Kommentiert: Zuckerbergs Blabla

Kommentiert: Zuckerbergs Blabla

Ob er in die Geschichte eingehen wolle als „ein Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien zerstört?“, wird Facebook-Gründer Marc Zuckerberg am Dienstagabend im Europaparlament gefragt. Der liberale Fraktionschef Guy Verhofstadt sorgt mit dieser Einlassung immerhin für ein Highlight der öffentlichen Befragung in Brüssel.

Zuckerbergs Antwort kurz gefasst: Blabla — sofern er denn überhaupt auf Fragen eingeht und nicht lieber freundlich lächelnd alle Kritik an sich abperlen lässt. Fazit der nur anderhalbstündigen Plauderstunde: Außer Spesen nichts gewesen!

Das liegt vor allem am Europaparlament selbst, das diesen Termin offenbar als ideale Bühne für allerlei — oft zu Recht vergessene — Selbstdarsteller im Plenum missverstanden hat. Denn das von Parlamentspräsident Antonio Tajani gewählte Format ermöglicht es den Parlamentariern zwar einerseits, eine Fülle von durchaus kritischen Fragen zu stellen. Doch es erlaubt Zuckerberg andererseits auch, auf missliebige Fragen überhaupt nicht zu reagieren.

Routinierte PR-Show

Damit nimmt sich das Parlament selbst die Luft aus den Segeln. Zuckerberg spult eine routinierte PR-Show ab und verschwindet schließlich wieder, nachdem er selbst bemerkt, dass die Zeit nun abgelaufen sei. Was für eine Demütigung für dieses Parlament!

Man hätte doch nur zu gerne gewusst, wie Zuckerberg sein Monster tatsächlich zu zähmen gedenkt. Der Verdacht liegt nahe, dass es diesem Multimilliardär nur darum geht, seinen Reichtum zu mehren und mit den Daten der Europäer weiterhin ungestört von der Politik gute Geschäfte zu machen.

Die EU muss Druck machen

Solange sich die Europäer mit ein paar warmen Worten abspeisen lassen, wird sich daran auch nicht viel ändern. Machen Sie, liebe Leserinnen und Leser, doch einmal einen kleinen Test: Melden Sie Hasspostings, Fake News oder ganz offensichtlich gefälschte Profile. Es passiert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: nichts!

Ganz zu schweigen vom völlig undurchsichtigen Umgang des Konzerns mit Kundendaten. Hier ist Misstrauen angebracht. Ohne staatlichen Druck auf europäischer Seite ist den US-Amerikanern einfach nicht beizukommen. Von einem Nutzerboykott zu träumen wäre jedenfalls naiv: Dass Facebook inzwischen eine dominierende Stellung einnimmt, bezweifelt wohl nicht mal Zuckerberg. Auch wenn er in Brüssel darüber fabuliert, dass es in der Branche jede Menge Wettbewerber gebe. Konkret wird er freilich nicht. Dafür fehlt dann doch die Zeit. Schade eigentlich.

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