Kommentiert: Wer packt das Thema Atommüll an?

Kommentiert: Wer packt das Thema Atommüll an?

Castoren in die USA? Da war doch mal was.

Mit der Bereitschaft, den Jülicher Atommüll aufzunehmen, haben die amerikanischen Behörden eine Tür geöffnet, die für viele als längst versiegelt galt, wenn es um die delikate Frage ging: Was wird aus den radioaktiven Hinterlassenschaften der Jülicher Nuklearforschung? Dass eben diese Exportvariante nun wieder gleichberechtigt neben den anderen beiden Möglichkeiten auf dem Tisch liegt, zeigt vor allem eins: Seit Jahren geht in Jülich gar nichts voran. Und das ist ganz schlecht. Denn eigentlich dürften die 152 Castoren schon seit über vier Jahren nicht mehr in Jülich sein. Seit Mitte 2013 ist die Betriebserlaubnis des Jülicher Zwischenlager erloschen.

Gewiss, der Transport von nuklearen Brennstoffen ist kein Thema, aus dem man persönliches oder politisches Renommee ziehen könnte. Ob man nun die Jülicher Castoren in die USA oder nach Ahaus transportiert — in beiden Fällen ist mit großem öffentlichen Widerstand zu rechnen. Und auch der Neubau eines adäquaten Lagers in Jülich dürfte nicht zu Begeisterung führen. Dementsprechend duckt sich bislang jede Regierung auf Landes- und Bundesebene weg, wenn es darum geht, Initiative und Verantwortung für den Jülicher Atommüll zu übernehmen.

Diese offensichtliche Ablehnung von Initiative im Umgang mit dem stark strahlenden radioaktiven Abfall ist kurzsichtig. Sie wird nämlich zum Problem, wenn es um die Suche nach einem Endlager geht. Denn dafür braucht es eine aufgeklärte Öffentlichkeit, die akzeptiert, dass der Umgang mit Atommüll zwar nicht angenehm aber unausweichlich ist. Eine Öffentlichkeit, die den Verantwortlichen so viel Vertrauen schenkt, dass sie unpopuläre Entscheidungen der Politik am Ende auch ertragen kann.

Aber dieses Vertrauen muss man sich erst einmal erwerben — durch Mut und Ernsthaftigkeit.