was erwartest Du?“, wurde ich neulich von einer Freundin gefragt, „wenn du nach Berlin auf die Demo gehst?“ Ganz einfach. Ich wollte meine Meinung kundtun, mich solidarisieren mit Menschen, die die Corona-Maßnahmen für unverhältnismäßig halten, weil die Zahlen und wissenschaftlichen Belege spätestens jetzt – aus meiner Sicht – dagegen sprechen und die langfristigen finanziellen und sozialen Folgen, die wir neben dem Klimawandel unseren Kindern aufbürden, nicht zu vertreten sind.

Ich wollte Menschen treffen, die meine Ansichten teilen – und nicht rechts sind! Denn wo äußern eigentlich die Menschen ihre Meinung, die aufgrund ihrer Biografie wie meiner nachweislich nicht rechtsorientiert sind, stattdessen sich viel für sozial Schwächere, genauer Arme, psychisch Kranke sowie Menschen mit Migrationsgeschichte eingesetzt haben und einfach immer sozial gedacht haben und gegen Krieg und Hochrüstung und unfairen Handel sind?

Wo treffen sich die Menschen, die von ihren Freunden der Linken, Grünen, SPD, Friedenskooperative, Seebrücke … ausgegrenzt werden, weil diese die Regeln ja vorbildlich achten? Im Internet? Was ist das für eine Pluralität? Was ich erwarte?

Das jedenfalls habe ich mir nie träumen lassen. Und es macht mich verzweifelt, ich fühle mich ausgegrenzt, abgeschoben. So wie leider viele, die diffamiert werden. Und die tun sich zusammen. Und darum hat es sehr gutgetan auf der Demo in Berlin!

Aber ich würde mir wünschen, wieder mit meinen Freunden ins Gespräch zu kommen und dass auch sie ihre Meinung öffentlich äußern können, ohne Angst vor Diffamierung und Schubladenzuweisung zu haben. Und ich ERWARTE, dass ich oder wir darin res­pektiert werden!

Barbara Müller aus Aachen befasst sich ebenfalls mit der Corona-Demo:

Ehrlich, ich habe mich so was von geärgert: In Fernsehen und Internet wird davon geredet, dass es „ein unerträglicher Angriff aufs Herz unserer Demokratie“ (Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier) ist, was sich eine kleine Gruppe in der kleinen Demonstration (Anti-Corona-Demo) erdreistet hat, sich nämlich vor den Deutschen Bundestag mit Reichskriegsflagge zu zeigen.

Warum muss dann in der Zeitung auf der ersten Seite das „Unerträgliche“ auch noch groß abgebildet werden? Muss man dieser antidemokratischen Gruppe auch noch die Ehre erweisen, auf die ersten Seiten der Zeitungen zu kommen? Warum schenkt man diesen Leuten mit einer Abbildung so viel Aufmerksamkeit?

Ich hätte es sehr viel demokratischer und unserem System angemessener empfunden, wenn zum Beispiel die Darstellung der dritten Seite, nämlich die Hilfe von sehr vielen deutschen Bürgern für die Geflüchteten seit 2015, ausgelöst durch Bundeskanzlerin Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“, als Titelbild gezeigt worden wäre.

Ein solidarisches Handeln im Vordergrund halte ich für eine unabhängige Zeitung für angemessen, anstatt der bildlichen Darstellung einer Demonstration von Leuten, die nicht nur das Allgemeinwohl durch ihr Verhalten (keine Maske, zu geringer Abstand) gefährden, sondern deren Gruppierungen auch noch dazu aufrufen, die Demokratie zu demontieren.

Sebastian Steinkamp aus Stolberg hat sich Gedanken zur aktuellen Situation in Deutschland gemacht:

Es ist schon paradox, was da gerade in Deutschland vor sich geht: Was die Corona-Regeln betrifft, scheint es auf einmal nur noch rechtschaffene Bürger zu geben. Die Ordnungsbehörden zeigen bei Kontrollen einen bislang ungekannten Eifer, und manche Zeitgenossen fühlen sich gar zum selbsternannten Aufpasser berufen (früher nannte man es „Blockwart“). Der bislang beim Verhängen von Bußgeldern fast schon zwangsläufig folgende Vorwurf der „Abzocke“ ist nicht zu hören. Im Gegenteil: Vielen gehen die Maßnahmen sogar noch nicht weit genug, und wer es wagt, nur die geringste Kritik zu äußern, sieht sich unmittelbar in gewisse Ecken gestellt. Dem Argument, die neuen Regeln dienten schließlich dem Gesundheitsschutz, kann ich nicht viel abgewinnen, denn dafür sind etliche andere Gesetze auch da, deren Einhaltung aber bei weitem nicht so eng gesehen wird – seien es zum Beispiel die Straßenverkehrsordnung oder der Nichtraucherschutz. Oder liegt die neue Rechtschaffenheit vielleicht da­ran, dass dieses Land seit Monaten von der Politik und den Medien in einem kontinuierlichen Alarmzustand gehalten wird? Dass es auch anders geht, zeigt eine dieser Tage gehaltene Ansprache des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz, die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität macht. In der deutschen Presse wurde darüber jedoch kaum berichtet, ganz im Gegenteil zu den deutlich pessimistischeren Aussichten von Frau Merkel. Man muss kein Psychologe sein, um zu erkennen, was von beidem der Stimmung im Land auf Dauer zuträglicher ist!

Johanna Zimmermann aus Aachen schreibt zum Bericht „AKV plant Sitzungen mit Saalpublikum“:

„Das Virus kennt keinen Spaß!“ Es ist tierisch ernst. Es stünde dem AKV sehr gut an, diese Äußerung des ehrenwerten Ordensritters Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu beherzigen und sich durch Zurückhaltung hervorzutun.

Nein, rücksichtslos inszeniert sich der AKV mal wieder in selbstherrlicher Manier. Wo Solidarität und Weitblick geboten wären, wird auf dem Markt der Eitelkeiten die Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ vehement vorbereitet – koste es, was es wolle.

Olympia – nein, WM – nein, Oktoberfest – nein, Karlspreisverleihung – nein, Ordensverleihung „Wider den tierischen Ernst“ – unwichtig, unnötig.

Wenn sogar Ministerpräsident Armin Laschet als vorjähriger Ordensritter vor Feiern im größeren familiären Rahmen warnt, wirkt das Handeln des AKV geradezu grotesk, ignorant und narzisstisch.

Angelika Frentz aus Stolberg äußert sich zum „Seite Drei“-Artikel „Frühwarnsystem für Viren aus dem Tierreich gefordert“:

Ein Frühwarnsystem für Viren aus dem Tierreich wäre zwar eine tolle Sache, aber wie bitte will man die Chinesen da mit ins Boot holen? Verschweigen und Vertuschen gehören zu den herausragenden Eigenschaften dieses Landes, und ich bezweifele stark, dass die chinesische Regierung zur Mitarbeit bereit wäre.

Natürlich gehören die Lebendtiermärkte zum kulturellen Leben der Chinesen. Ich mache mir nur ernsthafte Sorgen um unser kulturelles Leben und unsere Traditionen. Ich glaube, so mancher Europäer vermisst schon lange das sorglose Spielen mit seinen Enkeln, das unbefangene Treffen mit seinen Kindern und Freunden, seine christlichen Feste und kirchlichen Traditionen – diese Liste ließe sich ins Unermessliche fortführen. Das Ende dieses Zustandes ist ungewiss, zumal der Virologe Stephan Ludwig in dem Artikel auch darüber hinaus von einer Art Testfall eines nicht so superaggressiven Virus spricht, bei dem man Maßnahmen ausprobieren und durchtesten kann, weil es auch andere Infektionen gibt, bei denen jeder Zweite stirbt. Da wird doch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Ich frage mich allen Ernstes, wa­rum doktern wir an den Symptomen herum, wo wir doch die Herkunft der Erreger kennen? Das Einführen einer generellen Quarantänepflicht für Asienreisende und Handelsreisende würde die Allgemeinheit schützen und ihr manch leidvolle Erfahrung ersparen. Oder ist der wirtschaftliche Nutzen wirklich größer als der angerichtete Schaden? Ich werde im nächsten Jahr mit Sicherheit der Partei meine Stimme geben, die mir glaubhaft versichert, dass sie einschneidende Maßnahmen im Umgang mit Asien einleitet. Die darüber hinaus unsere Gesundheit höher bewertet als die wirtschaftlichen Aspekte. Die dafür sorgt, dass das Leben in Europa wieder lebenswert wird.

Hermann-Josef Stumm aus Eschweiler geht auf den Bericht „Eine ungemütliche Runde droht – auch wegen Corona“ zu den Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Dienst:

Leider ist Händeklatschen an offenen Fenstern und Balkonen wohl doch keine ehrliche Währung. Kaum verklangen die vollmundigen Lobeshymnen, schon ist alles wie immer.

Die, denen der Beifall galt, stehen weiterhin ohne eine angemessene Entlohnung. Wenn Männer und auch Frauen in unserer Gesellschaft aus dem politischen Füllhorn etwas haben wollen, dann sollten sie zu den professionellen Geldabschöpfern aus der Hochfinanz oder Industrie gehören.

Ich kann den noch kürzlich Beklatschten, die vonseiten der Politik bisher immer vergessen, nein, ignoriert wurden, raten: Seid kriminell, betrügt und stehlt, dann fühlt die hohe Politik sich verpflichtet, eure Forderungen zu erfüllen.

Wo Dummheit und Ignoranz sich paaren, da fließt das Geld der Steuerzahler in die Hände von Typen, die ihren gelebten Egoismus zum Stil erhoben haben. Den dazugehörigen Politikern sei ins Poesiealbum geschrieben: In allen vier Ecken wird eure Weltfremdheit stecken. Mein Aufruf an alle Fenster- und Balkonklatscher: Wenn es euch um mehr geht als die bloße Schau, wählt weniger politische Maulhelden. Ich persönlich halte nichts von billigen Gesten, es sei denn, „wenn et Klatsche sich lohne däät, watt meinste wohl, watt ich klatsche däät.“ BAP möge mir die Anleihe verzeihen, aber es passte gerade so schön.

Günter Stanke aus Aachen konstatiert angesichts des Corona-Schutzkonzeptes im Grenzlandtheater:

So sehr ich mich über den anlaufenden Spielbetrieb des Grenzlandtheaters freue, umso schockierter bin ich über das Schutzkonzept, welches eigentlich keines ist. Wer wird geschützt? Die Theaterbesucher jedenfalls nicht, sondern nur die Mitbürger außerhalb des Theaterbetriebs.

Dadurch, dass man die Sitzplatzzuordnung kennt und dauernd Schutzmaske trägt, wird auf jeglichen Mindestabstand im Theaterraum verzichtet. Jeder, der schon einmal dort war, weiß, wie beengt die Verhältnisse sind. Was ohne Corona heimelig ist, ist jetzt ein No-Go. Es gibt drei Knackpunkte.

1. Die Garderobe: Sicherheitsabstand ohne dauernde Ermahnung nicht denkbar.

2. Der Weg zum Sitzplatz: Die in der Mitte sitzen, müssen die ganze Reihe entlangrutschen, und das mit weniger als einer Nasenlänge an den bereits Sitzenden vorbei. Der Mittlere kommt grundsätzlich als Letzter!

3. Während der Vorstellung: ausgesetzter Sicherheitsabstand dank Verordnung. In meiner Vorstellung sind hauptsächlich Ü60-Besucher anwesend. Ich denke, hier hat man eine besondere Verantwortung. Ich fühle mich jedenfalls sehr unwohl bei dem Gedanken und weiß jetzt nicht, ob ich diese Spielstätte während Corona besuchen werde.

Hans Werner Meisen aus Kreuzau äußert sich zu den Reiserückkehrern aus Risikogebieten:

Ich kann das Gejammere der Urlaubsrückkehrer nicht mehr hören. Wer meint, er müsse ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit unbedingt in Risikoländer reisen, muss mit Konsequenzen wie Tests bei Rückkehr und einer Quarantäne rechnen. Außerdem sollten diese Menschen die Tests selbst zahlen müssen. Der Großteil der Bevölkerung hält sich an die Auflagen, um der Verbreitung von Corona entgegenzuwirken.

Eine Minderheit schert sich einen Teufel um Vorschriften und trägt so maßgeblich zu einer zweiten Welle bei. Und noch eins ärgert mich maßlos: In den Medien wird nur von Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen berichtet. Jetzt aktuell über die Maskenpflicht in diesen Einrichtungen. Wer berichtet über Förderschulen oder Werkstätten für behinderte Menschen? Diese Einrichtungen unterliegen auch der Maskenpflicht.

Ich behaupte jetzt mal, dass die Lehrer und Betreuer in diesen Einrichtungen es ungleich schwerer haben. Die Schüler und Behinderten sowieso. Ich habe selbst einen geistig behinderten Sohn und daher ein bisschen Einblick in die Welt unserer behinderten Mitmenschen.

Anita Kmitta aus Baesweiler fragt:

Gib es keine andere Krankheit mehr als nur noch Covid-19? Es sterben täglich Menschen durch Verkehrsunfälle, Altersschwäche, Herzinfarkt, Krebs etc., davon redet man nicht mehr. Kein Virus mehr, nur noch Politik. Den Menschen wird zurzeit mehr Angst gemacht.