Kommentiert: Schwache Botschaft

Kommentiert: Schwache Botschaft

Von einer „Schockentscheidung“ der Berlinale-Jury zu sprechen, ist sicherlich nicht treffend. Trotzdem ist der Goldene Bär für Adina Pintilie und ihren Film „Touch Me Not“ ein Paukenschlag. Nicht mal Spezialisten hatten diesen Film auf dem Zettel. Bleibt die Frage, was Jury-Chef Tom Tykwer und seine Mitstreiter mit dem überraschenden Votum zum Ausdruck bringen wollten.

Tykwer hatte sich schon vor Beginn des Festivals „wilde und sperrige“ Filme gewünscht, und der Beitrag der rumänischen Regisseurin ist tatsächlich genau das: sperrig. Wie im Labor erforschen Schauspieler und echte Menschen die Spielarten von Sexualität.

Pintilie selbst sagt: „Wir bieten den Zuschauern einen Spiegel an, in den sie blicken und sich fragen können, was für sie Intimität bedeutet.“ Ein Experiment, dessen inhaltlicher Mehrwert in Zeiten von bis in alle Details ausgeleuchteter und breit diskutierter Sexualität fraglich bleibt.

Es wirkt eher so, als sei der Film allein um des Experiments Willen ausgezeichnet worden. Viel Nachhall ist davon nicht zu erwarten, zumal „Touch Me Not“ in den kleinen Kinos der ganz großen Städte nur ein überschaubares Publikum erreichen dürfte.

In Zeiten der #MeToo-Debatte und des anhaltenden Schreckens in Syrien hätte man sich eine stärkere Botschaft gewünscht. Die immerhin sendet die Berlinale in den Nebenkategorien.

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