Kommentiert: Trumps unverantwortliches Muskelspiel

Kommentiert: Trumps unverantwortliches Muskelspiel

Es bedarf keines Hangs zu apokalyptischen Phantasien, damit einem angst und bange werden kann. Zwei bis an die Zähne bewaffnete Atommächte stehen sich in der Syrien-Krise gegenüber und drohen einander offen mit Militärschlägen.

Nie war in den vergangenen Jahrzehnten die Gefahr größer, dass verbale Muskelspiele außer Kontrolle geraten und in einen heißen Krieg umschlagen.

US-Präsident Donald Trump kündigt Raketenangriffe auf Syrien an. Dabei steht weder zweifelsfrei fest, ob es dort erneut einen völkerrechtswidrigen Einsatz von Giftgas gegeben hat. Noch ist unklar, wer dafür möglicherweise die Verantwortung trägt. Natürlich ist dem syrischen Diktator Assad solch ein schändliches Verbrechen zuzutrauen. Aber gleiches gilt auch für die islamistischen Rebellen.

Die Frage, die sich deshalb stellen muss, lautet: Wer hatte ein Interesse an der Eskalation? Assad wohl kaum. Seine Truppen standen kurz vor der Eroberung der Rebellenenklave Ost-Ghuta. Warum sollten sie zu diesem Zeitpunkt Giftgas einsetzten? Assad war hinlänglich bekannt, dass er damit eine rote Linie überschreiten und die Westmächte auf den Plan rufen würde. Auf der anderen Seite die Rebellen: Wollen sie Assad einen Giftgasangriff in die Schuhe schieben, um Trumps Ankündigung zu konterkarieren, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen?

Natürlich: Das ist nur eine von vielen Thesen. Vielleicht weiß die Welt mehr nach dem Einsatz internationaler Chemiewaffenexperten in Syrien. Bis zu deren Befund mit Militärschlägen zu drohen, ist jedenfalls unverantwortlich. Zumal klar sein muss: Werden durch einen US-Angriff auf Syrien russische Soldaten getötet, dürfte sich Moskau zu einem militärischen Gegenschlag genötigt sehen.

Vieles erinnert an die Kuba-Krise. Damals entging die Welt nur knapp einem Inferno, weil an der Spitze der Großmächte mit John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow zwei Männer standen, die bei all ihrem Machtpoker ein gutes Stück Restvernunft besaßen. Ähnlich gestrickt ist der russische Autokrat Wladimir Putin. Aber gilt das auch für Trump und sein Umfeld?