Kostenbeteiligung durch Klubs und Liga an Polizeieinsätzen ist komplex

Kommentar zu Polizeikosten für Fußballspiele : Schnellschüsse helfen nicht

Der erste Reflex ist eindeutig: Na klar, die Fußballklubs können Teile der Kosten für die Polizeieinsätze bezahlen, sie scheffeln doch genug Knete. Und: Wer 80 Millionen Euro Ablöse für einen Fußballer bezahlt, der . . .

Ja, ein persönliches Urteil ist schnell gefällt, aber ein Schnellschuss wird der Komplexität des Themas nicht gerecht. Dass sich die Befürworter einer Kostenbeteiligung durch Klubs und Deutsche Fußball Liga erleichtert zeigen und den Hinweis des Bundesverwaltungsgerichts als Sieg bejubeln, ist verständlich. Dass die Klubs prinzipiell für die Kosten bei einem Hochrisikospiel in die Pflicht genommen werden können, bedeutet aber noch nicht den Titelgewinn.

Gesucht: eine Lösung für alle

Die Innenminister aus Niedersachsen, Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein wollen keine Gebührenbescheide verschicken – und schon wäre die Chancengleichheit dahin. Bremer, Mönchengladbacher und Kölner zahlen vielleicht einmal im Monat, Frankfurter, Freiburger und Münchner nie? Ein bisschen aufatmen dürfen abgestürzte Traditionsklubs mit Risikopotenzial. Allein in NRW sollen mehr als zehn Prozent aller Polizeieinsätze auf die Vierte Liga mit Vereinen wie Alemannia Aachen oder Rot-Weiß Essen fallen. Die Regelung soll nämlich keine Anwendung unterhalb der Ersten und Zweiten Liga finden.

Das Thema muss gründlich und möglichst ohne große Emotionen geklärt werden, und vor allem muss eine für alle Klubs gültige Lösung gefunden werden. Von der Politik und vom Sport.

Wobei die Vertreter des Fußballs noch einige ganz gute Argumente in der Hinterhand haben. Dass die 36 Profiklubs zusammen Steuern und Sozialabgaben von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr zahlen, darf nicht unter den Rasen gekehrt werden. Damit steuern sie schon einen beachtlichen Teil bei, denn es gilt der Grundsatz, dass der Staat die notwendigen Kosten zur Erfüllung seiner Aufgaben grundsätzlich aus Steuermitteln aufzubringen hat. Und: Gilt der richterliche Hinweis, „für den besonderen Polizeiaufwand aus Anlass einer kommerziellen Hochrisikoveranstaltung darf grundsätzlich eine Gebühr erhoben werden“, nur für Fußballspiele? Ist dann nicht auch zum Beispiel der Kölner Rosenmontagszug eine Hochrisikoveranstaltung? Ohne Hooligans und deren Gewaltpotenzial zwar, in diesen Zeiten aber nicht ohne Risiko.

Die Lösung ist nicht einfach. Oder doch? Ganz schlicht vorgeschlagen: Klubs und DFL zahlen eine Summe X in einen Topf, aus dem sich die Länder bei Hochrisikospielen bedienen können. Es würde nach einem Unentschieden klingen. Und ein Kompromiss muss nicht immer das schlechteste sein.

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